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Die Vereinigten Staaten von Amerika sind nicht nur das fetteste Land der Welt, sondern bald vielleicht auch noch das dümmste. Diese provokante Aussage verpackt der Dokumentarfilmer Morgan Spurlock in seinem Film über die Fettleibigkeit Amerikas und die Machenschaften der Fast Food-Industrie, in dem er sich einem gewagten Selbstexperiment unterzieht: 30 Tage lang will er sich ausschließlich von McDonald's-Essen ernähren. Die Folgen, das zeigt der Film neben einer ganzen Reihe so erschreckender wie empörender Fakten auf, sind katastrophal.

Man merkt es Spurlock an, dass ihn eine gewisse geistige Verwandtschaft zu Michael Moore umtreibt. "Super Size Me" hangelt sich oft an der Grenze zur bloßen Selbstdarstellung entlang - besonders die Gespräche mit der besorgten Freundin und das Telefonat mit seiner Mutter sind schlicht unnötig und wirken darüber hinaus deutlich inszeniert - und oft genug werden extrem suggestive Bilder und Schnitte aneinander gereiht, um den Zuschauer in die Richtung zu lenken, in der man ihn haben will. Das hat mit klassischem professionellen Dokumentarstil nicht viel gemein - erreicht aber dennoch sein Ziel.

Denn unabhängig davon, ob man die formale Inszenierungsart befürwortet oder ablehnt, hat "Super Size Me" einige schlagkräftige Argumente zu bieten. Er informiert klar und deutlich über die Praktiken, mit denen Fast Food-Konzerne - allen voran McDonald's - systematisch daran arbeiten, schon kleine Kinder mit ihrem Essen zu konditionieren und manipulieren. Angesichts des Strebens nach immer mehr Profit gehen Dinge wie Gesundheit und Rücksicht auf andere völlig unter. Dass dabei allerdings nicht nur die körperliche Gesundheit von Kindern und Erwachsenen leidet, beweist eine beeindruckende - und schockierende - Szene, in der Kinder, denen verschiedene Bilder von berühmten Personen gezeigt werden, ein Bild von Jesus Christus nicht erkennen, aber ausnahmslos wissen, wer Ronald McDonald ist.

Spurlock prangert die Kaltschnäuzigkeit der großen Konzerne, für die einzig und allein der Profit gilt, ebenso an wie die Bereitschaft der Politik, großzügig über die negativen Folgen extremer Nahrungsmittel-Veränderung hinwegzusehen, wenn nicht sogar diese zu unterstützen. Um die Zuschauer aufzurütteln und zu empören, interviewt er verschiedene Parteien, Ärzte und Gesundheitsminister ebenso wie Vertreter der Fast Food-Lobby. Auch einfache Menschen auf der Straße reden darüber, welches Verhältnis sie zum Fast Food haben. Dabei entsteht in den besten Szenen des Films ein breites Spektrum an Meinungen und Ansichten, die man nicht immer teilen muss, die aber durchaus ein akutes Problem aus mehreren - teils sehr interessanten - Perspektiven beleuchten.

Wenn er solche polarisierenden Interviews verstärkt dargestellt, auch das Problem der individuellen Verantwortung mehr berücksichtigt hätte und um ein wenig mehr Transparenz bemüht gewesen wäre, hätte "Super Size Me" ein großartiger Dokumentarfilm werden können. Aber auch wenn er in mancherlei Hinsicht bedenkenswert und nicht immer vollkommen glaubhaft ist, entwirft er das erschreckende Bild einer hochentwickelten Industrienation, deren Bevölkerung durch eben diese Industrie systematisch in körperliche und emotionale Armut getrieben wird. Als Appell für einen vernünftigeren Umgang mit dem eigenen Körper und verstärkter kritischer Reflexion der Nahrungsmittelindustrie funktioniert der Film auf jeden Fall.

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