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Zu den Darstellern, deren Oeuvre mich immer wieder verblüfft, zählt sicherlich Michael Gough, der jüngeren Filmfans hauptsächlich noch als Butler Alfred in den Burtonschen Batman-Filmen bekannt sein dürfte.

Dass Gough nicht nur ein namhafter Darsteller in allen Gassen war und eine enorme Liste an phantastischen Genrebeiträgen erarbeitet hat, ist vielen gar nicht mehr bekannt, in gewisser Weise ist seine Teilnahme zumindest eine Weile ein ähnliches Markenzeichen gewesen, wie es auch Price, Cushing und Lee schafften.

Und während sich die Klassiker von „Hammer“ auftürmten, hatte Gough seine eigene Karriere – und die wird in britischen Gruselkreisen auch heute noch hochgehalten. Immerhin war er beim klassischen „Dracula“ 1958 dabei und konnte im Anschluss gleich auch mal in „Das Schwarze Museum“ in einer Hauptrolle reüssieren. Und irgendwann wollte ihn dann zwischendurch für zwei Filme mal Amerika.

Über den ersten dieser Ausflüge – das „King Kong“-Ripoff „Konga“ von 1961 wollen wir nicht zu viel Platz verlieren, aber der heute so ziemlich komplett vergessene „Black Zoo“ (den ich selbst erst vor drei Monaten erstmalig überhaupt wahrnahm) gehörte ihm ganz allein. Schade nur, dass es so ein zerfahrenes Werk geworden ist.

In bester Tradition des 1933er-Klassikers „Murders in the Zoo“ gibt Gough in „Black Zoo“ den Privatzoobesitzer Michael Conrad, der hauptsächlich Großkatzen präsentiert, freundlich ergänzt durch eine kleine Schimpansenshow und dem unvermeidlichen George Barrows, der sein berühmtes Gorillakostüm mal wieder übergeworfen hat und in seinem Käfig hockt.

Conrad verehrt seine Tierchen geradezu, seine Frau ist aber nicht ganz so happy und sein vorzugsweise stumm agierender junger Assistent Carl ist ihm auch mehr treu ergeben, weil Conrad stetig Druck auf ihn ausübt. Mit netten Führungen könnte es endlos weitergehen, aber es gibt da so gewisse Störungen im Ablauf der Welt, die die Harmonie stören. Mal hat Carl eine Freundin, dann droht ein gewissenloser Immobilienentwickler, mittels Schummelei den Zoo zu schließen, dann wieder killt ein versoffener Angestellter (Bombenrolle für Elisha Cook jr.) den Tiger. Tjaja, und diesen „Störungen“ begegnen dann auf die eine oder die andere Art und Weise einem Paar kräftige Raubtierkiefer.

So pluckert der Plot episodisch voran, immer stop and go, bis Michael dann irgendwann in einer Art Freimaurergeheimorden für Großkatzen die Seele seines Tigers in ein neues gestreiftes Kätzchen für den Zoo übertragen wird – oder zumindest wird das frechweg behauptet, diese Sequenz wirkt ziemlich bizarr und befremdet merkwürdig

Womit auch die Frage aufgeworfen wird, ob die Tierchen hier einfach nur enorm gut erzogen und daher folgsam sind oder ob eine Art telepathischer Verbindung besteht, mit denen er die Tiger, Löwen und Leoparden mordlüstern losschicken kann.

Das ist aber auch egal, denn die Story passt auf ein Faltblatt und was fehlt bei so einer Konstellation noch: na klar, die Polizei und eine Ehefrau, die allmählich das Weite sucht und erspäht.

Bei gerade mal 85 Minuten Lauflänge kann so eine Story nur tragisch enden und das tut sie auch im buntesten Eastmancolor, das zu haben war.

Gedreht wurde diese Allied-Artists-Warner-Produktion übrigens zu 102 Prozent im Studio in Hollywood, weswegen der Film auch wie eine knallbunte TV-Episode daherkommt. Was von dem zögernden Plot ablenkt, dem es am deutlichsten hier an Biss mangelt.

Gough bemüht sich um beherrschte Würde aus dem Hause Hammer, aber wenn er dann gegen Ende mal volle Pulle durchdreht (er hat zwar null Interesse an seiner Frau, aber brav gehorchen und daheim bleiben soll sie trotzdem), dann bekommt man ein fröhliches Overacting geboten, dass ganz sicher nicht oscar-, aber erinnerungswürdig ist.

Wer „Black Zoo“ irgendwo aufstöbern kann, soll sich damit einen schönen Vorabend machen, das ist durchaus möglich, wenn man ein Faible für die unabhängigen Produktionen der 50er und 60er hat (es handelt sich nicht um eine Trashproduktion, eher um ein sparsam realisiertes Kammerspiel – nur eben im Tierpark).

Mir persönlich ging das Interesse flöten, als der Film zum vierten Mal das „Störungsprinzip“ durchdekliniert hat, aber ein gewisser Charme bleibt dennoch bestehen. (4/10)











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