Das alte Camp Crystal Lake, von den Einheimischen liebevoll „Camp Blood“ genannt, hat einen denkbar schlechten Ruf, gab es dort doch Ende der Fünfziger, Anfang der Sechziger eine Reihe von Unglücks- (unter anderem ist dort ein kleiner Junge ertrunken) und gar Mordfällen. Das stellt die hoffnungsvolle junge Dame Annie fest, als sie sich eben zu jenem alten Ferienlager aufmacht und vor selbigem ausgiebigst gewarnt wird: Ein Fluch laste auf dem Ort. Da hätte sie mal lieber drauf gehört, denn wenig später wird sie von einem geheimnisvollen Unbekannten mitgenommen und um die Ecke gebracht.
Im Camp koordiniert inzwischen Steve Christy, der neue Besitzer des Ladens, die Renovation desselbigen; für die anfallende Arbeit hat er eine Bande Jugendlicher angeheuert, darunter seine alte Bekannte Alice. Alles geht gut voran und problemlos vonstatten, mal abgesehen von reptilen Eindringlingen in den Schlafsälen, alten Zauseln, die sich in der Speisekammer verstecken, und natürlich der Tatsache, dass ein Killer umgeht, „Zehn kleine Negerlein“ spielt und das Liebestreiben der Teenager sowie selbst die schönste Partie Strip-Monopoly empfindlich stört. Schliesslich sieht sich Alice mit einem regelrechten Leichenberg konfrontiert, aber damit haben die unliebsamen Überraschungen noch kein Ende…
John Carpenters HALLOWEEN war ein grosser Erfolg an den Kinokassen und Sean S. Cunningham (DEEP STAR SIX) griff dessen Schema dankbar auf, um es für seinen eigenen Film zu verwursten: Man nehme ein paar Jugendliche, verfrachte sie an einen Ort, wo die Hilfe der Erwachsenen fern ist, lasse sie Sex haben und gebe einen Killer hinzu. Darüber hinaus noch ein paar schöne Klischees wie die Dorfbevölkerung, die bei der Nennung des verfluchten Ortes sofort verstummen oder der warnenden Dorftrottel (der gleich noch als ein eher unüberzeugenden Red Herring fungiert), und voila. Der finanzielle Erfolg gibt Cunningham Recht (und hat natürlich unzählige Nachahmer sowie eine ganze Reihe von Sequeln nach sich gezogen).
FRIDAY THE 13TH hat sich aufgrund seines Impacts einen Status als Klassiker erarbeitet, kann dem Hype aber nicht ganz gerecht werden: Mit seinen anderthalb Stunden Laufzeit ist der Film sicher kein Epos, aber dennoch fast etwas zu lang: Allzu ergiebig ist die Story halt nicht und insbesondere die „Stalk-and-Slash“-Routine im Mittelteil kommt zunehmend etwas zäh und repititiv daher. Das letzte Viertel schliesst sich da an, wenn das Final Girl den Killer ausser Gefecht setzt, er sich wieder hochrappelt, sie ihn wieder ausser Gefecht setzt, er sich wieder hochrappelt, etc. (Und gut für’s Tempo ist es auch nicht, wenn wir ihr zum Beispiel minutenlang dabei zusehen müssen, wie sie die Türe verrammelt. Übrigens nur, um das ganze Gerümpel, mit dem sie diese blockiert hat, wenig später wieder wegzuräumen – wobei die Türe eh nach aussen aufgeht!)
Apropos Killer: So überraschend die Enthüllung dessen Identität auch ist, wirkungsvoller wäre sie, hätte man die Figur etwas früher eingeführt. (So kommt das Ganze doch ein bisschen aus dem Nichts.) Und so recht glauben mag man auch nicht, dass ausgerechnet diese Person all die Morde (die ja immerhin doch einiges an Körperkraft abverlangen dürften) vollbracht haben soll (aber okay, zieht man die weiteren Teile der Reihe in Betracht, wäre ja durchaus ein Helfer vorstellbar). Und der Schlusstwist macht ja so was von überhaupt keinen Sinn…
Aber selbiger ist nichtsdestotrotz verdammt wirkungsvoll, nicht zuletzt dank dem genialen Make up von Tom Savini, womit wir auch schon dort angekommen wären, wo der Film wirklich punkten kann: Den Splattereffekten. Die sind handwerklich einwandfrei in Szene gesetzt und suppen ganz ordentlich, Savini beherrscht seinen Job. Aber man erwarte tunlichst nicht zu viel: Ein Gorefest ist FRIDAY THE 13TH nicht, die expliziten Kills kann man an einer Hand abzählen, viele werden nur angedeutet oder gar ganz ausgespart (mitunter durch eine Weissblende oder einen Freeze Frame, was ein wenig nervt) und uns stattdessen nur die Leichen als deren Folgen präsentiert. Und Spektakuläreres als eine Köpfung wird hier nicht geboten; heutzutage ist man sich als Gorehound selbstverständlich Wüsteres gewöhnt. Verzichten können hätte ich auf den Tiersnuff, auch wenn das Opfer nur eine Schlange ist. Die Verbindung von Sex und Tod ist hier übrigens eher lose (überhaupt treiben es nur zwei miteinander, bevor sie getötet werden, mal abgesehen vom Teaser), Drogen kommen gar nicht erst ins Spiel.
Die Kills werden von Anfang an regelmässig über die Handlung verteilt, so dass sich wenigstens keine echten Längen einstellen. Die Einführung der Figuren wird relativ schnell abgehandelt, mit der Charakterisation hält man sich nicht lange auf: Selbst bei Final Girl Alice, dargestellt von der äusserst hübschen und sympathischen Adrienne King (die leider ihre Filmkarriere nach ihrem kurzen Auftritt in FRIDAY THE 13TH – PART 2 beendete), gibt es nur einige Andeutungen bezüglich irgendwelcher persönlichen Probleme und einer romantischen (?) Beziehung zu Steve, aber richtig ausgesprochen wird da nichts. Am meisten Charaktereigenschaften kommt noch Ned (Mark Nelson) verpasst, und die beschränken sich darauf, dass er ein nerviger Oberspast von Witzbold ist. Interessant bezüglich des Castes ist noch die Teilnahme von Kevin Bacon (TREMORS, SLEEPERS, MYSTIC RIVER) in einer seiner frühen Rollen sowie von Betsy Palmer, die völlig gegen ihr damaliges Image anspielt.
Oben sagte ich, die Figur des Killers würde erst sehr spät eingeführt. Das stimmt natürlich nur zur Hälfte, denn der hiesige Mörder begegnet uns schon in den ersten Minuten des Filmes, allerdings nur als POV-Shot. Diese Methode ist, wie so vieles hier, auch von HALLOWEEN abgeguckt, Cunningham treibt das Stilmittel allerdings noch eine Stufe weiter und schafft es so, die Identität des Schlächters bis zum Schluss erfolgreich zu verschleiern, ohne auf Action verzichten zu müssen. Die Motivation des Killers stellt im Übrigen eine interessante Umkehrung der entsprechenden Verhältnisse in Hitchcocks PSYCHO dar.
Wenn wir schon bei der Kameraführung sind: Nicht nur beim Einsatz der subjektiven Kamera, sondern auch sonst greift man hier gerne auf Handkamera zurück, was manchmal fast etwas Dokumentarisches hat, auf jeden Fall aber visuelle Dynamik einbringt. (Überhaupt ist die Kamera meist zumindest ein Bisschen in Bewegung.) Der Synthie-Score von Harry Manfredini ist wunderbar nervenaufreibend.
Fazit: FRIDAY THE 13TH ist kein wirklich grosses Meisterwerk, dazu ist der Streifen einen Tick zu langatmig und unlogisch geworden, aber er macht definitiv auch vieles richtig (man nehmen nur mal Savinis Effekte oder Manfredinis Musik) und seinen Platz in der Filmhistorie sowie seinen Einfluss auf Nachahmer wird ihm sowieso keiner streitig machen wollen.