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Obgleich das Genre längst seine letzten Atemzüge hinter sich hatte, versuchte Regisseur Peter R. Hunt („On Her Majesty's Secret Service“, „Wild Geese II“) mit einem ungewöhnlichen Beitrag sich von überholten Motiven zu lösen und lieferte mit „Death Hunt“ einen packenden Thriller in Westerngewand ab.

„Death Hunt“ ist das Duell zweier inzwischen leider verstorbener Haudegen, die, in den eisigen, verschneiten Bergen Kanadas, nah des Yukon Flusses, gezwungen sind Jagd aufeinander zu machen. Charles Bronson („Once Upon a Time in the West“) und Lee Marvin stehen seit „The Dirty Dozen“ erstmals wieder (und leider auch zum letzten Mal) gemeinsam
vor der Kamera. Bronson gibt hier, endlich mal abseits seiner, zu dieser Zeit aus dem Boden sprießenden, zig „Death Wish“ – Klone, den schweigsamen Trapper Albert Johnson. Der Einzelgänger unterbricht einen Hundekampf, kauft dem wenig begeisterten Besitzer Hazel (Ed Lauter, „The Longest Yard“, „Raw Deal“)den zum Tode verurteilten Hund ab und pflegt ihn gesund. Doch Hazel will seinen Hund zurück und nimmt, als der mürrische Mounty Edgar Millen (Marvin, „The Big Red One“, „The Delta Force“) die Lügengeschichte durchschaut, die Sache selbst in die Hand. Ein Fehler, denn Johnson weiß sich zu wehren. Es gibt Tote, die Situation eskaliert und schließlich sieht Millen sich gezwungen Jagd auf den Trapper zu machen.

„Death Hunt“ ist ein Spätwestern, der klar als Abgesang gestaltet worden ist. Millen ist ein alkoholabhängiges, desillusioniertes Wrack, das abseits der Zivilisation nur eine ruhige Kugel schieben will, sich durch seinen junge Verstärkung Alvin Adams (Andrew Stevens) aber genötigt sieht, seinen letzten Rest Moral zusammenzukratzen und loszuziehen. Kollege Sundog (Carl Weathers, „Rocky“, „Predator“) ist ein gescheiterter Sportler, der mit seinem Schicksal hadert und sich mit einer übergewichtigen Indianerhure vergnügt. Keine Helden also, die hier das Recht vertreten.

Hunt reißt den rauen, brutalen Western ziemlich flott in gut 90 Minuten herunter und räumt Längen so keinen Platz ein. Die Schießereien zwischen Johnson und seinen Häschern sind brutale, blutige Spektakel, die keinerlei Kompromisse zulassen. Hunts Regie ist zwar nicht sonderlich spektakulär, doch er fängt diese unwirtliche Gegend so atmosphärisch ein, dass sie sich in das Wohnzimmer überträgt.

Die ohnehin spannende Geschichte wird noch von der lange verdeckten Identität eines durch die Berge streifenden Trapper-Killers gesteigert. Die Auflösung überrascht, ist leider aber auch verschenkt.
Dominieren in der ersten Hälfte noch bleihaltige, mit blutigen Shootouts versehene Belagerungen, so findet in der zweiten Hälfte eine Treibjagd auf Johnson statt. Nicht nur die Jäger, sondern auch der Gejagte wird dabei an die Belastungsgrenzen seines Körpers stoßen. Mit Finten und falschen Fährten versucht Johnson seinen Verfolgern zu entkommen, löst das Problem final dann aber doch ganz anders...

Die Stärken von „Death Hunt“ sicher nicht in der Story zu finden. Sie ist nur eine x-te Variation von „Unschuldiger wird quer durch Walachei gejagt“. Vielmehr sind es die schneebedeckten Berge Kanadas, die, genau wie seinerzeit „Leichen pflastern seinen Weg“, einen abwechslungsreichen Hintergrund abgeben. Die spannungsfördernde Inszenierung von Peter R. Hunt, der in der kargen Landschaft alles richtig macht und den eisigen Wind in die Gesichter des Zuschauers treibt, sowie die tadellosen schauspielerischen Leistungen, erheben den Film dann klar über Genredurchschnitt.


Fazit:
Kein wegweisender, doch dafür ein sehr atmosphärischer und spannender, als Abgesang auf sein Genre gedachter, Spätwestern, der nicht nur gute Schauspieler, sondern auch harte Schießereien, echte Typen und ein tolles Panorama besitzt. Ungewöhnlich zu seiner Zeit – in jeder Beziehung.

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