Review

Wenn zwei Legenden im Rahmen eines Abenteuerfilms in der eisigen Gebirgslandschaft Kanadas aufeinander treffen, kann das eigentlich nur ikonisch ausfallen. Doch Regisseur Peter R. Hunt verlässt sich zu sehr auf seine Verpackung, als auf originelle Inhalte zu setzen.

1931 in den Yukon-Bergen: Trapper Albert (Charles Bronson) rettet ein Tier nach einem Hundekampf, doch der Besitzer (Ed Lauter) unterstellt ihm Betrug. Als Albert konfrontiert wird, erschießt er einen Mann aus Notwehr und wird fortan von den Mounties unter der Leitung von Millen (Lee Marvin) durch die Gegend gejagt…

Hunt, der bereits bei einigen Bond-Filmen den Schnitt übernahm und 1969 bei „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ selbst Regie führte, setzt vordergründig auf zwei Zutaten: Die verschneite Kulisse in Alberta und die Aushängeschilder Charles Bronson und Lee Marvin.
Beide Mimen punkten jedoch eher aufgrund ihrer Präsenz denn durch darstellerische Leistungen. Speziell Bronson verzieht kaum sein Gesicht, während Marvin zumindest noch ein wenig Selbstironie bezüglich des gehobenen Alters seiner Figur einfließen lässt, die durchaus ambivalenter handelt als der Rest der Jäger.

Denn hier heißt es nur: Meute jagt Beute. Wobei der Alternativtitel „Ein Mann wird zur Bestie“ in eine völlig falsche Richtung tendiert. Der Gejagte wird umgehend zum Sympathieträger, da er sich letztlich nur verteidigt und auch Millen geht zunächst von einem fairen Prozess aus, der sich spätestens erledigt, als der Mob die improvisierte Hütte des vermeintlichen Killers sprengt.

Dabei geht es zwischenzeitlich überraschend blutig zu, wenn Kopfschüsse sicher landen, ein Hals bis zum letzten Atemschlag blutet und andere Einschüsse recht suppig daherkommen.
Auch die eisige Umgebung kennt keine Gnade, denn im Verlauf hat sich Marvins Gesicht sichtlich rötlich verfärbt, was wahrscheinlich nicht auf den Konsum von Alkoholika zurückzuführen ist. Auch geraten Figuren im tiefen Schnee ins Straucheln, es müssen Flüsse durchquert und kleine Abhänge übersprungen werden, wobei sich allerdings hin und wieder kleine Regiefehler einschleichen: Ein Herunterrollen von einer Steillage ohne Schneeschuhe endet beim Aufstehen mit dem Tragen selbiger.

Ansonsten fällt die regelmäßig eingestreute Action nicht allzu spektakulär aus. Zwischenzeitlich ballert man mit einer Einmotorigen auf den Flüchtigen, dieser schwingt sich sogar mal hinauf in eine Tanne, doch ansonsten folgt man manchmal auch nur den teils verwirrenden Spuren im Schnee. Der Score treibt in diesem Kontext nicht allzu sehr an, während die Kamera zumindest recht variabel arbeit und mit einigen gekonnten Luftaufnahmen für die angemessen eisige Atmosphäre sorgt.

Darstellerisch wird okay geliefert, wobei eine Angie Dickinson im Grunde nur als schmuckes Beiwerk herumsitzt und auch ein Carl Weathers als zurückhaltender Adjutant erhält kaum Raum zur Entfaltung. Lauter bringt hingegen den Fiesling einmal mehr auf den Punkt und Andrew Stevens kann sich in seiner Fellverpackung nicht so sehr entfalten wie seine Synchro Arnold Marquis.

Letztlich fällt der Abenteuerfilm mit Anleihen eines Neo-Westerns nicht sonderlich originell aus und ohne die Starbesetzung würde er wahrscheinlich kaum auffallen. Das Erzähltempo geht in Ordnung, handwerklich ist wenig anzukreiden, doch inhaltlich wird nur partiell Spannung geliefert, während es der Action an spektakulären Szenen mangelt. Markante Gesichter und das effektvolle Setting reißen es heraus.
6,5 von 10

Details
Ähnliche Filme