„Warum kann ich nie böse auf dich sein, Garfield?" – „Weil ich 'ne Katze bin.“
„Garfield als Pirat“ alias „Garfield auf der Schatzinsel“ ist der vierte, 24-minütige Zeichentrick-Kurzfilm des wohlbeleibten Comickaters, erneut geschrieben von Garfields Zeichner Jim Davis und unter der Regie Phil Romans für den US-TV-Sender CBS inszeniert. Die deutschen Titel suggerieren eine Nähe zum Piraten-Abenteuerfilm, vermutlich weil man hierzulande Mitte der 1980er mit den Halloween-Feierlichkeiten noch nicht allzu viel anzufangen wusste. De facto handelt es sich um ein Halloween-Special, das am 30. Oktober 1985 in den USA erstausgestrahlt wurde.
„Die Geschichte scheint nun doch ein Happy End zu nehmen...“
Garfield ist vor der Glotze eingepennt und wird vom Kinderfrühsportprogramm mit Binky dem Clown geweckt. Der weist auf Halloween und – zu Garfields Freude – auf die ganzen damit verbundenen Süßigkeiten hin. Also zieht Garfield zusammen mit Hündchen Odie als Piratenduo los. Obwohl sie schon reichlich Beute eingesackt haben, muss Nimmersatt Garfield unbedingt noch zu einem einsamen Haus auf einer Insel übersetzen, wo sie auf einen älteren Mann treffen, der ihnen eine unheimliche Piratengeschichte erzählt – bei der es sich, wie die beiden bald feststellen müssen, keineswegs um Seemannsgarn handelt…
Ich mag solche Halloween-Specials mit ans Herz gewachsenen Comic- und Cartoon-Figuren. Dieses verfügt über einige sehr charmante Songs, ohne dadurch zum Musical zu werden. Wie üblich lässt Garfield seine Zuschauerschaft an seinen Gedanken teilhaben, was die Dialoge ersetzt, während Odie mehr oder weniger einfach ein höchstens mal bellender oder winselnder Hund bleibt. Bevor es Garfield und Odie auf die Straße zieht, gibt es eine Kostümschau zu sehen. Für die Zeichentrickfilmchen hatte Jim Davis offenbar viel Spaß daran, Garfield in die unterschiedlichsten Klamotten zu stecken, was er hier voll ausleben kann. In der Halloween-Nacht begegnen sie dann ein paar wirklichen Gruselgestalten, was recht witzig gemacht ist und die Möglichkeiten einer animierten Geschichte gut nutzt. Die Geschichte um um Mitternacht wiederkehrende Piraten, die der ältere Mann ihnen erzählt, ist teilvisualisiert, während, ganz Gruselfilmklischee, ein heftiges Unwetter tobt – als könne man ein solches durchs Erzählen von Makabrem heraufbeschwören.
Recht unvermittelt ist „Garfield als Pirat“ zur Horrorkomödie geworden und ehe unsere Freunde sich versehen, türmt der Mann mit ihrem Boot und den erbeuteten Süßigkeiten. Dass er nicht gelogen hatte, zeigen sehr charmant gezeichnete und animierte Vorgänge, die an John Carpenters „The Fog“ erinnern. Sich wirklich fürchten dürfte sich dabei aber nur das allerjüngste Publikum. Das Possierliche der vorausgegangenen Garfield-Kurzfilme gerät in Kombination mit derartigen populärkulturellen Anspielungen und dem Halloween-Kontext zu einem kurzweiligen saisonalen Spaß für die ganze Familie, der sich auch gut als Vorprogramm eines echten Horrorfilms macht, kurioserweise aber sämtliche Möglichkeiten für Gags ungenutzt lässt, die daraus resultieren könnten, dass zwei verkleidete Tiere Süßes oder Saures spielen…
Bewertung: 7,5 von 10 Frühsportclowns