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„Es ist zu spät, wir sind alle verdammt!“

TV-Serien-Regisseur Jim Kaufman schuf mit der zweiten und bis dato letzten Fortsetzung der Dämonenhorrorreihe im Jahre 1997, entstanden in US-amerikanisch-kanadischer Koproduktion, ihren Tiefpunkt. Eine Gruppe Jugendlicher gerät in der Halloween-Nacht in einen Konflikt mit der Polizei und flieht ins berüchtigte und dann doch gar nicht so leerstehende Hull House, wo bereits in den vorausgegangenen Filmen Angela und ihre Dämonenbrut steppten...

Zunächst lernt der Zuschauer eine grenzdebile Bande jugendlicher Schwachköpfe kennen, die im fahrenden Auto ihrem idiotischen Balzverhalten frönen, indem sie mit ihren Waffen rumfuchteln und sich gegenseitig umzubringen drohen, begleitet von vulgärem, pseudocoolem Gequatsche. Parallel stellt man uns zwei sexy Mädels vor, von denen die Blonde bereits erfolgreiche Cheerleaderin ist, während es die Brünette, übrigens in einem lächerlichen Katzenkostüm, erst noch werden will, aber immer im Schatten der Blonden steht und daher ein ein wenig angeknackstes Selbstbewusstsein hat. Das klingt doof, ist es auch und macht bereits deutlich, mit welchem oberflächlichen Scheiß man es hier zu tun bekommt. Von den Punk- und Metal-Einflüssen der gar nicht so üblen ersten beiden Teile der Reihe ist hier nichts mehr übrig. Wie dem auch sei, die beiden Mädels werden uns jedenfalls als Sympathieträgerinnen verkauft, deren Wege sich mit dem der Spacken kreuzen, als sie dummerweise in deren Auto einsteigen und eine Tankstelle ansteuern.

Was jetzt passiert, ist für mich bereits der Höhepunkt des Films, hat aber so überhaupt nichts mit seinem eigentlichen Thema und Genre zu tun, sondern wirkt eher einem Jugenddrama entlehnt. Einer der wild pubertierenden Jungs möchte ein paar Bier an der Tankstelle kaufen und zeigt einen gefälschten Ausweis vor. Der schmierige, unsympathische Verkäufer verweigert ihm den Verkauf und es kommt zu einem Wortgefecht, in Folge dessen der Verkäufer ein Gewehr hervorholt und auf den Jugendlichen zielt. Doch dessen Kumpel wiederum entreißt ihm das Gewehr und zielt nun seinerseits auf ihn, um ihm zu verdeutlichen, wie es sich anfühlt, in den Lauf einer geladenen Waffe zu blicken. In diesem Moment betreten Bullen den Laden und halten die Szenerie für einen Überfall. Diese entpuppen sich als äußerst schießwütig und ballern auf alles, was nach minderjährig und möglicherweise in Verbindung zum vermeintlichen Täter stehend aussieht. Der Jugendliche mit dem Gewehr schießt einen der Bullen durch die Scheibe und lebt fortan mit der Gewissheit, jemanden erschossen zu haben – doch der Bulle überlebt, da er eine schusssichere Weste trug. Diese intelligente, kritische Darstellung der Polizei passt so gar nicht zum Rest des Films, überzeugt aber auf ganzer Linie in Sachen Spannung und Dramatik. Die Betrachtungsweise ist differenziert, die Charaktere plötzlich ambivalent. So versucht der paragraphenreitende Verkäufer den Jungs einen Diebstahl in die Schuhe zu schieben, worauf der hinzugerufene, smarte Bullenvorgesetzte aber nicht hereinfällt. Dieser durchschaut, was vorgefallen ist, vorverurteilt niemanden und sucht fortan nach der Clique.

Doch kaum ist dieses Intermezzo beendet und unsere juvenilen Delinquenten auf dem Weg zum Hull House, verflacht der Film erneut in Rekordgeschwindigkeit und macht deutlich, dass Kaufman besser ein Jugenddrama gedreht hätte statt diese Horrorschmierenkomödie. Die jugendlichen Spacken versucht man uns von nun an zumindest teilweise ebenfalls als Sympathieträger statt als Dämonenfutter zu verkaufen, was nicht nur den Bodycount empfindlich einschränkt, sondern schlicht nicht funktioniert, solange die Eröffnungssequenz noch im Bewusstsein ist. Das Hull House wirkt nicht mehr halb so morbide wie die diesbezügliche Ausstattung der ersten beiden Teile, sondern sieht nach billigen Kulissen aus. Konnten Tenney und Trenchard-Smith noch mit sorgfältig umgesetzten, handgemachten Masken, Make-up- und blutigen Spezialeffekten überzeugen, so agiert man hier qualitativ gleich eine ganze Klasse darunter. Der Einsatz digitaler Animationstechniken hat nun auch hier Einzug erhalten, was für den visualisierten Übergang von der Außenwelt zum verwunschenen Hull House in Ordnung geht, niemals aber für plastisch wirken sollende Effekte. Wann immer in diesem Zusammenhang CGI zum Einsatz kommen, sind sie 100%ig deplatziert und verfehlen in ihrer billigsten Umsetzung jegliche angestrebte Wirkung. Besonders schlimm wird es, wenn billige CGI direkt auf allerbilligste handgemachte SFX treffen und beispielsweise ein digitale Schlange von einer Sekunde auf die andere durch einen simplen Handschuh ersetzt wird. Einfach nur schlecht. Die eine oder andere krude Idee, häufig im Zusammenhang mit sexueller Symbolik, entschädigt aber bisweilen.

Denn dafür ist „Night of the Demons 3“ der Sleaze-Höhepunkt der Reihe, wodurch man anscheinend ebenso wie mit oft infantilem, unlustigem Humor diese atmosphärische Nullnummer aufzupeppen versucht. Zu den bereits erwähnen Mädels gesellt sich aus den Reihen der Unsympathen eine kurzhaarige Blonde, die die Rolle der verruchten, bösartigen Femme fatale einnehmen soll. Amelia Kinkade, die wieder die Angela gibt, abwechselnd mit menschlichem und dämonischem Antlitz, war aber auch schon mal verführerischer und könnte hier die Mutter der Rotzlöffelbande sein. Die übrigen Schauspieler wurden komplett durchgetauscht, sind mir glaube ich gänzlich unbekannt und machen ihre Sache soweit zweckmäßig.

Entsprechend geeicht und in der Erwartungshaltung heruntergeschraubt, kann dem Genrefreund auch diese zweite Fortsetzung kurzweilige Unterhaltung bescheren, die allerdings größtenteils im Trash- und Sleaze-Bereich anzusiedeln wäre – denn so gelungen der Ausflug ins Jugenddramatische auch war, in Sachen wirklichen Horrors wirkt Kaufmans Film unbeholfen und hat nicht viel zu bieten.

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