Der 1975 von Bryan Forbes inszenierte Film „the Stepford Wives“ war eine clevere, düstere Utopie, welche aktuelle gesellschaftliche Gegebenheiten sowie Veränderungen mit Sci-Fi- und Horror-Elementen vermengte, um so eine subtile Satire über den Verlust der Individualität unter der Oberfläche eines bedrohlichen Thrillers hervorzubringen. In jener Zeit veränderte sich allmählich die Rolle der Frau im Haushalt weg vom „Heimchen am Herd“ hin zu mehr Selb- und Eigenständigkeit, was nicht nur manchen Männern (allein von den Ansätzen her) zunehmend missfiel…
Was nun, wenn sich findige Produzenten 25 Jahre später dazu entschließen, ausgerechnet diesen Stoff neu zu verfilmen? Die im Original behandelten rollenspezifischen Hintergründe hatten sich inzwischen schließlich größtenteils aufgelöst, weshalb eigentlich nur zwei Möglichkeiten der thematischen Ausrichtung in Frage kamen – als gradliniger Thriller oder reine Satire. Man entschied sich letztendlich für die zweite Variante, engagierte den Genre-erfahrenen Regisseur Frank Oz („In & Out“) sowie ein darstellerisches Traum-Ensemble und ging 2003/2004 in Produktion…
Joanna Eberhart (Nicole Kidman – „Cold Mountain“) gilt als einer der erfolgreichsten wie kreativsten TV-Konzeptdesigner. Im Rahmen einer Gala stellt sie eines Abends der Öffentlichkeit ihre Projekte für die kommende Season vor, als ein Teilnehmer einer ihrer Reality-Shows (bei welcher ihn dessen Frau mit diversen Callboys betrogen hat) den Saal stürmt und auf sie schießt, da er sich von ihr ausgenutzt und hintergangen fühlt. Nur knapp entgeht Joanna dem Anschlag, doch am nächsten Tag muss sie mit Entsetzen erfahren, dass der Sender ihre Konzepte nun als zu risikoreich einstuft, diese daher fallen lässt und sie „aus dem Vertrag entlässt“, worauf sie einen Nervenzusammenbruch erleidet…
Aus Solidarität kündigt ihr Mann Walter (Matthew Broderick – „Godzilla“) ebenfalls seinen Job beim Sender und überredet sie zu einem Neuanfang abseits der Großstadt in dem beschaulichen Städtchen Stepford, Connecticut – quasi einer „Picture Perfect“-Kleinstadt für die Oberschicht, in der alles edel und traditionell, bei genauerem Hinsehen aber auch hochmodern (Computer-gestützt) eingerichtet/ausgestattet ist. Alles scheint einen geordneten, harmonischen Gang zu gehen: Die Männer treffen sich im „Men´s Club“ (und vertreiben sich dort die Zeit mit PC-Spielen oder Robot-Wars), die Frauen zu Buchvorstellungen oder Workout-Übungen – doch Joanna, die sich allein von ihrer äußerlichen Erscheinung her (= dunkelhaarig, schwarze oder graue Klamotten) nicht den anderen Ehefrauen (= blond, helle Kleider) anpassen will, fällt schnell auf, dass alle anderen Frauen geradezu perfekt erscheinen und ausschließlich auf das Wohl ihrer Männer aus sind.
Auf einem gesellschaftlichen Picknick lernt sie jedoch zwei weitere neue Einwohner kennen, die ebenfalls aus der Masse herausstechen und sich über die anderen wundern: Die exzentrische Autorin Bobbie Markowitz (Bette Midler – „the Rose“), die im „kreativen Chaos“ wohnt, sowie der schwule Roger Bannister (Roger Bart). Anfangs versuchen sie gemeinsam, sich den Leuten anzupassen, doch als das aufgrund ihrer ausgeprägten Persönlichkeiten nicht wirklich funktioniert, verschwindet Roger plötzlich und kehrt kurz darauf als „politisch korrekter“ Homosexueller zurück. Als sich dann auch noch Bobbie über Nacht zu einer „Musterfrau“ entwickelt, stellt Joanna Nachforschungen an, welche schließlich zum „Men´s Club“ führen: Früher waren alle Frauen starke Persönlichkeiten, die nun auf das Dienen ihrer Männer reduziert worden sind. Allem Anschein nach hat der Präsident des Clubs, Mike Wellington (Christopher Walken – „King of New York“), ein Verfahren entwickelt, Charaktereigenschaften zu verändern und in die gewünschte Richtung zu lenken – und Walter scheint seine Frau nun ebenfalls dafür vorgesehen zu haben…
Die 2004er Version der „Stepford Wives“ teilt eigentlich nur noch die Grundidee mit dem grimmig-düsteren Original, denn die bedrohlichen Thriller-Elemente wichen fast vollständig einer reinen Komödien-Ausrichtung: Bezogen sich die satirischen Ansätze 1975 noch auf eine gesellschaftliche Tendenz, richten sie sich in der Neuversion auf das veränderte Geschlechterverhältnis (das männliche Ego angesichts der vollkommen emanzipieren Frau) sowie ur-amerikanische Werte und Traditionen (zB „Square Dance“) aus, wie auch auf die knallharte Businesswelt oder das idyllische Leben in den Vororten bzw. Kleinstädten. Gleichzeitig spricht der Film Männer-Wunschphantasien an – wie etwa die perfekte, sexuell aktive Frau, die sich ausschließlich ums Wohl des Partners kümmert, sich bewusst in seinem Schatten hält und quasi „mit einer Fernbedienung“ zu kontrollieren ist. Finstere, bedrohliche Elemente, wie der Amoklauf zu Beginn, die Idee hinter den perfekten Frauen oder die Gründe, warum man das Programm konzipiert hat, werden bloß angerissen und haben eigentlich keine Auswirkung auf die allgemein heitere Grundstimmung, weshalb auch nie echte Spannung aufkommt.
Leider zerfällt der Film in drei qualitativ unterschiedliche Teile: Der erste Akt ist eine extrem bissige Satire mit teilweise sehr sarkastischem Humor, bei der so ziemlich jeder Gag perfekt sitzt, während der Mittelteil (in welchem die Vorgänge um die „Austausch“-Frauen eingeführt und beleuchtet werden) bereits den Biss des Anfangs vermissen lässt sowie die Satire stärker der „normalen Komödie“ weicht. Es ist jedoch das Schlussdrittel, welches dem Film am meisten schadet: Die Auflösung bringt etliche Logikfehler zum Vorschein, das Ende an sich wirkt plump, übereilt und albern (da kann auch Interview-Legende Larry King nichts mehr rausreißen)!
In der vorliegenden Endfassung gestalten sich die letzten 20 Minuten, gerade in anbetracht des guten Starts, auffallend holprig und unausgereift, was den Gesamteindruck deutlich mindert. Das resultiert daher, dass die Macher nach negativen Test-Screenings gerade in diesem Bereich etliche Veränderungen vornahmen: Einige längere Sequenzen wurden entfernt und bizarre Elemente (wie ein sehr Cartoon-hafter Elektroschock der Glenn Close Rolle) geglättet. Zudem hat man einige Nebenhandlungen komplett raus geschnitten und neue Szenen hinzugefügt (weshalb Nicole Kidman späte Nachdrehs in kauf nehmen musste), was man dem Erzählrhythmus an einigen Stellen anmerkt. Es wird beispielsweise in dieser Fassung nie genau erklärt, welche Frauen nun Chips implantiert bekamen und welche gar völlig künstlich waren. Ursprünglich wurden die Gehirne der echten Frauen in Roboterkörper transplantiert – das wird mit der „Joanna-Hülle“ angedeutet, aber nie erläutert (es gibt dazu aber eine Deleted Scene, in der das anhand der Faith Hill Figur veranschaulicht wird).
Auf der „Haben“-Seite kann die Produktion auf jeden Fall das stimmige Intro (alte Filmaufnahmen über Frauenrollen sowie die technische Entwicklung von Haushaltsgeräten), das perfekte erste Drittel, ein großartig ausgestattetes Produktionsdesign (vergleichbar mit Barbie-Frauen im amerikanischen 50er Jahre Ambiente) sowie die hochkarätige Besetzung (Kidman, Broderick, Midler, Bart, Walken, Glenn Close, Faith Hill, Jon Lovitz) aufweisen. Vor allem ist Nicole Kidman fantastisch und beweist einmal mehr ihre extreme Vielseitigkeit. Zudem gibt es einige klasse Gags (wusste gar nicht, dass Viggo Mortensen eine rebellische Schwulenikone ist) und amüsante Ideen (wie Walkens Werbefilm fürs Stepford-Programm).
Leider war das Original glaubwürdiger und gab die Auflösung erst als Überraschung zum Schluss bekannt, während sie hier bereits nach der Hälfte offenbart wird. Der subtile Verzicht auf F/X war im Vorgänger ebenfalls eine bessere Entscheidung (auch wenn man nach den Testvorführungen in diesem Fall etwa die größte F/X-Szene des Films (bei der Joanna Bobbie in ihrer Küche mit einem Messer angreift, worauf deren Elektronik durchdreht) entfernte – Teile davon sind noch im Trailer zu sehen, die Sequenz selbst ist auf einigen DVDs als „Deleted Scene“ enthalten).
Fazit: Diese Neuversion der „Stepford Wives“ startet als perfekte Satire, lässt aber im Verlauf stark nach und verkommt zu einer „einfachen Komödie“, welche der interessanten Story nicht gerecht wird und an den Veränderungen nach den Test-Screenings krankt. Trotzdem ist der Film sehr schön ausgestattet, toll besetzt und vermag zu unterhalten, weshalb es von mir insgesamt „5 von 10“ gibt.