Fußball ist Krieg. Damit sind nicht nur oft robust spielende englische Fußballmannschaften gemeint, sondern auch die Schlachten der Hooligans, die sich mehr für die gegnerischen „Fans“ interessieren, als für das eigentliche Spiel. Insofern ist „Fan“ ein eher unpassender Begriff, denn mit einer Fankultur, eine bestimmte Mannschaft betreffend, hat das gar nichts zu tun.
„The Football Factory“ entführt den Zuschauer in ebendiese Szene. Hier sind es die „Anhänger“ (immer auf die Anführungsstriche achten!) vom FC Chelsea, die sich das gemeine und organisierte Schlägertum auf die Fahnen geschrieben haben. Und obwohl der Film ja „The FOOTBALL Factory“ heißt, gibt es weder Spielszenen, noch Aufnahmen eines Stadions zu sehen. Hier geht es einzig und allein um den Alltag in einer Hooligan-Clique. Wer jetzt erwartet, eine kritische Auseinandersetzung mit dieser Kultur zu sehen, der täuscht sich. Ein Zitat des Textes auf der DVD-Hülle trifft es auf den Kopf: „...ein adrenalingetränktes und visuell aufregend inszeniertes Portrait einer Männer-Kultur aus Gewalt, Freundschaft und Rache, wie man sie nicht wahrhaben möchte“. Nun... So visuell aufregend ist der Film wahrlich nicht geworden, doch im Gegensatz zu „American History X“, der sich kritisch mit der Neonazi-Kultur auseinandersetzte, baut Regisseur Nick Love auf Werte wie Kameradschaft, Freundschaft und Gemeinschaftsgefühl. Dies ist zumindest bedenklich, denn der Film schrappt an einer Verherrlichung der Szene nur denkbar knapp vorbei und einfache Gemüter bekommen bei Genuß des Films wohl Lust, sich einer örtlichen Schlägertruppe anzuschließen.
So gibt es ein Mitglied der Gruppe, dem beinahe der Ausstieg gelingt. Er lernt eine nette Frau kennen, die dafür sorgt, dass er nicht mehr an den Treffen teilnimmt. Alles wird ernst: Von einer gemeinsamen Zukunft ist die Rede. Doch bei einem Essen mit ihren Eltern, platzt es aus ihm heraus. Er beleidigt seine Freundin und deren Eltern, nur um vom Tisch aufzuspringen und sich wieder seiner Truppe anzuschließen. So oder ähnlich muß wohl ein feuchter Traum eines Freizeit-Hools aussehen.
Abgesehen, von der eben beschriebenen, schwerwiegenden Problematik, ist der Film durchaus interessant. Die Darsteller überzeugen, indem sie britische Allerweltspersonen glaubhaft darstellen. Allen voran Danny Dyer, der den Hauptcharakter Tommy gibt. Er ist die Idenitifikationsfigur für den Zuschauer. Bei ihm scheint Hopfen und Malz nicht ganz verloren zu sein. Zudem ist er durchaus sympathisch. Während es Films wird er von Alpträumen geplagt, doch auch das hält ihn nicht davon ab, sich im Namen des Fußballs kräftig den Schädel vermöbeln zu lassen.
Wenn einem im Zuge der anstehenden Fußball-WM britische Hooligans auf der Straße entgegenkommen, wird das wohl für einen größeren Adrenalinkick sorgen, als „The Football Factory“, dem man wie gesagt, nur eine mangelnde Distanz vorwerfen kann. Rein inszenatorisch gibt es kaum etwas auszusetzen. Dennoch werden wohl manche erst in der direkten Konfrontation auf der eben beschriebenen Straße begreifen, welche filmischen Helden uns „The Football Factory“ vorsetzt... Alles in allem höchst diskutable
Fazit:
6,5 / 10