Freitag, der 13.
Das Original, das Maßstäbe setzte? Eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht? Horror vom Feinsten mit einer Kultfigur mit dem Namen Jason Vorhees? Unglaubliche Effekte? Auch nach dreissig Jahren noch ein Bringer?
Leider nicht ganz. Speziell die letzte Frage kann selbst vom eingefleischtesten Fan nur im Vollrausch mit „Ja“ beantwortet werden. Will man aber das Prädikat „Kultfilm“ bemühen, passt das schon eher oder doch lieber unfreiwillige Komik? Im Einzelnen: Cunninghams Film bietet grottenschlechte Schauspieler. Einzig bekanntes Gesicht ist das Bubigesicht von Kevin Bacon. Die schier unerträglichen Schauspieler tragen fürchterliche Frisuren und Klamotten. Noch schlechter als die Schauspieler sind die Dialoge. Was da vom Stapel gelassen wird, kann nicht alleine der deutschen Synchronisation angelastet werden. Das ist schon unglaublich.
Ganz heftig sind neben den Dialogen auch manche Szenen, die einfach gebraucht werden, um die dünne Story auf eine Spielfilmlänge zu trimmen. Da entdeckt eine Frau eine Schlange im Haus, dann ruft sie die ganze Meute zusammen und alle (!) jagen dann die Schlange im Zimmer und einer erlegt sie. Dann wird minutenlang Strip-Monopoly (!!!) gespielt (wahrscheinlich waren keine Spielkarten am Set). Unglaublich, das muss man einfach gesehen haben.
Die dünne Story: Am Crystal Lake ist ein kleiner Junge namens Jason ertrunken, weil die jungen Aufseher des Camps nicht auf ihn aufgepasst haben, sondern gerade anderweitig beschäftigt waren. Jahre später soll das Camp wieder aufgemacht werden. Doch da hat jemand was dagegen und metzelt alle nieder. Wer das ist, wissen wahrscheinlich die meisten. Nur soviel: Cunningham hat Hichcocks Psycho mehr als einmal gesehen.
Savinis Effekt retten dann doch einiges. Und die Kills sind zwar nicht umwerfend, aber für die damalige Zeit sicher mehr als okay. Wer sich mit SAW/Hostel aufwärts beschäftigt, sollte diesen Klassiker (so er diese Bezeichnung verdient) meiden. Wer sich mit den Wurzeln – auch des gebotenen Minimalismus – auseinandersetzen will, sollte zuschauen und die Naivität genießen und sich keine Gedanken über einen tieferen Sinn des Dargebotenen machen.
Fazit: Sicher neben dem ersten „Halloween“ ein Klassiker, der zumindest einige Stilmittel wie z. B. die Ego-Perspektive aus Sicht des Killers und Verfolgungsjagden durch den Wald etablierten und ausbauten. Aus heutiger Sicht aufgrund der Dialoge und Schauspieler aber auch sehr grenzwertig. Der Kultfaktor schraubt die Bewertung aber dann doch auf 8/10 hoch.
Das ist halt einfach so.