Freitag der 13. ist mit seinen 10 Teilen und dem Crossover Freddy vs. Jason mit Sicherheit die ausdauerndste Slasher-Serie. Auslöser war der von Regisseur Sean S. Cunningham inszenierte erste Teil. Im Wesentlichen ist der ganze Film eine Slasher-Standardsituation. Die Eingangsszene, in der 1958 zwei Teenager in einem Feriencamp am Crystal Lake umgebracht werden ist hinsichtlich der Kameraperspektive, nämlich aus Sicht des Mörders, frech aus Halloween geklaut. Nach diesem Vorfall scheint das Camp verflucht. Versuche das Camp wiederzueröffnen scheitern. Zwanzig Jahre später versucht ein Gruppe von Teenagern erneut das Camp wiederzueröffnen. Und wie sollte es nicht anders sein, auch diese fallen nach dem 10-Kleine-Negerlein-Prinzip alle dem mysteriösen Killer zum Opfer, bis auf Alice. Aber die erwischt es ja bekanntlich in Teil 2.
Der Ablauf des Films bzw. der Morde bedient sich einer minimalistisch anmutenden Effektdramaturgie. Der Einfallsreichtum späterer Teile hinsichtlich der Todesarten ist hier noch nicht ganz so ausgereift. Auffällig, dass die meisten Teenager kurz vor oder nach dem Sex dran glauben müssen, oder weil sie sich nackig machen. Nur die gute Alice entkommt bzw. entledigt sich des Mörders. Die Frage nach dem Mörder ist in diesem Teil wohl das auffälligste Merkmal, geht man doch davon aus, dass wie in den folgenden Teilen Jason dahinter steckt. Ist aber nicht so, und wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte an dieser Stelle auch nicht weiterlesen.
Es ist nämlich Jasons Mutter, die als Umkehrung einer Norman-Bates-Figur von ihrem ertrunkenen Sohn besessen ist, welcher sie durch seine imaginäre Stimme zu den Morden antreibt. Denn der kleine Jason ertrank während eines Feriencamps im Crystal Lake, als die Betreuer nicht aufpassten, weil sie – wie Teenager eben so sind – mit Schweinereien beschäftigt waren. Und jetzt wissen wir auch, warum gerade die unzüchtigen Teenies dran glauben müssen. Dieses Motiv wurde ja in mittelmäßigen Slasher-Serien wie Prom Night noch weiter ausgebaut.
Der erste Teil hat im Gegensatz zu den folgenden Teilen zumindest eine innovative Story. In puncto Spannung kann er z.T. nicht mithalten. Das Problem ist, dass sich die Szenen, die letztendlich Standardsituationen des Horrorgenres sind, zu lange ziehen. Dies weckt gerade heutzutage, wo der Zuschauer das alles doch eh schon kennt, Ungeduld. Dass man Standardsituation viel temporeicher und effektvoller inszenieren kann hat u.a. Sam Raimi in Evil Dead (Tanz der Teufel) bewiesen. Aber Cunningham hat einen letzten Trumpf im Ärmel, denn die abschließende Schockszene auf dem See hat es mächtig in sich. Aber warum muss man darauf fast 90 Minuten warten?
Ein letzter Punkt, der einen Horrorfan interessiert, sind natürlich die Spezialeffekte, für die sich kein geringerer als Tom Savini verantwortlich zeichnet. Es gibt ein wenig Gore: aufgeschnittene Kehlen, durchbohrte Brustkörbe, eine Axt im Gesicht und ein abgeschlagener Kopf. Das ist alles gut gemacht, aber vergleichsweise harmlos. Da geht es in anderen Teilen doch ganz anders zu.
Alles in allem finde ich persönlich den ersten Teil nur mittelmäßig, v.a. weil eine Portion Spannung fehlt. Trotzdem ist der Teil unterhaltsam. Für Fans der Serie ist Teil 1 sowieso Pflichtprogramm, und schließlich hat die Serie auch weitaus unspannenderer Nachfolger produziert (ich denke da nur an den grottigen 5. Teil). Dafür gibt es daher 5 von 10 Punkten.