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"Adieu l´Ami" ist gleich unter zwei deutschen Titeln erschienen, die klingen beide sehr reißerisch. "Bei Bullen "singen" Freunde nicht" und "Du kannst anfangen zu beten", immerhin der Erste ergibt einen Sinn, da tatsächlich einer der beiden Hauptfiguren mit der Polizei in Konflikt kommt. Jean Herman (Jagd auf Jeff, Popsy Pop) vereint hier die beiden Schauspielgrößen Charles Bronson (Death Wish, Murphys Gesetz) und Alain Delon (Der Panther, Scorpio, der Killer), was wohl der ausschlagende Punkt ist, sich diesen zu lang geratenen Krimi zu Gemüte zu führen.

Der Arzt Dino Barran (Alain Delon) und der Legionär Franz Propp (Charles Bronson) kehren nach Beendigung des Algerienkrieges nach Frankreich zurück. Während Franz dubiose Geschäfte mit irgendwelchen Gangstern über die Bühne zieht um zu Geld zu kommen, wird Dino von der mysteriösen Isabelle Moreau (Olga Georges-Picot) um einen Gefallen gebeten. Er soll drei Tage lang die Angestellten eines großen Konzerns untersuchen und über Weihnachten gestohlene Wertpapiere wieder in den großen Safe zurücklegen. Da Isabelle die Freundin seines verstorbenen Kumpels war, nimmt Dino den Job an. Doch plötzlich taucht auch Franz auf, sie werden zusammen über die Feiertage eingeschlossen. Im Safe sollen auch zwei Millionen Dollar liegen, doch aufgrund diverser Streitereien werden Dino und Franz im Saferaum eingeschlossen.

Wer jetzt einen gängigen Einbrecherfilm erwartet, dürfte eine Überraschung erleben, denn "Adieu l´Ami" ist und bleibt ein Krimi, der dank der undurchsichtigen Story auch über die lange Distanz unterhält. Nur zu Beginn verschleppt Herman das Tempo, hier fehlt ein Ereignis, statt einiger Twists zwischen Franz und Dino die zusammen im Algerienkrieg waren. So entpuppt sich Dino als Lebemann und Spieler, der auch gerne mal seinen ganzen Sold bei einem Spielchen verliert, während Franz ein sehr ruhiger aber geldgieriger Typ ist. Besonders ein Spiel hat es ihm angetan, er macht ein Glas randvoll und lässt dann fünf Münzen hereinfallen, ohne etwas zu verschütten. Doch anstatt gemeinsame Sache zu machen, gehen sie sich aus dem Weg. Franz verkauft zum Schein eine Frau an den Höchstbietenden, um diesen dann später auszurauben, immerhin gibt es dabei eine kleine Klopperei. Dino wird von Isabelle Moreau bezirzt, gestohlene Wertpapiere wieder in den Firmensafe zu lagen. Warum er diesen Job überhaupt annimmt, erfahren wir erst später. Angeblich soll im Safe noch eine große Summe Geld liegen, doch Dino darf nichts davon anrühren. Leider fallen Dinos Vorbereitungen für diesen Coup sehr kläglich aus und so wird es erst richtig interessant, wenn die beiden Streithähne Franz und Dino über Weihnachten im Gebäude eingeschlossen ist. Dino will seinen Auftrag erfüllen und Franz will das Geld haben und so liefern sich die Beiden während sie den Safe knacken ein nettes Katz- und Mausspiel.

Doch der Zuschauer ahnt schon, dass irgendetwas nicht stimmt, besonders als der Safe schließlich offen ist. Dank einer Prügelei finden sich Dino und Franz eingesperrt im Saferaum wieder. Wie sie da wieder rauskommen, möchte ich nicht verraten, jedenfalls ist der Film damit noch nicht vorrüber. Es gilt die Schuldigen zu finden, welche Dino verladen wollten, leider ist der Kreis der Verdächtigen extrem klein und das Motiv etwas zu schleierhaft. Außer kleineren Kloppereien und der Verfolgungsjagd mit der Polizei passiert auch nicht sonderlich viel, der Höhepunkt ist und bleibt die halbe Stunde, als Franz und Dino zusammen im gebäude eingeschlossen sind. Danach trennen sich wieder ihre Wege, denn Franz landet bei Inspector Méloutis (Bernard Fresson) und sieht sich zahlreichen Verhören ausgesetzt, während Dino versucht die Misere aufzuklären. Dabei liegt das Hauptaugenmerk besonders auf Bronson und Delon. Bronson gefällt dank seines schlitzohrigen Charakters sogar ein bisschen besser, während es Delon ein wenig an Charme mangelt. Aber Beide ringen sich eine gute Leistung ab, da können die restlichen Darsteller kaum mithalten.

Alles in allem bleibt ein amüsanter Krimi, dem es zweitweise am nötigen Tempo mangelt und die zu Beginn etwas undurchsichtige Story wird nicht in jedem Punkt zufriedenstellend aufgelöst. Aber das süffisante Spiel von Charles Bronson und Alain Delon macht einiges wieder wett und so reicht es bei mir für runde 6 Punkte.

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