"Football Factory" ist keineswegs ein Film, der von einem, salopp ausgedrückt, einfach gestricktem Menschen angesehen werden sollte. Zum einen könnte der Film mit seiner Direktheit denjenigen Menschen dazu animieren, selbst sich seine Opfer zu suchen, um seinem Leben einen gewissen "Sinn" zu geben, zum anderen könnte ein Mensch, der des Differenzierens nicht fähig ist, leicht alle Fußballanhänger über einen Kamm scheren.
Es ist also wirklich problematisch, sich diesem Thema in filmischer Art und Weise zu widmen, da auf der einen Seite zu wenig Hintergrund mitgeliefert werden kann, auf der anderen Seite jedoch eine gewisse Brutalität von Nöten ist, um dem Film seiner Glaubwürdigkeit nicht zu berauben.
Kennt man sich im Metier "Fußballanhängerschaft" jedoch aus, dann ist der Film sehr positiv zu bewerten. Was Bill Buford mit seinem Buch gelang, das schaffte Nick Love mit einem Film. Er erklärt - natürlich nicht so ausführlich wie ein Buch das kann - gekonnt die möglichen Beweggründe für die Entscheidung ein Hooligan aus den 80er Jahren in England zu sein. Denn diese Kämpfe können heutzutage in der Form nicht mehr stattfinden.
Durch diesen Umstand erhält der Film natürlich einen gewissen Mangel, da für niemanden klar ersichtlich ist, dass diese Gewaltorgien mittlerweile auch im Mutterland des Fußballs der Geschichte angehören. Zwar wollen einen die Medien überhaupt vor diversen Großereignissen immer die Ammenmärchen auftischen, dass bald wieder Horden von Engländern einfallen, die alles kurz und klein schlagen, doch treten diese Horrorszenarien "leider" seit Jahren nicht mehr ein, so dass die diversen Medienvertreter traurig von Dannen ziehen müssen, weil ihnen kein reißerisches Informationsmaterial dargeboten worden ist. Umso mehr müssen sie sich natürlich auf gewisse Schreckensbilder stürzen, die zwar schon Jahre her sind, aber immer wieder gut aufgewärmt werden können.
"Football Factory" ist also ein sehr unterhaltsamer Film für Menschen, die das Thema "Hooliganismus" richtig einschätzen können. Für alle anderen ist der Film einfach nicht zu empfehlen, da sie die Thematik nicht in dem Maße einordnen können, um sich darüber eine Meinung zu bilden. Diese sollten den Film als normalen Action geladenen 0815-Streifen abtun und nicht versuchen, den Film hinterher auch nur irgendwie zu deuten.
Für mich hat der Film (überhaupt mit Originalton) 9 Punkte verdient...und dabei kommt es mir nicht auf die spielerische Leistung an, sondern auf die Authentizität...