Review

Unter dem Arbeitstitel El Weirdo ursprünglich gehaltenes, von Allen geschriebenes, gedrehtes und darstellerisch vorgetragenes Projekt, welches ihn mit seiner damaligen Ehefrau Louise Lasser zusammen und auch wieder auseinander brachte, die Ehe hielt von 1966 bis 1970, länger war die Zusammenkunft des Filmemachers mit United Artists, dieses das erste von ursprünglich drei, letztlich bis in die späten Achtziger hineinreichenden Projekten. Die schauspielerische Gestaltung ist hier ungewöhnlich, es werden zuweilen tatsächliche Personen in ihren Funktionen eingesetzt, darunter die Sportreporter Don Dunphy und Howard Cosell aus ABCs "Wide World of Sports" und der Nachrichtensprecher Roger Grimsby bei der Berichterstattung für die Six O'Clock News. Gedreht selber wurde für knapp unter 2 Mio. USD, natürlich in New York und ausnahmsweise auch in Puerto Rico, Vereinigte Staaten, von dort auch eine Bedeutung des Titels, die andere zeigt sich alsbald:

Der Film beginnt mit Howard Cosells Berichterstattung über die Ermordung des Präsidenten der fiktiven "Bananenrepublik" San Marcos und einen Staatsstreich , der General Emilio Molina Vargas [ Carlos Montalban ] an die Macht bringt. Fielding Mellish [ Woody Allen ] ist ein neurotischer Arbeiter, der versucht, die Sozialaktivistin Nancy [ Louise Lasser ] zu beeindrucken, indem er sich mit der Revolution in San Marcos verbindet.

Satire zu Beginn ("Wir sind stolz, Ihnen diesmal in live das alljährliche Attentat zeigen zu können."), eine Groteske ("Um ganz nahe zu sein, werden wir jetzt auf das Spielfeld umschalten."), ein grobes Politikum ("Und schon vorbei. Und so schnell. Ein klares Aus für den Präsidenten."), ein bisschen wie Kentucky Fried Movie, ein Durchkämpfen durch die Schlachtenbummler, ein militärischer Coup, eine Abschaffung der Pressefreiheit als erste Amtshandlung, eine kleine niedliche Diktatur in San Marcus. Eine Komödie wird hier angeleiert, Allen als Produktetester für Sportgeräte, das kann nur schiefgehen, obwohl er sich eingangs alle Mühe mit den verschiedenen Anforderungen gibt, er lamentiert ordentlich, "Tag für Tag die übliche Leier.", Allen hier eher als Pierre Richard, als verkappter Frauenheld, als Tunichtgut, als verschüchterter Mann, der Typ direkt für die Fettnäpfchen, der Feigling auch, der allerdings der U-Bahn Stallone Paroli bieten will, der Ungeschick, dem alles aus der Hand fällt oder kaputtgeht, das wandelnde Missgeschick. Die Sache mit San Marcos interessiert ihn, nur wegen einer Frau, die Unterschriften dafür sammelt, für das Volk davon, metaphysisch und abstraktionsbezogen, er redet viel Unsinn, er redet ihnen nach dem Mund, er sucht nach einem Date, es geht um die Frauenrechte, um die Kastration und die Blinddarmentzündung, er hat eine Telefonnummer bekommen, er ist auf den ersten Blick verliebt, er will seine Stärke und seine Männlichkeit beweisen, es gibt Slapstick der blanken Art, es gibt Ausflüge und Testungen, es gibt Protestaktionen, das ist wie fürs Pokern, nur das am Ende ein Stelldichein mit einer politisch engagierten Dame winkt, eventuell, bei dem Verhalten beider Teilnehmer eher nicht.

Sie stellt sich komplizierter an, als er es macht, blanker Humor wird gezeigt, eine Art Brauthirsch auf Brautschau, es wird analysiert und meditiert, es werden die Neurosen ausgelebt, es wird die der Psychologin preisgegeben, seine Träume und von seiner Kindheit erzählt, mit der Religiosität gespielt. Liebeskummer kommt noch hinzu, es fehlt ihr irgendwas, er soll es raten, es werden viele verschiedene Szenen gebracht, manche in kurzen, manche in längeren Szenen, es fehlt es doch im Erwachsensein, emotionell, sexuell und auch intellektuell, "Es läuft mit uns nicht.", ein Abschied, der weh tut, "Frauen sind unberechenbar, das weißt du doch.", eine Depression, die eine Kündigung zur Folge hat, eine Ortsveränderung steht an, er geht nach Südamerika, nach San Marcos, eine Idee fixe, mit derben Humor zuweilen gearbeitet, selten feinsinnig, eher die Haudraufnummer, ein Start und eine Landung, der Präsident von San Marcos in Pferdeäpfeln aufgewogen, auch eine Methode. Eine Folter findet statt im Staate, eine Revolution soll geplant sein, die Rebellen bereits am Werkeln, die Szenen in San Marcos a,k.a. Puerto Rico noch am Interessantesten neben dem Studentenaufstand vor der Universität. Allen vor Ort als amerikanischer Intellektueller, als Ehrengast, Vergiftungen an der Tagesordnung, ein Schutz vor dem Kommunismus, laut in den Witzen, in den Pointen, Wo gehobelt wird fallen Späne, das ist das Motto hier, ein Tölpel im Freilauf, für ein Attentat auserkoren, Weltgeschichte mit ihm gemacht, plötzlich die Flucht nach vorn. Eine Aufnahme in POV-Shots, eine durch die Brille hindurch, der doppelten Spiegelung, diplomatische Genehmigungen, "Krieg ist Krieg" und "Ein toter Amerikaner ist ein guter Amerikaner", aufgewacht im Rebellenlager.

Beim Training muss er mitwirken, ein Sketch nach dem Anderen, feinsinnig ist hier wenig, Humor wie später bei den ZAZ-Brüder, "Wie wärs, wenn wir den Komiker schicken?", viel Lokalkolorit immerhin hier, der Dreh vor Ort, nicht alle Witze ziehen, vielleicht die Hälfte, aber sie kommen auch ruckzuck, mit dem Maschinengewehr, die Waffen immer in der Hand, Gefahr von allen Seiten droht, manchmal auch eine Auszeit hier, natürlich dann mit einer Frau spendiert, mit Blicken hin und Blicken her. Co-geschrieben von Allen und als Regisseur hat man diesen auch meist vor der Kamera zu besichtigen, ein Attentat geplant, eine Rebellenaktion, ein "kleiner Auftrag", es geht schief, was nur schiefgehen kann, die Flucht nach vorn, die Politik der Nadelstiche, ein Aufstand in der 'Bananenrepublik', Gewehrfeuer und Explosionen in den Straßen, eine Palaststürmung, eine Eisensteinsche Referenz, eine ungehobelte Politikerzählung mit einem jüdischen intellektuellen Krachmacher, gefangen zwischen Kommunismus und Kapitalismus, zwischen Diktatur und Demokratie. Mit "irgendeinem faulen Kalauer" und einem Schmierentheater soll man zurück in den Vereinigten Staaten um Hilfe bitten, dazu eine deutliche Verbindung zu Kuba und Che Guevara, kein unbeschwertes Gefühl, man trifft sogar auf seine alte Liebe wieder.





Details
Ähnliche Filme