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Bodyguard Wongkom [ Petchai Wongkamlao] verliert trotz hohem Munitionsverbrauch einen schwerreichen Klienten bei einem Anschlag. Dessen Sohn und Nachfolger Chaichol [ Piphat Apiraktanakorn ] will gleich gar keine Bewachung und vor allem nicht von Wongkom, sieht sich aber kurz darauf eines Besseren belehrt: Auch auf ihn wird ein Attentat verübt, dem er nur knapp entkommen kann. Er kriecht bei einer ärmlichen Familie unter und verliebt sich dort in die Rettungssanitäterin Pok [ Pumwaree Yodkamol ]. Da tauchen die Killer wieder auf, aber Wongkom ist diesmal auch nicht weit...

Erstaunlich schlechte Actionkomödie, die beide Genrebezeichnungen eigentlich gar nicht verdient und nur als Beispiel dafür herhalten kann, wie man es eben nicht macht. Die Schnitzer der gesamten Regieleistung sind nicht einmal für ein Debüt entschuldbar; das missratene Endergebnis wirft ein ganz neues, erschreckendes Bild auf den bisher eigentlich positiv aufgefallenen Petchtai Wongkamlao [ Killer Tattoo, Ong Bak, Tom Yum Goong ]. Dieser ist hier auch als Autor und Hauptdarsteller tätig und lässt sich daher schnell für den Schwarzen Peter ausmachen; der Versuch einer Satire auf HK Action ging jedenfalls ebenso schief wie die Schaffung eines wenigstens unterhaltsamen Filmes.

Vom Start weg sieht man, dass Wongkamlao den komischen Aspekt dadurch potenzieren will, dass er nur entstellte Psychognomien besetzt und die gegebenen formellen Bestandteile ausdehnt und viel weiter überhöht. Das versucht er vor allem über die Inszenierung der Actionszenen. So werden die gängigen Stilmittel wie Zeitlupe, Bloodshed, Wirework durch ein ungleiches Mengenverhältnis mehr als verzerrt und auffallend exzessiv übertrieben, um in der Karikatur den Kontrast zur Realität aufzuzeigen. Im ersten Moment vielleicht noch lustig, allerdings werden die dargestellten Widersprüche in der Bildsymbolik dann ständig genutzt, wodurch die Quelle des Vergnügens am Lächerlichen schnell versiegt: Weit verbreitete Verwendung von Hit Squibs, meterhohe Sprünge aus dem Stand und ohne Hilfsmittel unmögliche Verrenkungen in der Luft zum unpassenden Zeitpunkt werden aneinanderaddiert, ohne jedoch eine wirkliche Aussage, eine auf Dauer inhaltliche Absicht erkennen zu lassen.
Schlimmer noch, Regisseur und Choreograph zeigen nämlich nicht, wie es anders oder ihrer Meinung nach richtig geht, sondern mit ihren Hyperbeln die ganze Zeit nur, wie man es eben nicht macht.

Die Verfremdung lässt die Szenen von dem normalerweise zu Erwartenden noch nicht einmal sonderlich abweichen, da es bereits ernstgemeinte und auch so wirkende Filme gibt, die derartige Methoden dann getreu der Intention von Rasanz und Wirkung auch richtig effektiv genutzt haben. Eine Sichtbarmachung von Missständen hat wohl kaum einen Erfolg, wenn man keine neue und intensivere Herangehensweise entwickelt, sondern im Schärfegrad harmlos – albern nur gängige Muster schlechter nachahmt. Selbst die Parodiekonzeption misslingt, da kein Charme spürbar ist und die Qualität arg zu wünschen übrig lässt. Wenn man zwar offensichtlich versucht, witzig zu sein, es aber nicht ist, hat man das Ziel verfehlt. No Problem 2 z.B. zeigt in allen Belangen, wie man es besser macht.
Und sicherlich erscheint hierbei Vertrautes absurd, aber nur weil die Produktion selber es auf Biegen und Brechen nicht schafft, in den entsprechenden Zerrspiegel - Szenen trotz aller technischen Möglichkeiten auch das nötige Tempo und Wirksamkeit zu erreichen.

Selbst der vielbeschworene Cameo – Auftritt von Tony Jaa ist eine vollkommen drucklose Angelegenheit, die nicht nur nach ein paar Sekunden wieder vorbei ist, sondern in der kurzen Zeit nicht eine gelungene Einstellung in der grafischen Komposition vorweisen kann. Die Szene ist eindeutig auf Härte angelegt, trotzdem ist die Aufteilung der Bildfläche schlecht; handwerklich falsch visualisiert und einfach nicht sauber. Das bestimmende Motivelement ist zumeist viel zu weit am Rande oder durch die ungünstige Kamera sogar eindeutig als Fake identifizierbar. Der Schnitt erfolgt zu spät und findet im folgenden keinen reibungslosen Übergang, wonach jede Einstellung ohne Kontext für sich stehenbleibt. Man macht sich mangels Können in der formalen Gestaltung nur selber lächerlich, was wohl nicht der Sinn der Sache ist.

Abgesehen von der scheiternden Action fällt das Konstrukt nur dadurch auf, dass es trotz eigentlich gegensätzlichen Gestaltungsmerkmale wie Humor, Gewalt und Drama schnell ins Langweilige streift; spätestens wenn noch die Romantik einer ersten Liebe mühsam dazu geklatscht wird. Man hat auch keine unterschiedlichsten Assoziationen, sondern nur eine negative, da es dazu noch nervend wird. Der theoretische Kontrast reicht auch nicht aus, die sehr hohe Anzahl aussageschwacher bis gleich nichtssagender und eher Fragen aufstellender Sequenzen zu überspielen: Ein Zwerg verprügelt seine fremdgehende, viel grössere und schwerere Frau. Chaichol versetzt seine Uhr für 30.000 Baht, obwohl ihm 300.000 geboten wurden. Seine Gastgeberin spielt mit drei anderen Frauen Karten, wobei das Gespräch über „blasen“, „Schwanz“ und „ficken“ nicht hinauskommt. „Cunt“ fällt auch öfters, durch irgendetwas muss man sich ja profilieren, und sei es nur unflätige Dialoge.
Etwaige Witze arbeiten ebenfalls häufig mit dem Instrument der Wiederholung; die meisten running gags scheitern allerdings bereits beim Aufbau. Und zwar nicht an der Unverständlichkeit, nicht an der Sprachbarriere oder einem speziellen, schlecht übersetzbaren Wortwitz; sondern eben weil es einfach nicht lustig ist.

Schade um das Geld. Schade um die Zeit.

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