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1988 „Das Gesetz ist der Tod" oder „Pause von der Rache"

„Die Cops waren machtlos. ... Er nicht." Neben diesem markigen Spruch ziert ein mittig positionierter Charles Bronson des Filmplakat, eine überdimensionierte Pumpgun lässig in der Armbeuge. Jetzt versteht man vielleicht auch, warum Bronsons Spätwerk „Das Gesetz ist der Tod" seinerzeit gehörig floppte und auch heute noch vielen Fans eher als müder Gähner gilt. Das Marketing bewarb offensiv einen weiteren Death Wish-Klon, zumal das finanzierende Cannon-Studio per Ruf und hauseigener Bronson-Historie auch gar keine anderen Schluss zuließ. Tatsächlich ist Bronsons achte Zusammenarbeit mit Regie-Spezi J. Lee Thompson ein Thriller-Drama, in dem der raubeinige Altstar ganz ungewohnt als harmloser Reporter ermittelt. Ein klassisches Missverständnis also, zu dem Bronsons jüngerer Output allerdings gehörig beigetragen hatte.

Spätestens beginnend mit dem ersten „Death Wish"-Sequel und dem Vertragsabschluss mit Cannon-Films begann Bronsons Zweitkarriere als schießfreudiger Rächer, die sein zumindest thematisch deutlich breiter angelegtes vorheriges Filmschaffen praktisch nivellierte. Es ist kein Geheimnis, dass Bronson privat eher friedliebend unterwegs war und seine neue Leinwand-Persona nicht sonderlich schätzte. Andererseits wurde er so zu einer gewissen Kultfigur und besserte ganz nebenbei seine Rentenkasse gehörig auf. Natürlich kann man dennoch davon ausgehen, dass er die Gelegenheit einmal von den platt gewalzten Vigilanten-Pfaden abzuweichen freudig ergreifen würde. Jetzt ist Bronson nicht gerade für exaltiertes Spiel bekannt, aber etwas mehr Engagement als zuletzt ist in „Messenger of Death" dann auch deutlich sichtbar.

Als Journalist der Denver Tribune darf er sich in einen grausamen Mordfall im ländlichen Colorado verbeißen. Dort wurde scheinbar willkürlich eine kinderreiche Mormonenfamilie ausgelöscht. Der Verdacht fällt auf den verfeindeten Bruder des einzig Überlebenden, zumal zusätzlich religiöser Fanatismus sein Denken und Handeln bestimmen. Doch als Garret Smith tiefer gräbt, liegen die Dinge plötzlich weniger klar. Irgendjemand scheint im Hintergrund die Fäden zu ziehen und der umtriebige Reporter gerät zunehmend ins Fadenkreuz ...

Neben seiner zwar gemächlich aber stringent entwickelten Kriminalhandlung ist Bronsons vorletzter Thompson-Film vor allem optisch interessant. Der Regie-Veteran versteht sein Handwerk und wertet den nicht unbedingt reißerisch erzählten Plot mit schicken Rocky Mountains Panoramen auf. Auch die dortige Kleinstadt-Mentalität fängt er treffend ein, kurz: atmosphärisch schnurrt der Film wie ein gut geölter Motor. Mag sein wie ein betagter, aber eben auch wie einer, der sicher am Zielpunkt ankommt.

Man darf dabei auch nicht vergessen, dass Bronsons rabiatere Cannon-Auftritte ebenfalls kein Höllentempo anschlugen und die Kritik an dem Film wohl eher auf die enttäuschte Erwartungshaltung vieler Fans zurück zu führen ist. Wir befinden uns hier tief im B-Gefilden der späten 1980er Jahre, mit einem Mittsiebziger auf dem Regiestuhl und einem unwesentlich weniger betagten Hauptdarsteller. Bronsons (zu Recht) höher geschätzter Rächer-Kollege Clint Eastwood schlägt seit geraumer Zeit inszenatorisch wie mimisch eine ganz ähnliche Gangart ein und wird dafür von der Kritik regelmäßig gefeiert.

Also liebe Bronson-Anhänger, gebt „Messenger of Death" doch noch mal ne Chance, so schlecht ist der Streifen gar nicht und Charles hatte erkennbar Freude an dem zur Abwechslung mal weniger aggressiven Charakter. Außerdem hat das Duo Bronson-Thompson mit dem direkten Nachfolger „Kinjite" (1989) doch wieder ausgiebig Versöhnungsarbeit betrieben. Da darf man doch auch mal ein wenig den Trampelpfad verlassen und anderen die Drecksarbeit überlassen. Und überhaupt, „der Verstand ist (doch) die beste Waffe". Ein gewisser John Rambo hat diesen Spruch getan und der Mann dürfte bei dem gemeinen Bronson-Jünger durchaus als zitierwürdig gelten.

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