Der, wo nicht Jason der Mörder ist (Hinweis für alle Barrymores da draußen), der mit den Tom-Savini-Effekten und Kevin Bacon.
Der, bei dem zehn Leute draufgehen.
Hiermit ward sie dann aus den brackigen Gewässern des seines Namens spottenden Crystal Lakes gehoben, Sean S. Cunninghams Filmserie für den schnellstmöglichen Dollar.
Das zeigt sich schon beim Titel, der inhaltlich so gut wie keine Rolle spielt, aber schon irgendwie unheimlich klingt, Cunningham deshalb sichernswert erschien und so Generationen von hoffnungsvoll um den Unglückstag Drehbücher herumspinnenden Filmemachern die Tour vermasselte. Cunningham nahm seines selbst erst in Angriff, nachdem er über den Titel und großspurige Anzeigen im Branchenblatt „Variety“ die Filmrechte verkauft hatte. Sein Konzept war einfach: Jugendliche fallen in abgelegener Gegend der Reihe nach einem geheimnisvollen Mörder zum Opfer. Filmisch sollte sich dabei am enorm erfolgreichen Vorbild “Halloween“ orientiert werden, mit zwei Zuspitzungen: Mehr Tote, mehr Blut.
Und so eröffnet der Film gleich mal folgerichtig mit einem Doppelmord.
Der Handlungsschauplatz Camp Crystal Lake erhält sein blutiges Stigma und wird für Jahre geschlossen, bis ein junger Pädagogensomething sich anschickt, das als „Camp Blood“ verschriene Ferienlager mit Hilfe einer Gruppe Teenager/Betreuer wieder herzurichten. Sehr zum Missfallen der es besser wissenden Erwachsenen.
Nun benötigt jeder jugendliche Überschwang an solch schicksalsträchtigem Orte ein entsprechendes, zur Vernunft und Umsicht mahnendes Gegengewicht. Im vorliegenden Falle wird dies neben einem besorgten LKW-Fahrer zu großen Teilen von Ralph, dem lustigen damenfahrradradelnden Verdammnisprediger, dem niemand Bescheid gesagt hat, dass das hier kein Monty-Python-Stück werden sollte, recht ordentlich erledigt. Wenn er mal nicht betrunken den Dorfautoritäten auf die Nerven geht, hängt er mit Vorliebe in Vorratskammern ab, um auf Kommando hervorzuhüpfen und abzudoomen.
Doch so offenkundig verrückt der Gute ist, und so wenig die Jugendlichen ihn ernst nehmen, so sehr weiß der Zuschauer doch, dass da etwas dran ist an der bösen Macht, die das Camp beherrscht. Es ist dieses Wissen (und ein paar geschickt gestreute Hinter-den-Büschen-Shots), dessen sich der Film über weite Strecken bedient, aus dem er Spannung zapft, wenn mal wieder vordergründig außer Strip-Monopoly nichts Interessantes geschieht.
Denn wer wären unsere Kids, wenn sie sich von ollen Zauseln den Spaß vermiesen lassen würden. Nein, nein! Nicht mit Kevin Bacon! Der brilliert hier in jungen Jahren als einer der Camp-Aufpasser und überzeugt schon in der ersten halben Stunde mit einem sehenswerten Bauchklatscher, bevor es für ihn in der zweiten Hälfte ans Eingemachte geht und er, da sind sich Kritiker über den gesamten Erdball einig, die beste Harpune-im-Hals-Performance der Filmgeschichte abliefert. In Szenen wie dieser vertritt der Film dann auch deutlich seinen Anspruch, deftiger zu Werke zu gehen als Carpenter, bringt eine ganz neue Gewaltdimension ins amerikanische Mainstreamkino ein, die bis dato eher studiounabhängigen Produktionen oder europäischen Filmen vorbehalten war. Und legt hiermit auch den Grundstein für den bis heute ungebrochen schlechten Ruf der Reihe, die ihren Produzenten zwar ordentlich Geld, aber keine Kritikerliebe einbrachte (vgl. „Saw“).
Dennoch, seine stumpf-ehrliche Machart als Exploitation-Reißer mit der kompletten Fokussierung auf Spannungseffekte nebst roh und irgendwie urtümlich erscheinenden Bildern hat ihn den Biss des Zahns der Zeit relativ gut überstehen lassen. Und eine Kleinigkeit ist es dabei auch, die ihn und seine Nachfolger bis heute sehenswert macht: Er ist der zelluloidgewordene, manchen Spätgeborenen erschütternd anmutende Beweis, dass es auch schulterpolsterlose Achtziger gab. Achtziger ohne New-Wave-Gepoppe und Conditioner. „Freitag der 13.“ und seine Ableger halten für uns das Paralleljahrzehnt der Karohemden und Limonaden in Glasflaschen lebendig. Eine Zeit, wo man noch ungestraft mit Countrymucke ins Feriencamp einrollte. Wobei diese, ein enervierendes „Deliverance“-Gedächtnisgebanjoe, frühzeitig im Zuschauer den Wunsch nach einem möglichst grausigen Ende der Beteiligten weckt (soviel zu „ungestraft“).
Denn natürlich ist dies, wenn auch noch nicht in dem Maße forciert, wie es später das Genre prägen sollte, ein Hauptmerkmal des Films: Der Zuschauer wird durch die Subjektive der „Killerkamera“ zum Mittäter, fiebert den Morden entgegen. Nur hier noch aus Neugier auf die Motive des anonymen Täters, nicht aus Sympathie für ihn, wie es im Verlauf der Serie immer mehr betont wurde, was einerseits den Kult um Maskenmörder Jason erst entfachte, andererseits aber auch großflächig die Spannung aus dem Konzept tilgte.
In dieser Hinsicht bleibt der Erstling mit seiner geschickt eingesetzten Musik (die sich nicht nur im landläufig bekannten „Ki(ll) Ma(m)“-Thema erschöpft), aber auch seiner bemerkenswerten Erzeugung des Gefühls von Bedrohung ungeschlagen. Er besitzt nicht die filigrane Kunstfertigkeit eines „Halloween“ und auch nicht die subversive Intelligenz eines „Nightmare“, dafür allerdings eine charmante, weil dem Genre durchaus angemessene Primitivität mit effektiver Regieleistung Cunninghams, die einen wirklich ungefiltert-rohen Eindruck hinterlässt und sich konsequent zu dem, was sie ist, bekennt: Unterhaltung.