Wenn man die beiden Namen Michael Winner und Charles Bronson hört, bringt man ihre Zusammenarbeit am ehesten mit der „Death Wish“ – Serie in Verbindung. Der Western „Chato’s Land“ entstand ein paar Jahre früher und stellt die erste, leider nur unterdurchschnittliche, Zusammenarbeit der beiden Männer dar. Enttäuschend schon allein deswegen, weil Charles Bronson nach „Spiel’ mir das Lied vom Tod“ nie mehr die „richtige“ Rolle erwischte.
Schon der Beginn ist sperrig. Ohne zeitliche Einordnung, die der Zuschauer sich später selbst zusammenreimen muss, erschießt das Halbblut Chato (Charles Bronson) in einem Saloon den dortigen Sheriff, nachdem der ihn mit rassistischen Sprüchen provoziert und bedroht hat, um schon sofort aus der Stadt zu flüchten. Ihm auf den Fersen schon bald der ehemalige Soldat Captain. Quincey Whitmore (Jack Palance)...
Was folgt ist eine ungeheure, zähe und langatmige Jagd auf das Halbblut, quer durch karges Land und Wüstengebiet. Doch zuerst muss Whitmore einen Trupp aufstellen, der ihn unterstützen soll. Warum er nur eine Person aus der Stadt rekrutiert ist genauso unklar, wie die Tatsache, dass Whitmore als Soldat (sogar in Uniform) die Selbstjustiz in die eigenen Hände legt. Die persönlichen Beweggründe erscheinen doch etwas vage. Das Abklappern der Bauernhöfe ist zu langwierig und ausführlich geraten. Schon allein deswegen, weil sich, mit einer Ausnahme, die engstirnigen, rassistischen Einstellungen der Bauern immer wiederholen. So gewinnt auch später von ihnen keiner an Profil, sie sind durch die Bank weg eindimensionale Charaktere.
Auch für die nun folgende Jagd schien Winner kein sonderlich gutes Händchen zu haben. Die Inszenierung ist durchweg recht routiniert und unspektakulär, ihr mangelt es aber an Auseinandersetzungen. Jeder halbwegs erfahrene Westernfan kann sich zusammenreimen, was nun folgen wird, als die Truppe Chato in „sein“ Land folgt. Schon bald wird das Wasser knapp und die Essensrationen kleiner, doch aufgeben will niemand in seinem blinden Hass.
Chato hat indes immer ein Auge auf seine Verfolger und beginnt diese zu dezimieren, als sie sein Heim aufspüren und seine Frau vergewaltigen. In dieser Situation blitzt etwas Anspruch auf, denn Whitmore merkt erst jetzt, dass sein Unternehmen gewaltig aus dem Ruder läuft. Disziplin kennen diese Bauern nicht und auf ihn hört ein Teil schon längst nicht mehr. Dabei erscheint die Verwandlung der einfachen Bauern zu sich wie Verbrecher verhaltende Widerlinge, die bald aufeinander losgehen, leider unglaubwürdig.
Bronson hat hierbei wenig zu tun, da Winner seine Verfolger fokussiert und ihn, später nur in Lendenschurz, den einen oder anderen Jäger massakrieren lässt. Da er hier aber eigentlich als Sympathiefigur, die nur ihr Leben und Heim schützen will, durchgehen soll, hätte Winner ihm etwas mehr Zeit, zum Beispiel mit seiner Familie, einräumen müssen.
Fazit:
Auch wenn sich oberflächlich den Themen „Rassendiskriminierung“ und „Selbstjustiz“ genähert wird, ist „Chato’s Land“ nur langweiliger, unspektakulärer Genrefilm, in dem Bronson wie auch Palance verheizt werden. Der Verlauf des Films ist schnell klar und hält keine Überraschungen parat. Die Charaktere sind durchweg zu eindimensional und ihre spätere Entwicklung zu unglaubwürdig. Höchstens etwas für Bronson-Komplettisten oder Westernfans.