Review

Eine Frau gegen drei Schurken, - das erinnert doch frappierend an die Exploitationer der Siebziger, allen voran natürlich „I Spit on Your Grave“ und „Last House on the Left“.
Die tabubrechenden Gemeinheiten war man in den Achtzigern allerdings ein wenig leid, weshalb dieses Debüt von Mario Andreacchio („Napoleon - Abenteuer auf vier Pfoten“) auch vergleichsweise harmlos daherkommt.

Im australischen Hinterland betreibt Jessica eine Art Wildschutz-Reservoir, wo sie kranke und verletzte Tiere aufpäppelt. Als die Kängurujäger Sony, Ringo und Sparks in ihr Gebiet eindringen, steigern sich Provokationen und Gewalt von einer Aktion zur nächsten…

Worin auch direkt das eigentliche Problem der Handlung angesprochen wird, denn Jessica lässt sich auf das plumpe Spiel der drei Übermütigen ein, nachdem diese ihre Windschutzscheibe zerdepperten und sie Anzeige beim passiven Sheriff des Ortes erstattete.
Anstatt die drei zu ignorieren oder Druck auf den Gesetzeshüter auszuüben, lässt sich unsere Heldin von einer unüberlegten Aktion zur nächsten verleiten und riskiert damit natürlich nicht nur das Leben ihrer Tiere, sondern auch das eigene Wohl nebst der nicht allzu stabil gebauten Farm, die irgendwo am Arsch der Welt steht.

Das von Beginn an konstant hohe Tempo verhindert jedoch eine Vertiefung dieser Thematik, zumal ohnehin sämtliche Sympathien bei der Tierschützerin sind, während die Wilderer aus einem zurückhaltenden Boss, einem Hampel und Turner und einem schmierigen Geifer bestehen, welche zu keiner Zeit einen Hehl daraus machen, wie unterbelichtet sie allesamt sind. Ihr aufgemotzter Pick-Up erinnert bei mancher Aktion an „Mad Max“, zumal Urschreie und Gegröle, sowie ein Tanzen auf der Ladefläche zum Spiel der Jäger dazu gehören.

Dennoch gibt Jessicas blauäugiges Verhalten einige Rätsel auf: Warum schläft die Frau nackt und bei offenem Fenster? Warum hat sie nicht zumindest ein Gewehr im Haus, um sich vor wilden Tieren zu schützen und wo ist eigentlich ihr Kerl, mit dem sie zu Beginn telefoniert?
Diese Fragen treten jedoch im Verlauf in den Hintergrund, denn die immer weiter eskalierende Situation lässt kaum eine Verschnaufpause zu, obgleich die Aktionen beider Parteien vergleichsweise harmlos ausfallen und ein Exploitation-Element in Form einer halbnackten Jessica am Kühler des Trucks gefesselt bereits den Höhepunkt der Demütigungen ausmacht. Von derben sexuellen Übergriffen ist man also mindestens eine Stufe entfernt und über etwaige Andeutungen geht die Geschichte nie hinaus.

Die Atmosphäre der weiten Einöde kommt zuweilen recht gut zur Geltung, besonders bei diversen Verfolgungen, etwa beim Duell Pferd gegen Motorrad, steht die Hilflosigkeit der Sympathieträgerin im Vordergrund und fördert dadurch unweigerlich das Mitfiebern.
Auch Teile des Scores unterstützen diese Stimmung, obwohl einige schrille und zum Teil auch schräge Klänge einen leichten Nervfaktor beinhalten.
Kamera und Schnitt arbeiten effektiv, was ebenfalls bei diversen Katz - und Maus Spielchen zum Tragen kommt, besonders zum Finale, als Jessica alles auf eine Karte setzt.

Abseits aller irrationalen Handlungen ist also ein ordentlicher Unterhaltungswert gegeben, die sich aus den hochschaukelnden Aktionen beider Lager ergibt. Während es darstellerisch nicht viel zu bemäkeln gibt und das Handwerk solide Arbeit leistet, ist latent Tempo im Spiel und auch wenn ganz perfide oder brutale Aktionen außen vor bleiben, ist ein gewisses Mitfiebern gewährleistet.
Gefällige Mischung aus „Wer Gewalt sät“ und „Deliverance“, mit einigen spannenden Einschüben in grundsolider Inszenierung.
Knapp
7 von 10

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