"Todsicher, oder tot."
Mit einer durchaus anderen Herangehensweise als letztlich angenommen und umgesetzt initiiertes Projekt, welches mehrere Jahre in der Hölle der Warteliste schmorte, Regisseure und Darsteller wurden ausgetauscht, die Studios gewechselt, eindeutige Töne in der Personenkonstellation aufgrund von Ängsten vor der Annahme oder Ablehnung des Publikums entfernt. Der Film wurde mainstreamtauglich gemacht, es ist neben Death Wish - Ein Mann sieht rot (1974) eine der wenigen Arbeiten vom Bronson, die ein Remake mit einem aktuellen Actionstar erfahren haben, dort von Bruce Willis, hier mit Jason Statham, beide Werke haben mehr oder minder ihre Daseinsberechtigung, aber keine Wirkung wie die Originale, keine Nachhaltigkeit, kein besonderes Exemplar, keinen Raum für Interpretationen. Ein neues Team war hier bereit, das Genre einmal kurz zu revolutionieren, insgesamt sechs Zusammenarbeiten zwischen Bronson und Michael Winner, hier nach Chatos Land (1972) und vor Ein Mann geht über Leichen (1973), die Kooperationen sollten noch gut ein Jahrzehnt anhalten:
Die Geschichte handelt von Arthur Bishop [ Charles Bronson ], einem Top-Attentäter, der nach ersten und berechtigten Zögern Steve McKenna [ Jan-Michael Vincent ] unter seine Fittiche nimmt, den skrupellosen und ehrgeizigen Sohn von Harry McKenna [ Keenan Wynn ], dem ehemaligen Chef der Geheimorganisation, für die Bishop arbeitet.
Die stumme viertelstündige Eingangssequenz braucht man nicht mehr vorstellen, Bronson im Bilde gleich, bei seinem Handwerk, nur die Musik und die Töne zu hören, gerade Wege, ein Bewegen in der Mitte der Gesellschaft, man kennt die Umgebung, man nutzt die erlernten Handgriffe. Die Gegend eher abgewrackt, der Score mal lauter und drängend, dann leiser und dennoch zwingend, ein professionelles Handwerk, ein Routinier längst, ein Meister seines Faches auch, ein Wunsch der Darstellung durch den Autor, das Töten als Berufsausübung, als Selbstverständlichkeit, ausgehend vom Mafia-Krimi Ausgang: Mord (1968), bis dato mit Kirk Douglas eine enge personelle Verbundenheit. Um Beobachtungen geht es hier, um Wahrnehmungen, um das Warten, die Geduld, den perfekten Augenblick, das Timing, das Studium der Umgebung, das Hineinversetzen in den Ort und die Person, die Annahme dessen Gewohnheiten. Kühl ist es hier, im Film und vom Film, das Wetter noch nicht Winter, die Jacken aber zu und hoch, ein Manipulieren von Menschen, von Gegenständen, eine tödliche Wortlosigkeit, die Handlung spricht in den Bildern, der Kameraführung, der Installationen der Personen im Raum, innen oder außen ist gleich, die Welt ein verderbliches Szenario. Man weiß meist nichts über die Zielpersonen, man weiß meist wenig über die Täter, die Exaktheit der Handlungen ist entscheidend, ihr Gemütszustand, ihre Neugier oder ihre Erfahrung.
Alles war geplant, eine Wohnhausexplosion, das Foto vom Ziel ebenso wie das Ziel selber der Asche übergeben, anschließend in dringender Anruf. Mittelsmänner hätte man, Auftraggeber, einen (toten) Vater, eine Art Partner, alles unwichtig; ein Vaterkomplex ist anwesend, dazu ein Sohn seines 'Partners', "Chromosomen schlagen eben durch". Die Gegend wird nur selten älter als in diesem Gespräch, man kann sich etwas leisten für seinen Sold, das Milieu kann profaner sein oder auch voluminöser, Gefühlsregungen sind selten genug, manche gar nicht vorhanden, manche erklären sich von selber. Die Wahrheit wird hier nie gesagt, die Lügen ergänzen die Worte, Freundschaften und Bekanntes existieren hier nicht, ein Spiel mit dem Vertrauen des jeweils anderen, ein manipulatorisches, ein grausames Spiel; mal aus der Ferne, dann aus der Distanz, das Benimm bleibt stets dasselbe, eine Beherrschung der Natur. Winner filmt das persönlich und gleichzeitig gnadenlos, die Zimmer und Räume und Häuser eher dunkel, viel nächtliches Geschehen, halbwegs erleuchtet, eine Frauengeschichte auch ohne Erregung, außer einer ärgerlichen Komponente, ein Ungleichgewicht, kein Schmerz, kein Verlangen, kein Trost, keine Notwendigkeit dafür. Ein Schauspiel wurde gespielt, ein Theaterstück, der Hohn des Lebens, danach eine Beerdigung, der Sohn des Toten ohne Trauer, voll mit Zynismus und Selbstsicherheit, die Trauerfeier frühzeitig abgebrochen, eine Party der Jugendlichen dafür, das Erbe ist wichtiger und entscheidend.
Das, was man streichen oder reduzieren wollte, die homosexuelle Komponente, kommt hier dennoch deutlich zum Vorschein, trotz oder wegen der Mentor-Protegé-Beziehung, dem Altersunterschied, der Beziehungen auch zu Frauen, die alle auch nur Alibi wie Friends with Benefits, Liebchen oder bezahlte Prostituierten sind. Psychedelisch ist das Ganze teilweise, der erpresserische Selbstmordversuch einer der vielen Freundinnen, vor den Augen der Männer, eine Provokation, ein Herausforder von Empfindungen, die nicht existieren; zwei Soziopathen, die beim Sterben zusehen; "irrational vielleicht" wird das hier bezeichnet, Jan-Michael Vincent als perfekte Ergänzung. Eine kurze Kampfsporteinlage von Bronson bedient sehr früh den Zeitgeist, sowieso ist der Film in einigen Szenen seiner Zeit getreu oder gar voraus, Sinnestäuschungen durch Gemälde, oder im Aquarium, eine Nervenschwäche bei einem Profikiller, ein Trauma bei einem Auftragsmörder, eine Ablehnung der eigenen Ängste, ein Suchen nach dem Sinn im Leben, dass man bisher nur genommen hat, aber nicht gegeben. Eine Verabredung wird getroffen, zwei Männer grüßen sich, warten aufeinander, besuchen sich gegenseitig, umwerben sich, wird sich geschmeichelt, deutlich homoerotische Tendenzen; zusätzlich zur Person eines Ersatzvaters und des Lehrmeisters, eine mehrfache Beziehung. Es wird sich gegenseitig gebeichtet, beide haben einen Vaterkomplex, eine Scheinfassade, "komische Allüren", es wird miteinander und gegeneinander angetreten. Man spielt nur auf Sieg hier, neumodische Techniken gegen klassische Tricks, die totale Konzentration und Körperbeherrschung, dazu eine Metapher im Dojo, erst ein Match, dann mit brutaler Konsequenz.
Verschiedene Sprachen werden hier gesprochen, viel gefragt, wenig beantwortet, keine Lektion in Philosophie, ab der Hälfte der Laufzeit kommt die Wahrheit heraus, "Der Mechaniker" gibt sich zu erkennen, er erklärt seine Motivation, Geld ist es nicht. Ab dann wird angelernt, ein Naturtalent gefunden, "Es gibt Killer und Killer.", eine historische Lektion, die Kamera konzentriert sich ab nun auf beide Darsteller, einzeln im Bilde oder gleichzeitig, je nachdem, eine Gleichwertigkeit vom Haudegen und dem Neuling, sowohl im Film als auch vom Film. Ein erster gemeinsamer Auftrag steht an, noch hat der Profi das Sagen, ist der Anleitung in der Praxis, der Mann, der das Sagen und das Bestimmen hat, der die Einweisung macht und die Hintergründe erklärt. Ein eher europäischer, französischer Stil, den Winner hier betreibt, wenig Action, viel im Gespräch, viel im Intimen, ein Psychoduell, Spektakel nur im Nötigsten. Beim ersten Auftrag gleich ein Anfängerfehler, eine Motorradjagd, ein Crossrennen durch die Landschaft, auf Leben und Tod, eine ausdauernde Hatz, den Feind im Nacken, den Flüchtigen im Visier. George C. Scott hätte die Rolle des Mechanikers ursprünglich spielen sollen, das kann man sich heute nicht mehr vorstellen, Bronson hat die Figur und sein Coming-out verinnerlicht, die erste Idealbesetzung, ein "wahrhaft demokratisches Prinzip" soll hier herrschen, "Ich mache Präzisionsarbeit", es wird lautlos unter Druck und Bedrängnis gesetzt, die Machtverhältnisse ändern sich. Ein Bruch der Treue, eine Improvisation, eine Verletzlichkeit, die noch nicht zugegeben wird. Ein Finale, der explosiven und feurigen Art, einmal wird sich geholfen noch.