Ein Film zum Thema Fußball, bei dem nicht für eine Sekunde auch mal der Ball rollt, geht das? Oh ja, der Hooligan-Streifen „The Football Factory“ beweist es.
Handlung:
Tommy Johnson ist unter der Woche ein kleiner Gärtnerei-Angestellter, am Wochenende aber mit anderen Ultras vom FC Chelsea London unterwegs auf der Suche nach Schlägereien. Leider verprügelt er eines Tages den Falschen und landet ganz oben auf der Todesliste rivalisierender Ultras. Und auch unter den Chelsea-Hools gärt es mehr und mehr…
Auf keinen Fall sollte man wie ich an „TFF“ herangehen , nämlich in der Erwartung, einen selbstkritischen Thriller in einem verabscheuenden Milieu zu sehen. So kann man nur enttäuscht werden, ist „TFF“ letztlich nicht viel mehr als ein anspruchsloser Actioner, der mehr Wert auf Hochglanz-Optik legt, als auf eine vernünftige Aussage.
„TFF“ stellt zunächst mal Tommy und die wichtigsten Personen aus seinem Freundeskreis vor, die allesamt Kleinkriminelle, Faulenzer und eben glühende Chelsea-Fans sind. Für sie sind die Prügeleien eine Art Ausgleich von ihrem tagtäglichen frustigen Leben, hier lassen sie ihre angestauten Aggressionen raus. Von Anfang an zeigt sich schon, dass „TFF“ nicht im Geringsten echte Gründe oder Motivationen für die Ultra – „Bewegung“ sucht. Die Hools sind eben da, und sie machen einfach, Punkt. Hier und da bringt der Film ein wenig scheinheilige Kritik an dem Ganzen, nach dem Motto „Werd endlich erwachsen, Tommy“, aber wirklich Stellung gegen Hooligans bezieht er nie. Natürlich bekommt Tommy im Laufe des Films auf sehr vorhersehbare Weise Skrupel an seinem Tun, hat Alpträume und Angst um sein Leben. Aber auch nur, weil er ja den Bruder des Oberheinis einer anderen Ultra-Crew vermöbelt hat, seltsam, dass ihm nach über 10 Jahren Schlägereien erst jetzt so was passiert ist. Schlechte Story, kann man da nur sagen. Am Ende bekommt Tommy zwar auch sein Fett weg, kehrt aber in der letzten Szene wieder zu seinen Kumpanen zurück, wodurch jede Charakterisierung der Figur überflüssig wird. Kumpeltum und Bierseligkeit siegen über Gewissensbisse und Angst. Und somit auch die Hooligans, eine sehr fragwürdige Aussage.
Nebenher wird in episodenartiger Weise gezeigt, wie sich die Ultras untereinander zoffen, was aber relativ fade ausfällt. Da gibt es die gemäßigten Anführer, rabiate Dauerprügler, die Mitläufer, wie man es sich eben vorstellt. In einer weiteren Nebenhandlung sieht man die Vereinsamung von Tommys Vater, was recht gut gelungen ist und die Probleme von Senioren in der heutigen Welt ansatzweise streift. Was das in einem Film über Fußballrowdies zu suchen hat, weiß ich allerdings nicht.
Nein, in „TFF“ rollt der Ball nicht… Bei einer so billigen Produktion auch kein Wunder. Eine Horde Darsteller, noch ein Haufen Schlägereistatisten, das war´s. Die meiste Zeit tigern die Kerle durch irgendwelche Gassen und suchen verfeindete Hooligans. Weil das wohl auch der Regie zu langweilig wurde, versuchte man mit ultrastylischen Kameraeinstellungen und allen möglichen Stilmitteln (Farbfilter, Zeitlupen, Gegriesel…) das Ganze zumindest optisch aufzupeppen. Das ist durchaus gelungen, langweilig ist es trotzdem. Auch die ausgedehnten Schlägereien sind fade, ein Pulk von Typen, die irgendwie rumprügeln, richtig hart wird es sowieso nie. Die Schauspieler sind absolut belanglos, keiner vermag wirklich zu überzeugen, bei den superflachen Figuren aber auch wenig überraschend. Dafür gibt’s ein wenig product placement von den „GTA“-Entwicklern, klasse…
Fazit:
„TFF“ lässt mutwillig die große Gelegenheit aus, ein „American History X“ über Hooligans zu werden (obwohl der ganze Schluss 1:1 aus diesem Film geklaut ist) und beschränkt sich auf völlig uninspirierte Prügeleien. Noch nicht mal eine klare Stellung gegen die ganze Thematik wird bezogen. Die Handlung ist unausgegoren und verstrickt sich in vielen überflüssigen Szenen (z.B. als Tommy von seinen Kumpels reingelegt wird). Weder für Fußball-Fans, noch für anspruchsvolle Genrekenner brauchbar.
3/10