„Bananenrepubliken“… wer kennt sie nicht? Jene Enklaven, vorzugsweise in Lateinamerika gelegen, die neben dem Großanbau von Bananen eigentlich nur noch dadurch für Aufsehen sorgen, dass sie unter dem strengen Regime eines Diktators stehen und gelegentlich durch Rebellentum kurz vor der polititschen Revolution stehen. Gefundenes Fressen für satirisch veranlagte Filmemacher. Und so machten sich – vor allen Dingen in den 70er und 80er Jahren – einige Hartgesottene daran, ihren filmischen Senf zu den Verhältnissen in solchen Staaten abzugeben. Unter ihnen auch ein junger Mann namens Woody Allen, der mit „Bananas“ einen der besseren Vertreter dieser Gattung erschuf.
Fielding Mellish (Woody Allen) ist Produkttester für einen amerikanischen Großkonzern. Eines Tages lernt der bei Frauen eher erfolglose Fielding die junge politische Aktivistin Nancy (Louise Lasser) kennen, die Unterschriften gegen das diktatorische Regime in der lateinamerikanischen Republik San Marcos sammelt. Fielding versucht, das Herz der hübschen Nancy zu gewinnen, doch diese sucht einen Mann mit Führungsqualitäten. Kurz entschlossen macht sich Mellish auf nach San Marcos, schließt sich dort den Rebellen an und wird Präsident von San Marcos. Doch statt damit all seine Probleme vergessen zu können, wird ihm in den Vereinigten Staaten der Prozess gemacht…
Recht schnell dürfte klar sein, dass sich Allen im Falle von „Bananas“ überwiegend auf kubanische Verhältnisse und auch das Verhältnis zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten bezieht. Im Vordergrund spielt er dabei geschickt mit Slapstick-Einlagen, die ganz offensichtlich in Anlehnung an Chaplin sowie die Marx Brothers entstanden sind. Hintergründig offenbart er jedoch einen tiefgründigen Humor, der nicht selten trotz seiner Tiefgründigkeit mit dem Schlaghammer daherkommt. Wenn zu Beginn des Filmes das Attentat auf den Diktator San Marcos’ vom amerikanischen Fernsehen wie eine Live-Sport-Berichterstattung aufgezogen wird, so ist dies offenkundig eine Kritik am amerikanischen Fernsehen, seiner Sensationsgier und der mitunter wohl mangelnden Seriosität der Berichterstattung. Doch nicht nur das amerikanische Fernsehen bekommt sein Fett weg; Allen drischt auf alles ein, was gerade passend für eine solche Polit-Groteske erscheint. FBI, CIA, die amerikanische Gerichtsbarkeit und viele, viele mehr… sie alle bekommen den einen oder anderen Hieb verpasst. Bei all dem gelingt sogar nahezu die richtige Mischung aus satirischer Betrachtung und groteskem Humor: der Film wird niemals zu albern, aber auch niemals zu politisch. Stellenweise wirkt „Bananas“ sogar etwas zu unpolitisch für seinen Anspruch; speziell in jenen Passagen, in denen Allen sein liebstes Thema – die Frauen und seine Beziehung zu ihnen – thematisiert. Dort keimt dann schon ab und an die Frage auf, weshalb diese Passagen scheinbar so unendlich lang gezogen wurden. Ein Aspekt, der „Bananas“ Minuspunkte einbringt.
Schauspielerisch gibt’s keine Ansatzpunkte für Negativ-Kritik, der abgedrehte Soundtrack aus der Feder von Marvin Hamlisch passt sich hervorragend in den Film ein und was das Handwerkliche angeht, wird man auch in diesem Fall von Woody Allen nicht enttäuscht.
„Bananas“ ist eine der besseren Satiren über Bananenrepubliken, jedoch bei weitem nicht zu den besten Woody Allen-Filmen zu zählen. Nicht nur Freunde von Polit-Grotesken und Woody Allen-Fans sollten einen Blick wagen, Lacher sind garantiert! Vor allen Dingen eine geniale Anfangssequenz und eine der komischsten Gerichtsverhandlungen der Filmgeschichte machen diesen Streifen absolut sehenswert! Aufgrund der angesprochenen Schwächen im Drehbuch „nur“ 7 von 10 Bananen!