Das heutige Myanmar, eine ehemals britische Kronkolonie in Südost - Asien, spielte als Ausgangspunkt der Burmastraße und als Einfallstor nach Indien eine Schlüsselrolle in den japanischen Eroberungsplänen während des Zweiten Weltkrieges. Hinzu kam die wirtschaftliche Bedeutung des einstig hinterindischen Königreiches als Lieferant von Erdöl, Wolfram, Jade, Bernstein und Nahrungsmitteln (v.a. Reis). Dezember 1941 fielen die Japaner ein.
Hier beginnt Never So Few; eine abgeschmackte Kintoppmischung aus Krieg und Liebe, die heute allein durch seine stargespickte Besetzung und den Regisseur John Sturges Aufmerksamkeit erregt und darüberhinaus auch vielleicht noch ein wenig über den Nostalgiebonus punkten kann. Ausserdem kann man ihn als filmographischen Vorläufer von Gesprengte Ketten und Die Glorreichen Sieben schönreden; Sturges wurde hierbei auf die Nebendarsteller Steve McQueen [als Ersatz des verbannten Sammy Davis Jr.] und Charles Bronson aufmerksam und setzte sie ebenfalls in den weitaus gelungeneren Nachfolgeprojekten ein. Auf seinen reaktionären Mittelpunkt Frank Sinatra verzichtete er dort dankenswerterweise.
Sinatra spielt Capt. Tom Reynolds, der im Norden die Leitung über eine vorgezogene Einheit aus Briten, Amerikanern und Kachins ausübt und im Auftrag des Office of Strategic Services die 40000 Japaner zurückhalten soll. Mit nur 1000 Mann.
Die Handlung basierend auf einem Roman von Tom T. Chamales verfügt über mehrere Rahmen, die sich zwar stetig abwechseln, aber nicht lange um die Vorherrschaft streiten müssen. Der Krieg selber spielt kaum eine Rolle und ist unter eine blasierte Liebesgeschichte geordnet. Beide Ebenen sprechen deutlich die Sprache der 50er und sind gegenüber den zeitgleichen Tag ohne Ende oder Mit Blut geschrieben so deutlich auf veraltetes Entertainment abgezielt, dass man jede ernste Herangehensweise theoretisch sofort fallenlassen kann. Never so Few ist aufgedonnert buntes Publikumskino, tief im glanzvollen Hollywood verwurzelt und dementsprechend mit allem ausgestattet, was Auge und Herz zur Ablenkung benötigt.
Ein Alternieren von beruflichen und privaten Situationen als Strukturprinzip, um die erschlaffende Aufmerksamkeit des Zuschauers zu umwerben und für eine steigende Emotionskurve zu sorgen. Höhepunkte sind sparsam gesetzt; in einer Serie von Kontrasten versteht es Sturges aber, die aktionssreichen Kurzszenensequenzen zu akzelerieren. Zwei Attacken des Feindes aus dem Dickicht heraus. Eine komplett vorhersehbar und eine aus heiterem Himmel, die die GIs in arge Bedrängnis setzt und nur mühsam mit Mörser und Maschinengewehr zurückgeschlagen werden kann. Eine Mission, in denen sie flussaufwärts in das Gebiet des Feindes eindringen und deren Benzintanks, Munitionslager und Flughafen in die Luft bomben sollen. Und der eigenmächtige Übergang nach China, um den überfallenen Waffentransport durch einen Warlord zu rächen.
Sturges, der in den 50ern einer der führendsten Westernregisseure war, liefert aber nur sehr begrenzt das von ihm gewohnte Männerkino in Qualität von Verrat im Fort Bravo [ 1953 ], Stadt in Angst [ 1954 ], Zwei rechnen ab [ 1957 ] und Der letzte Zug von Gun Hill [ 1959 ] ab. Wie auch bei ihrem Die siegreichen Drei [ 1962 ] hat der Sinatra - Clan das Sagen und konzentriert sich mehr auf Bardenverehrung in Abendgesellschaft. Zwischenzeitlich wähnt man sich bei Die Oberen Zehntausend; die Rückfälle in den Dschungel und seine unerfreulichen Umstände stören ja fast sogar. Aber keine Liebe ohne Tragik. Schicksalsmelodie. Kiss by kiss the time ran out and never so few were the moments left for love!
Nun kam man darüber Häme ausschütten, besonders mit dem sicheren Abstand von fast einem halben Jahrhundert und gänzlich anderen Sehgewohnheiten. Man kann sich an der perfekten Optik der Traumfabrik erfreuen und den Inhalt und damit das Denken abstrahierend ausblenden. Man kann sich auch abwenden über die politischen und ethischen Aussagen. Mit zunehmender Dauer überwiegt leider, aber begründet das Letztere.
Visuell hat Sturges einen Comicfilm geschaffen. Bunt - knalliges 35mm Panavision, volle Bildauflösung in 2.35 : 1, Cinemascope. Massig luxuriöse Exotik. Die Szenerie wirkt in seiner Idylle desöfters wie gemalen. Gedreht an Originalschauplätzen in Burma, Sri Lanka und Thailand wechselt sich pittoreske Natur mit grandiosen Postkartenaufnahmen von Phantasiestädten im Kolonialstil ab und lockt den Zuschauer in ein Dunstbild der fernen, unberührten, ja fast unrealen Welt. Das goldene Land am Golf von Bengalen mit dem Mix von moderner und alter Lebensweise. Wo sich Klima und Landschaft von einem Kilometer zum nächsten ändern, Tempelbauten in die Wälder und Steppen eingegliedert sind, Steinmetzer, Silberschmiede, Holzschnitzer und Webereien ausgetobt haben. Ein so nicht existierender Ort in einer wohl niemals dermassen prüd - biederen Zeit, in der sich Mann im kämpferischen Wettstreit mit angreifenden Nationen befindet und Frau daheim sehnsüchtig auf ihn wartet. Die alle Grenzen und Stände sprengende Liebe; so gross, dass sich die explodierenden Flugzeuge nur wie dekorativ schmückenden Beiwerk ausnehmen und Diskussionen über den Sinn der Umstände schnell vom Helden selber abkürzend beantwortet werden.
Sinatras Figur wandert niemals aus dem Studio raus. So ein Mensch existiert genauso wie die anderen Zutaten nur auf Papier und erwächst auch nur in der blumigen Vorstellung einer Utopie zum Leben. Seit drei Jahren Soldat und mitten in der Wildnis positioniert, hat er sich der Plackerei und den Gefahren angepasst, wurde aber auch stark gezeichnet von den Entbehrungen. Nicht einmal zum Rasieren kam er - oder wie lässt sich der verwegene Ziegenbart erklären, der kurz darauf in der Zivilisation Geschichte ist. Die Kleidung ist weder dreckig noch zerschlissen, sondern stammt samt Pfaunhut wahrscheinlich aus Robin Hood - König der Vagabunden; nur frisch gewaschen und gebügelt.
Die Ausgehuniform im mondänen Kalkutta - Nachtclub ist nicht edler.
Sinatras Reynolds sieht aus wie die 45 Jahre, die sein Darsteller auf dem Buckel hat, aber er muss erklären, dass er älter als 21 ist.
Man steckt in seinem eigenen falschen Mythos fest, noch bevor die Gefühle aufkommen.
Reynolds geht in die Stadt zum Hauptquartier, um einen Arzt anzufordern und neue Medikamente einzuklagen. Es ist zwar Krieg, aber er bleibt zusammen mit Capt. Danny De Mortimer [ Richard Johnson ] geschlagene zwei Wochen von der Einheit weg. Trinken, Frauen, Vergnügen, sich das Monokel aus dem Auge prügeln. Die Japaner haben es anscheinend nicht eilig; dafür will Reynolds nach dem ersten Blick und am liebsten an Ort und Stelle seine neue Bekanntschaft Carla Vesari [ Gina Lollobrigida ] vernaschen. Diese ist voll Stolz und Leidenschaft und mit dem dreimal so alten Multimillionär Nikko Regas [ Paul Henreid ] verbandelt - der sein Geld natürlich mit Glasperlenhandel mit Eingeborenen gemacht hat - und würdigt den einfachen und direkten Soldaten erst nur abscheuendes Blickes. Soll sich aber bald ändern; De Mortimer bekommt kurzweilig Malaria und muss in Regas Villenpalast gepflegt werden. Viel Zeit für Romantik. Am Stützpunkt fern aller Stützpunkte wird ausgeritten, auf dem Fluss gefahren und in schwerlich zu übertreffender Einfältigkeit den Kindern zugewunken.
Hier scheint Drehbuchautor Millard Kaufman kurz zu ahnen, was für einen betagten Ramsch er da adaptiert; zumindest legt er Regas einen entsprechend spöttischen Satz in den Mund:
"Carla, mein Liebling. Tu mir einen Gefallen und hüte dich bitte vor Krankenbettszenen. Noch dazu mit Kriegskulisse. Ein Mann und eine Frau, die über einem Krankenbett schweben machen eine Romanze zu etwas Lächerlichem und Abscheulichem. Sie sieht in ihm die anbetungswürdigende, sich selbst hingebende Kraft. Und er sieht in ihr den hilfreichen, weichen und beschützenden Engel. Was ist das Ergebnis ?"
Das Ergebnis ist erst Kitsch in Vollendung; mit demselben Ernst durchgezogen, den eine derartige Portion Seichtigkeit noch mehr in Bedrängnis bringt. Dann wird es baldig verbindlich: Zwar ist Reynolds zu Weihnachten wieder im Wald, wird aber nach einer prompten Störung der bösen Banzai - Japaner diesmal verwundet ins Lazarett verlegt und darf erneut sein Liebesleben pflegen. Und nebenbei im Namen des ebenfalls verletzten Bergvolkes für besseres Essen sorgen.
Jetzt kocht das Blut der Zuschauer, denn was teilweise an Rassimus, Ethnozentrismus und Aussagenonsens geboten wird, ist schon nicht mehr feierlich und auch nicht tolerierbar. Auch wenn viel in der Off - Aufmachung passiert und eine Reflexion über Sinn und Fragwürdigkeit von Wertbegriffen sicherlich nirgends auf der Tagesordnung stand.
Reynolds geht davon aus, dass seine Affäre Carla ihn sofort ehelicht und aus dem Palast von Regas aus- und in seine billige Kate einzieht und ständig in anderen Umständen ist. Er verabschiedet sich mit "Ich komme zurück. Lerne kochen." Sie besucht ihn beim "Spielen mit Schiessgewehren".
Reynolds verweigert Befehle und übertritt eigenmächtig Landesgrenzen. Er proklamiert und vollzieht aktive Sterbehilfe bei Kameraden. Spielt sich als Richter über Leben und Sterben auf. Lässt Gefangene foltern und grundlos töten, macht dabei auch kein Halt vor Frauen; so wird ein junges Mädchen aus dem Nachbarvolk der Shans erst bei den Soldaten herumgereicht und dann als Verräterin beseitigt. Wenn der neu hinzugekommene Arzt sich als "Demokrat aufspielt" und auf die Genfer Konvention hinweist, wird er darauf hingewiesen, in welchem Jahrhundert man lebt.
Ein angedrohtes Kriegsgerichtverfahren wird im kleinen Kreis gütlich geregelt; als Schlusswort ihm noch Dank vom General ausgesprochen.
Ja, in welchem Jahrhundert leben wir denn ?