Das S21 ist heute ein Museum. Während der Terrorherrschaft der Roten Khmer in Kambodscha diente es als Foltergefängnis, in dem mindestens 14.000 Menschen gefoltert, verhört und ermordet wurden.
Regisseur Rithy Panh stellt mit ehemaligen Wachen und Verhörern damals alltägliche Routinen nach. Außerdem gibt er zwei der nur sieben Überlebenden eine Stimme, darunter auch dem Künstler Vann Nath, der in seinen Bildern die grauenvollen Erlebnisse festhält. Besonders interessant ist das Aufeinandertreffen von Tätern und Opfern.
Man kann den Film wahrscheinlich als Lehrstück über einige Mechanismen von Massengewalt bezeichnen, weil in den Dialogen und nachgestellten Szenen deutlich wird, wie sich die Täter blindem Gehorsam ergaben und ihre Verantwortung hinter Befehlsketten verbargen. Die Konstruktion eines Feindbildes, von dem eine behauptete existenzielle Gefahr ausgeht, ist fester Teil des Täterdenkens, das seine Feinde vollständig entmenschlicht sieht. Das Töten selbst ist in einem bürokratischen Vernichtungsakt normalisiert und banalisiert worden.
Der Film verzichtet auf einfache Täter-Opfer-Stereotypen. Er zeigt die Machtverhältnisse im System klar auf, in diejenigen, die Gewalt ausgeübt haben, und jene, die ihr ausgeliefert waren. Dennoch vermeidet der Film eine Dämonisierung der Täter und zeigt sie ebenfalls als „ganz normale Menschen“, die im Kontext einer menschenverachtenden Ideologie und eines totalitären Systems zu Tätern werden, ohne ihre Verbrechen dadurch zu relativieren oder zu entschuldigen. Die Doku schafft zudem einen Raum der Selbstermächtigung des Opfers (Vann Nath), der in der Begegnung mit den Tätern zum Fragenden wird, der nicht bloß erinnert, sondern Verantwortung einfordert.
Weil sich der Film als historisches Dokument versteht, ist er nicht an einer spannungsgeladenen Dramaturgie interessiert und verzichtet auf emotionalisierung obwohl er durchaus erschütternd sein kann. Daher ist er auch weniger zugänglich als ähnlich gelagerte Dokus wie The Act of Killing (2012) und The Look of Silence (2014), die unterhaltsamer erzählt sind.
Trotzdem ist S21 ein außergewöhnlich sehenswerter Film, weil er als Mahnmal Themen wie Erinnerung, Verantwortung und Schuld verhandelt.