"War es das wirklich wert??"
Der Erzähler, Tommy Johnson liegt blutverschmiert auf dem Boden, umgeben von mehreren Leuten, die wild auf ihn einprügeln.
Pünktlich zu internationalen Großereignissen im Fußball zeigen uns die Medien oftmals die gleichen Bilder von der berühmten 3. Halbzeit zwischen den „Fans“ der beteiligten Vereine bzw. Länder. Wilde Horden prügeln aufeinander ein und zerlegen ganze Innenstädte.
Speziell die englischen Hooligans sind notorisch und präsentieren sich stets zahlreich, auch wenn im Vorfeld polizeilich bekannte Hooligans aussortiert und im eigenen Land festgehalten wurden.
Woher kommen dann trotzdem diese Massen an gewaltbereiten „Fans“?? Was sind das für Menschen??
Die Medien zeichnen gerne das klischeehafte Standard-Bild eines Hooligans. Extreme politische Orientierung, außerordentlich gewaltbereit und der sozialen Unterschicht angehörig. Verallgemeinernde Bilder sind generell fragwürdig, aber in diesem Fall besonders.
Wer an einer tiefgründigen Analyse jener Menschen interessiert ist, wird mit „The Football Factory“ größtenteils bedient.
Der Betrachter begleitet eine Gruppe Hooligans des englischen Vereins Chelsea London. Erzählt wird das Ganze von Tommy, jenem Kerl, der zu Beginn des Films blutverschmiert am Boden liegt und sich selbst fragt, ob es das wert war.
Allerdings beschränkt man sich nicht nur auf eine Person, oder vermeintlich führende Persönlichkeiten im Milieu, sondern widmet jeder Seele Aufmerksamkeit, weil die Macher offensichtlich um Vielseitigkeit bemüht sind.
Das Ergebnis der Bemühungen ist dementsprechend glaubhaft.
Hooligans unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht nicht von der Mehrheit, weil sie während der Woche ihren Pflichten nachkommen und am Wochenende ihren Spaß haben wollen.
Was sie als Freude empfinden, ist allerdings etwas anderes, nämlich das archaische Duell Mann gegen Mann.
Warum wollen sie das?? Sie sind, wie viele andere auch, unzufrieden mit ihren Leben und suchen nach einer Ersatzbefriedigung, einem Ventil, um Frustrationen abzubauen. Angeödet von ihrem Alltag und häufig emotionale Krüppel, die ihre Gefühle anderen gegenüber nicht zeigen können und sich durch körperliche Überlegenheit in einem „Fight Club“ Respekt verschaffen wollen. Welche Neigung oder politische Orientierung sie haben, interessiert eigentlich nur sekundär. Das Zusammentreffen in Gruppen mit Gleichgesinnten ist vordergründig. Legitimieren wollen sie ihr Handeln, indem sie sich selbst anlügen und den Schlägereien etwas Ehrenhaftes einhauchen; Regeln und Ehrenkodexe, die spätestens in Aktion schnell wieder vergessen sind. Natürlich trifft dieses Schema nicht auf alle zu, aber diese Charakterstudie tangiert die Wahrheit mehr als das oberflächliche Bild der Medien.
Mal abgesehen von einem im Kern interessanten Plot, bietet „The Football Factory“ darüber hinaus aber relativ wenig. Einzig die Prügeleien sind visuell überzeugend dargestellt, wobei die allenfalls mäßigen Schauspieler und schlechten Synchronstimmen den Eindruck trüben.
Oftmals zu geziert und aufgesetzt wirken die Aktionen bzw. Gestiken und Mimiken der Schauspieler. Synchronisiert wurde furchtbar, nicht nur unpassende Stimmen, sondern auch eine oftmals deplatzierte Art und Weise verzehren die Dialoge.
Nun bleibt nur noch eine Frage offen: War es das wert??
Für Tommy Johnson, dem Erzähler leider ja, denn die Frustration über sein Leben und das Verlangen an Aggressionsabbau ist größer als die Vernunft.
Für den Betrachter inhaltlich auch, zumindest wenn man die Abgründe solcher Seelen ergründen möchte und zu verstehen versucht, warum scheinbar normale Engländer bei jedem internationalen Großereignis im Fußball zu brutalen Schlägern mutieren. (6/10)