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In „Kalter Hauch“ ist Charles Bronson ausnahmsweise mal nicht als feuriger Rächer, sondern als berechnender Profi unterwegs – über Leichen geht er jedoch auch hier.
Besagter Profi ist Arthur Bishop (Charles Bronson), der im Auftrag einer ominösen Organisation Zielpersonen killt und dies dann nach Unfalltod aussehen lässt. So sieht man schon zu Beginn wie Bishop mit fast liebevoller Präzision eines Opfers präpariert, um den Mann nach langer Wartezeit mit einer eingefädelten Gasexplosion über den Jordan schickt. Damit kennzeichnet man Bishop bereits als Profi durch und durch.
Auch sonst ist Bishop professionell bis ins Mark und killt sogar einen alten Freund als die Organisation ihm den Auftrag dazu erteilt. Allerdings bleibt „Kalter Hauch“ dem Zuschauer die Antwort auf viele Fragen bezüglich der Organisation schuldig, z.B. worum es sich dabei genau handelt, denn im Gegensatz zu vergleichbaren Filmen wie „Assassins“ scheint es sich hier um mehr als eine reine Killeragentur zu handeln.

Bishop lernt auch den Steve McKenna (Jan-Michael Vincent), den Sohn des Getöteten, kennen, der eine besondere Kaltblütigkeit und Gleichgültigkeit an den Tag legt. Als Bishop gesundheitliche Probleme bekommt, beschließt er den jungen Mann zu trainieren – was mit weit reichenden Konsequenzen…
„Kalter Hauch“ gehört leider zu jenen Bronson-Filmen, die kaum im Gedächtnis haften bleiben und das was hier bleibt, das sind die Actionszenen. Zur Sache geht es in Form von ein paar Aufträgen, die Bishop erfüllt, sowie einem halbwegs ausladenden Finale. Dort wird einiges an Munition verbraucht, einiges in die Luft gejagt und einige Autos geschrottet, sodass die Action (vor allem gemessen am Herstellungsjahr des Films) recht spektakulär daherkommt.
Allerdings kann dieser Aspekt nur bedingt verhüllen, dass die Story von „Kalter Hauch“ nie und nimmer dazu reicht die rund 95 Minuten Spielzeit gelungen zu füllen. Ehe die Geschichte mal aus dem Quark kommt und etwas mehr Tempo nimmt, ist bereits der halbe Film vorbei und selbst dann ist „Kalter Hauch“ nicht allzu wendungsreich. Lediglich die letzten paar Minuten bieten noch echte Überraschungen, aber das macht die Geschichte dann auch nur geringfügig interessanter. Zudem bleibt „Kalter Hauch“ dem Zuschauer weiterhin viele Erklärungen schuldig, z.B. was die Motivation der Organisation im letzten Drittel des Films angeht.

Um den recht dünnen Plot dann doch noch auf Spielfilmlänge zu prügeln, versucht „Kalter Hauch“ noch das Leben eines professionellen Killers zu analysieren. Das funktioniert in einigen Szenen recht gut (z.B. wenn man merkt, dass Bishop Ersatz für echte Gefühle bei einer Prostituierten kauft oder Bishop und Steve bei einer Selbstmorddrohung beide eiskalt nicht versuchen die Betreffende davon abzuhalten), doch viele andere Momente wirken nur wie Füllmaterial (z.B. die Szene im Dojo, die scheinbar nur eine mäßige Martial Arts Einlage reinquetschen soll). Stellenweise wirkt das Gebaren, die besondere Gefühlskälte der Protagonisten darzustellen, sogar lächerlich, vor allem in jener Szene, wenn Steve zur Beerdigung seines Vaters eine Party feiert, da er ja jetzt das Erbe hat.
Charles Bronson passt dafür ziemlich gut in die Rolle des eiskalten Profis hinein und kann den emotionslosen Killer durchaus würdig verkörpern. Da ist Jan-Michael Vincent weitaus weniger talentiert, aber schlägt sich als kleines Arschloch doch mehr als passabel. Der kleine Auftritt von Bronson-Ehefrau Jill Ireland als Prostituierte hingegen ist wenig einprägsam.

Insofern gehört „Kalter Hauch“ nur zu den mittelmäßigen Bronson-Vehikeln, das zwar mit ordentlichen Actionszenen aufwarten kann, mit seinem Plot jedoch keine Blumentöpfe gewinnt und zudem einige Hänger hat.

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