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"Essen sie Fast Food?"

Ausgangssituation: Zwei Mädchen verklagen McDonalds. Der Grund: Sie geben der Fast Food Kette die Schuld an ihrem immensen Übergewicht. Die Folge: Regisseur Morgan Spurlock ("Where in the World Is Osama Bin Laden?") wagt ein radikales Selbstexperiment. Er will sich einen Monat lang ausschließlich von McDonalds Produkten ernähren. Dabei stellt er sich selbst Regeln auf. Er muss sich 3 Mahlzeiten am Tag gönnen und diese vollständig verzehren. Jedes Gericht auf der Speisekarte muss er mindestens einmal während der Zeit des Experimentes gegessen haben. Wenn ihm die Sondergröße Super Size angeboten wird, muss er diese nehmen. Bei seinem gewagten Versuch lässt er sich von Ärzten und einer Ernährungswissenschaftlerin überwachen.

"Super Size Me" ist keineswegs als objektive Dokumentation zu verstehen. Der überaus wahnwitzige Versuch steht nicht im Vergleich zu einer realen Ernährung während des Alltags. Er stellt aber Fragen auf, die McDonalds sowie viele weiter Fast Food Ketten an den Pranger stellen und die eigene Ernährungskultur überdenken lassen.
In Kapiteln eingeteilt thematisiert die Dokumentation die Ausgangssituation des Versuchs, die Verbreitung der Ketten und deren Angebote, das Essensverhalten von Mitbürgern, das Angebot an Lebensmitteln in Schulen und deren Wahrnehmung gegenüber Schülern sowie die resultierende Abhängigkeit.

Auf die eingangs gestellte Frage, wie sich sein Körper auf den Versuch verändern würde, antworten die Ärzte nur vorsichtig. Über die übliche Zunahme an Gewicht und Erhöhung des Cholesterinspiegels sind sich alle einig. Doch schon bald zeigen sich Aus- und Nebenwirkungen, die selbst die Mediziner so nicht erwartet hätten. Dieser Umstand erhöht auch die Spannung des Dokumentarfilms, da der Ausgang ungewiss ist.

Stilistische orientiert sich die satirische Dokumentation eindeutig an den Vorbildern des polarisierenden Dokumentarfilmers Michael Moore ("Bowling for Columbine", "Sicko"). Real gedrehte Aufnahmen und Interviews wechseln sich also mit gezeichneten Einschüben und Statistiken ab.

Gekonnt verwebt Spurlock seinen Selbstversuch mit den Meinungen von Mitmenschen, Kritikern, Anwälten und Wissenschaftlern. Selbst Politik und Wirtschaft lässt er nicht außen vor. Zahlreiche Kuriositäten erheitern dabei genauso, wie sie aufwühlen. Bestes Beispiel ist der Zustand an amerikanischen Schulen. Wenn fettige Pommes von Schülerinnen als gesundes Gemüse bezeichnet werden, ist das schon auf eine besondere Art und Weise skurril.

"Super Size Me" ist eine ironische Reise durch die amerikanische Konsumgesellschaft, die McDonalds fokussiert aber auch das Angebot anderer sowie das allgemeine Essverhalten thematisiert. Die angerissenen Themen sind massentauglich, folglich auf jeden anwendbar, wenn auch in nicht so einem extrem präsentierten Beispiel wie dem Selbstversuch des Regisseurs. Die mutige Dokumentation regt gewollt zum diskutieren an, denn der Ausgang besagt, dass jeder selbst für sein Essverhalten zuständig ist und jeder Einfluss auf die Nahrungsmittelindustrie hat.

9 / 10

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