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Der Arzt Dr. Flamand vollbringt wahre Wunder in seiner Schönheitsklinik, so schwärmen seine Patientinnen. Doch eine ehemalige Patientin, bei der das Gesicht entstellt ist, will sich an ihm rächen, ihr Säureattentat trifft jedoch seine Schwester Ingrid. Sich Vorwürfe machend verspricht er ihr ein neues Gesicht und lässt dazu das Fotomodell Barbara Helen entführen, sowie den ehemaligen KZ-Arzt Karl Moser einfliegen. Dieser hielt sich schon damals für talentierter als Mengele und glaubt, die Totaltransplantation des Gesichts vornehmen zu können. Doch das Verschwinden von Barbara ruft den Privatdetektiv Morgan auf den Plan, der für Barbaras Vater die Ermittlungen nach dem Verbleib aufnimmt. Vierzig Jahre nach George Franjus "Augen Ohne Gesicht" wagt sich ausgerechnet der Sleaze- und Schundfilmer Jess Franco an ein Remake und heraus kommt einer der besten Filme von ihm, der allerdings mit dem Original nicht mithalten kann. Allein schon die Darstellerriege dürfte für einige interessant sein, denn außer den üblichen Verdächtigen aus Francos Filmen, wie Howard Vernon oder Lina Romay als Ehepaar Orloff (als Hinweis auf Francos "Der Schreckliche Dr. Orloff"), die Jean-Rollin-Muse Brigitte Lahaie als Frau und Komplizin des umschwärmten Arztes, passenderweise gespielt von Helmut Berger, werten diesen Streifen sichtlich auf. Anton Diffring als blauäugiger KZ-Arzt, Telly Savalas als wohlhabender Vater sowie Robert Mitchums untalentierter Sohn Christopher als Detektiv und dazu noch Horrorfilmikone Caroline Munro als Geisel runden das illustre Bild ab. Doch auch was die Ausstattung, das Drehbuch und die Kamera angeht, bringt es Franco zu einem richtigen Film, der weder durch gähnende Statik langweilt noch aus den einfachsten Dialogen Gedichte machen will. So ist "Faceless" vielmehr ein interessanter Horrorthriller, den sich ausnahmsweise auch ansonsten dem Jess nicht zugeneigte Zuschauer ansehen können. Natürlich gibt es ein paar kleine Erotikszenen und sogar Anleihen bei seinem typischen W.I.P-Thema, doch so verhalten, wie man es sonst kaum von ihm kennt. Ebenso überraschend sind die blutigen Ansichten, wenn die Morde oder auch die Operationen in Szene gesetzt sind. Aus heutiger Sicht sind diese sicher teils belächelnswert, da die Umsetzung doch meist offensichtlich ist. Trotzdem ist das Gezeigte allein schon von den Ideen gar nicht mal so albern, wenn eine Spritze ins Auge gerammt oder einem Opfer das Gesicht bei Bewusstsein abgezogen wird, bevor der Rest mit der Kettensäge portioniert wird. Jacques Gastineau ist gewiss nicht der französische Tom Savini und Georges Franju ist zwar dem Schnelldreher Jess Franco ein Vorbild, mehr jedoch nicht. Trotzdem kann dieser gute Streifen aus seinem furchtbaren Gesamtwerk deutlich herausstechen, ähnlich wie sein "Jack The Ripper" mit Klaus Kinski. Die Umgebung der abseits gelegenen Klinik ist schlicht, aber gelungen, während die neonbunten Einschübe des nächtlichen Paris mit den Discos eher Stimmungskiller sind. Dies liegt nicht zuletzt an dem grauenhaft schwülstigen Disco-Pop-Soundtrack, an dem außer Romano Musumarra auch Franco seine Finger mit im Spiel gehabt haben soll.

Fazit: Ein richtiger Horror-Thriller, der nicht nur Francofans gefallen dürfte. 6/10 Punkten

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