"Telefon" ist einer der letzten Filme von "Dirty Harry" Regisseur Don Siegel (Coogans großer Bluff, Flucht von Alcatraz). Neben Siegel sind einige große Namen mit an Bord, zum Beispiel Lalo Schifrin, Peter Hyams, Charles Bronson und Donald Pleasence. Nach der Novelle von Walter Wager (58 Minutes, Viper Three) schrieben Stirling Silliphant (Die Killer Elite, Der Unerbittliche) und Peter Hyams (Outland, Narrow Margin) das Drehbuch. Doch man merkt deutlich, dass einiges aus Wagers Novelle fehlt.
Der KGB ist auf der Suche nach dem ehemaligen Staatssekretär Nicolai Dalchimsky (Donald Pleasence). Der aktiviert in den USA per Telefon sogenannte Schläfer, welche sofort ein Attentat auf wichtige militärische Anlagen verüben. Major Grigori Borzov (Charles Bronson) soll Dalchimsky aufhalten und reist ihm hinterher. Zusammen mit der amerikanischen Agentin Barbara (Lee Remick) geht Borzov auf die Jagd, doch Dalchimskys nächstes Ziel kennen sie nicht. Und auch Borzov ist sich nicht im Klaren, dass er selbst zuviel weiss und nach erledigter Arbeit liquidiert werden soll.
Man kann sagen was man will, die Story ist wirklich originell und war in dieser Form noch nie gegeben. Aber als Zuschauer hätte man gerne mehr Informationen über das russische Projekt "Telefon". Im Falle eines Krieges mit den Staaten wäre das Projekt zum Einsatz gekommen. Dafür wurden die besten Leute herausgepickt, welche mit Hilfe von Drogen und Hypnose zu Schläfern geformt wurden. Jeder Schläfer hatte einen gewissen Sabotageakt zu erledigen, die Ausrüstung dafür hatte er entweder daheim oder sie wurde vor Ort versteckt. Die Schläfer führten ein völlig normales Leben und wussten selbst nichts von ihrem Glück. Durch ein paar bestimmte Worte werden sie aktiviert und erledigen wie in Trance ihren Auftrag.
Das klingt zwar alles einleuchtend, jedoch müsste im Film tiefgründiger darauf eingegangen werden, auch fehlt jegliche Erklärung wie Dalchimsky an die geheimen Unterlagen für das Projekt gekommen ist und was er für ein Motiv hat, einen Krieg entfachen zu wollen. Auch auf Dalchimsky selbst wird kaum eingegangen. Donald Pleasence macht seine Sache zwar gut, aber ich finde von ihm geht nicht die Bedrohung aus, welche von Nöten gewesen wäre.
Auf jeden Fall ist der Auftakt temporeich geworden. Ein Kommando des KGB stürmt Dalchimskys Wohnung und der wiederrum antwortet mit der Aktivierung von zwei Schläfern. Erst danach kommt Major Borzov zum Einsatz. Borzov hat ein fotografisches Gedächtnis und muss sich die ganzen Daten, Zahlen und Fakten einprägen. Seine Zusammenarbeit mit Barbara gestaltet sich anfangs ein wenig schwierig. Sie hat den klaren Auftrag Borzov zu eliminieren, sobald der Auftrag vorbei ist, doch sie tötet ihn fast zu früh. Logischerweise verguckt sich Barbara in den wortkargen Major, aber dieser Romanze lässt Siegel keinerlei Platz. Es dauert trotzdem lange, bis Borzov hinter Dalchimskys Aktivierungsschema gekommen ist.
So muss Borzov einmal einen Schläfer gewaltsam aufhalten, diese Actionszene ist wirklich spektakulär in Szene gesetzt, doch im Finale hätte ich mir etwas mehr gewünscht, obwohl Borzov das Problem wirklich geschickt löst. So lebt "Telefon" von seinen Hauptdarstellerin und Siegels spannender Inszenierung, auch wenn der Film manchmal etwas geschwätzig ist.
Charles Bronson ist natürlich eine sichere Bank, den kompromisslosen und wortkargen Major verkörpert er großartig, doch auch Filmpartnerin Lee Remick braucht sich nicht zu verstecken. Im Hintergrund agiert noch eine junge Tyne Daly.
Spannender Kalter Krieg-Thriller, dessen Potential nicht ganz ausgeschöpft wird. Die Story gefällt, aber diverse Erklärungen fehlen nun mal. Schifrins Score ist wie immer top, die Darsteller auch, so wie die ständig wechselnde Kulisse. Siegel hat seine Sache, wie eigentlich immer, gut gemacht.