Review

Mit „The Football Factory“ nahm sich Nick Love der englischen Hooliganszene an, die in den Folgejahren weiter filmisch aufgearbeitet werden sollte.
Tommy Johnson (Danny Dyer) ist Chelsea-Fan, Hooligan und als solcher in einer so genannten Firma organisiert. Für ihn ist samstägliche Prügeln Freizeitbeschäftigung, eine Abwechslung vom tristen Alltag bei der Arbeit als Floristen-Gehilfe. In der Exposition beschäftigt sich „The Football Factory“ noch am ehesten mit dem Hooligan-Sein, stellt kurz den Werdegang seiner Figuren vor, für die das Prügeln ein Spaß ist, ähnlich wie Discogänge und Drogen, die ihr Leben sonst ebenso trist wie die Siedlung finden, in der sie aufgewachsen sind und immer noch leben.
Allerdings erklärt Danny als Off-Erzähler, dass er drei bewegende Wochen vor sich hat, die sein Leben einschneidend verändern – eventuell sogar seinen Tod bedeuten, denn die Eingangsszene ist da nicht so ganz klar…

Wer an einer ernsthaften Thematisierung der Hooliganszene interessiert ist, der gucke sich lieber „Hooligans“ oder den Anfang von „Rise of the Footsoldier“ an, denn nach der Exposition beschäftigt sich „The Football Factory“ nur gelegentlich noch mit der Lebenseinstellung. Die Gefahr der Glorifizierung des Schlägertums wird aber gerade noch umgangen, da die Off-Kommentare Tommys immer wieder Optionen lassen das Gesehene zu hinterfragen, so toll Tommy es teilweise auch finden mag, zum anderen behält „The Football Factory“ immer eine Art von ironischer oder zumindest humoristischer Distanz zum Geschehen.
Tatsächlich ist „The Football Factory“ weniger Hooligan-Drama und mehr britische Groteske in der Art von „Trainspotting“, Guy Ritchie Filmen und „Layer Cake“. Immer wieder wird mit Verfremdungen gearbeitet (z.B. Tommys Traumszenen) und Gags eingebracht, darunter eine halbnackte Flucht vor einem Schläger, skurrile Momente im Gerichtssaal oder die beiden Hooligans, die versehentlich einen führenden Kumpan beklauen. Meist sind die Gags auch amüsant, wodurch die dramatischen Einsätze des Films aber nicht mehr aufgehen: Ob Tommy nun aus der Szene aussteigt oder nicht, ob er überlebt oder nicht, interessiert den Zuschauer nur peripher.
Insofern setzt die Inszenierung viel auf diese Reize, arbeitet mit schnellen Schnitten, dynamischer Kamera und Voice-Over. In den Prügelszenen dominieren dann Handkamera und gewollter Übersichtsverlust durch die Montage, um quasi das Empfinden der Hooligans inmitten des Geschehens nachzustellen. Szenen vom Fußball oder in Stadien gibt es hier allerdings gar nicht, auch das Hooligantum wird nicht konsequent abgearbeitet, da „The Football Factory“ gleich mehrere Storylines abdecken will.

Genau da liegt dann auch das Problem des Films, dessen Nebenhandlungen die Geschichte Dannys immer wieder berühren, aber diesen nicht weiterbringen. Dannys Großvater, der nach Australien auswandern will, diverse kriminelle Umtriebe seiner Hooligan-Kumpels, der rassistische Taxifahrer – alles zieht sich als roter Faden durch den Film, wird aber nach Belieben aufgenommen und fallengelassen. Gerade die potentiellen Verstrickungen von Hooligans, Schlägerszene und Kriminalität zeigte jüngst ja „Rise of the Footsoldier“ ausgesprochen gut auf.
Danny Dyer ist ähnlich wie in „Severance“ die Hauptattraktion des Films und spielt als sympathischer Hooligan wirklich wunderbar. Auch der Supportcast macht sich wirklich gut, gerade Frank Harper als psychopathischer Streitsucher kann noch so einige bedeutende Akzente setzen. Bei vielen Statisten handelt es sich übrigens um echte Hooligans.

„The Football Factory“ ist nett inszeniert, ganz witzig und gut gespielt – und trotzdem mag der Funke ob der Ziellosigkeit nicht so wirklich überspringen, zumal die Hooliganszene später nur noch nebenbei thematisiert wird.

Details
Ähnliche Filme