Der Roman „Robur, der Sieger" und die mit einigem zeitlichen Abstand geschriebene Fortsetzung „Der Herr der Welt" gehören zwar eigentlich auch zum bekannteren Teil des Jules-Verne-Kanons, doch können sich diese eher etwas kurz gehaltenen Geschichten nicht mit den epischen Frühwerken des Wegbereiters der modernen Science-Fiction-Literatur messen. Dennoch war man auch hier dem Reiz einer Verfilmung erlegen, wenngleich es etwas übertrieben erscheint, dass der hier vorliegende Film „Robur, der Herr der sieben Kontinente" als Mischung beider Romane angepriesen wird, denn außer der Eingangssequenz im Krater eines Vulkans, dem sinnig gewählten Versteck von Robur, ist die Geschichte nur aus dem ersten der beiden Bücher entnommen.
Eigentlich ist für die Hauptperson Robur die hin und wieder anzutreffende Bezeichnung „Nemo der Lüfte" etwas unpassend geraten, wenn man denn den Charakter dieses Menschen aus dem Buch beschreiben will. Die einzige Gemeinsamkeit besteht nämlich darin, dass er ebenso wie sein Vorbild aus dem Meer ein technisches Genie verkörpert, welches seiner Zeit weit voraus war. Die Konstruktion des Luftschiffes „Albatros" nimmt auf wunderbare Weise die Entwicklung des Hubschrauberprinzips vorweg, mit Propellerantrieb an Bug und Heck und etlichen Stangen mit kleineren Rotoren auf der Oberseite des Flugapparats.
Damit enden aber auch schon die Gemeinsamkeiten der beiden Personen, denn Robur ist eigentlich vordergründig ein verrückter Techniknarr, der der Welt beweisen will, dass seine Erfindung allen anderen Luftmobilen überlegen ist. Er ließ es sich nicht nehmen, die beiden Herren des Luftschiffs-Vereins Prudent und Evans zwangsweise an Bord der Albatros zu nehmen, ausgerechnet die Herren, die so trefflich um die verschiedenen Antriebsarten von Luftschiffen streiten. Doch während die Vorlage eher an ein gemächliches Reiseabenteuer der Marke „Fünf Wochen im Ballon" erinnert, ist Roburs Charakter im Film tatsächlich näher an das bekanntere Vorbild gerückt worden, ohne jedoch dessen charakterliche Tiefe zu erreichen.
Denn Robur will - entgegen der Buchvorlage - mit Gewalt die Großmächte zum Abrüsten zwingen, um so der Welt Frieden zu bringen. Zur Abschreckung lässt er dabei auch gerne einmal aus der Luft die Seekriegsflotte anderer Länder bombardieren. Doch auch wenn Vincent Price als Bösewicht für die Rolle des Robur nicht abwegig erscheint, so verblasst außerhalb des Horror- und Mystery-Universums seine sonst gewohnt teuflische Spielweise beträchtlich. Das liegt auch daran, dass sein Wahnsinn kaum Methode hat und im Gegensatz zu Nemo keine allmählich von Verdunklungen befreite Vorgeschichte die Haupthandlung begleitet, um so seine persönlichen Motive in ein rechtes Licht zu rücken. So bleibt er dem Zuschauer nur als ein Größenwahnsinniger im Gedächtnis haften, der eine vom Pazifismus durchdrungene Weltordnung als oberstes Prinzip ausgibt, diese jedoch selbst mit militanter Gewalt durchsetzen will, was ihn allerdings dadurch noch unglaubwürdiger erscheinen lässt.
Mit der Figur des Inspektors Strock hat es dann doch noch eine Figur aus der Fortsetzung in diesen Film geschafft, wenngleich aus dem Inspektor ein Regierungsbeauftragter wurde, wohl auch um die Bedeutung dieser Person zu betonen. Eine auch optisch eher ungewöhnliche Rolle für den noch nicht ergrauten Charles Bronson, bei dem man erst mal doppelt hinsehen muss, da ohne Oberlippenbärtchen etwas ungewöhnlich wirkend. Und als ein Souveränität ausstrahlender Gegenpol zum Entführer macht Bronson auch eine halbwegs gute Figur, er ist der Mann der Initiative und beweist Mut, wenn Leidensgenossen am Strick durch die Lüfte transportiert werden und selbiges einfach durchreißt.
Auch ansonsten spielt aus dem Entführtenquartett jeder das, was er gemäß seinem vorgefertigten Rollenbild auch ausfüllen musste. Prudent, der bärbeißige uneinsichtige Wissenschaftler, der nur am Rummotzen ist, allerdings die meistens seiner Sprüche in den Wind brabbeln muss, was ein wenig schade ist; Phillip Evans als ziemlich gesichtsloser Adjutant, dessen Funktion genauso schleierhaft bleibt wie die seiner Verlobten Dorothy Prudent, der Tochter des Starrkopfes. Da letztere anstelle des Dieners Frycollin in die Geschichte mit hineingebastelt wurde, hätte man noch hier auf eine Liebesgeschichte - was auch sonst? - gesetzt (oder auch befürchtet), doch hier stimmt die Chemie zwischen den beiden so gar nicht, und ein zaghafter Annäherungsversuch von Strock hätte noch für Zündstoff sorgen können, doch wird hier ein offenbar junges Pflänzchen vom Skript einfach zertrampelt.
Und doch kann man sich „Robur..." als Fan alter Abenteuerfilme gut anschauen und ein gewisser Charme ist ja ohnehin immer gratis dabei gelegt. Die Tricks sind mit naiv-putzig am besten beschrieben, und wenn ein gezeichnetes Modell vor einem unbeweglich scheinenden Hintergrundhimmel entlang flattert, stört das irgendwie nicht so richtig. Genauso wenig wie die billigen Apparaturen samt niedlicher Messinstrumente an Bord der „Albatros", nur schade, dass man vom eigentlichen Luftschiff außer der Kommandobrücke nicht sehr viel zu sehen bekommt. Denn die Kulissen wirken so doch etwas arg eintönig, egal ob in der Luft oder bei den begrenzten Schauplätzen unten am Boden. Und es hätte dem Film gut gestanden, wenn er sich selbst etwas weniger ernst genommen hätte, denn wäre manch Schmunzler auch heute noch garantiert gewesen. Es sei denn, man lacht gerne über die alten Tricktechnik, so was soll's ja auch geben.