Review

„Out of Reach“ ist Seagals neuester im Ostblock abgedrehter Actionfilm und ist wieder unterdurchschnittlich.
William Lancing (Steven Seagal) vereint mal wieder typische Features von Seagal-Charakteren: Zum einen ist er wieder ökologisch engagiert, lebt abgeschieden in einer Blockhütte und pflegt verletzte Tiere gesund. Zum andern hat er aber wieder seine geheimnisvolle Vergangenheit, in der zu kämpfen lernte. Einige Mitarbeiter einer Behörde aus jener Vergangenheit suchen ihn auf und wollen ihn kaltstellen, doch William bretzelt der Bande kurzerhand einen vor die Drömsel, was halbwegs OK gemacht, aber sehr kurz ausfällt (und Seagal in ein, zwei Einstellungen gedoubelt wird).
William unterhält regen Briefkontakt mit Irena Morawska (Ida Nowakowska), einem polnischen Waisenkind, die er zwar noch nie getroffen hat, die aber wie eine Tochter für ihn ist. Eine Horde von Menschenhändler sucht allerdings unter dem Deckmantel eines angeblichen Förderungsprogramms das Waisenhaus auf, um Irena und andere Mädchen mitzunehmen. Da wäre dann schon die Bande an fiesen Subjekten, die im Verlauf der Handlung die Fresse voll zu kriegen hat, eingeführt und wir können zu William zurückkehren.

Der nimmt nach dem Stress in den USA eine Auszeit und will Irena in Polen besuchen. Er ist sehr überrascht als er sie im Waisenhaus nicht mehr vorfindet und will auch keine der ihm aufgetischten Geschichten glauben. Er kommt schnell auf den Trichter, dass Menschenhändler ihre Finger im Spiel haben, und wird natürlich recht schaffend böse…
Ein besseres Drehbuch war wohl „Out of Reach“ und so begibt sich Seagal in die nächste Ostblockproduktion, nachdem „Belly of the Beast“ nicht nur in andern Gefilden spielte, sondern auch besser war. Immerhin sind die Locations hier zwar kostengünstig gewählt, aber erschaffen keinen Fantasieostblock wie die fast schon surrealen Schauplätze von „Out for a Kill“ und man vermeidet (trotz Puffszene) die Nutten-und-Slumviertel Klischees des selbigen. Es geht auch wieder etwas realistischer zur Sache, aber trotzdem ist auch „Out of Reach“ unterdurchschnittlich.
Das liegt zum einen an der schon x-mal gesehenen Handlung, die wirklich nichts Neues bietet. William sammelt Hinweise, verdrischt böse Schergen (aber nicht so häufig) und wenn alle Fieslinge die Radieschen von unten begucken kommt der Abspann. Doch die Geschichte wird bestenfalls durchschnittlich spannend erzählt und die Glaubwürdigkeit arg strapaziert (William erkennt einen aus Appetithäppchen gelegten Hilferuf, auch wenn das Tablett normal belegt aussieht usw.) Hinzu kommt die vorprogrammierte Andeutung einer Romanze zwischen ihm und einer ermittelnden Polizistin – natürlich ohne Pep, so wie die meisten Subplots hier, die sich u.a. um ein kleptomanisches Blag drehen. Williams Vergangenheit wird nebulös erwähnt, aber warum er Stress mit seiner alten Behörde hat wird nie so recht klar. Aber immerhin wird die Geschichte recht flott erzählt, sodass kaum Langeweile aufkommt.

Seagal muss hier wieder mit seiner Körperfülle kämpfen und wird dementsprechend oft in lange Mäntel u.ä. gewandet. Aber man verlangt ihm keine unrealistisch akrobatischen Aktionen á la „Belly of the Beast“ ab, weshalb nur noch in wenigen Szenen gedoubelt werden muss. Leider hat er insgesamt deutlich weniger zu tun und muss nur ab und zu (immerhin mit gewohnt guter Handarbeit) kämpfen, was mäßig spektakulär ist. Neben den paar recht ordentlichen Prügeleien gibt es ein paar ganz gute und halbwegs blutige Shoot-Outs sowie einen finalen, aber etwas kurzen Schwertkampf. Leider konzentriert sich die Action fast komplett auf das Ende des Films und könnte mehr sein.
Seagal gibt seine gewohnte Rächerrolle und das durchaus routiniert, aber aufgrund seiner zusätzlichen Pfunde und des Mangels an Kampfszenen wirkt dies deutlich schwächer als früher. Der Rest der Darsteller ist für die Budget-Verhältnisse des Films an sich ganz ordentlich und selbst die Kinderdarsteller sind gar nicht mal so übel.

Ein weiterer unterdurchschnittlicher Seagal, zwar gut gefilmt und von der Erzählweise her ordentlich, aber der Action fehlt es an Masse und die Spannung ist bloß mittelmäßig.

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