Review

Die legendäre „Freitag der 13."-Reihe, hier scheiden sich wahrlich die Geister. Billige „Halloween"-Kopie oder wegweisendes Meisterwerk? Schrottiger Schundfilm oder spannender Horror-Klassiker? Alle Extreme außer Acht gelassen liegt die Wahrheit wohl irgendwo dazwischen.
Als Carpenter 1978 das Slasher-Genre, so wie wir es kennen erschuf schossen die Kopien wie die Pilze aus dem Boden, eine davon erhielt besondere Beachtung, „Freitag der 13.", da der Film weitere Regeln für das Subgenre aufstellte, die heute nicht mehr wegzudenken sind, wie beispielweise der obligatorische Plot-Twist am Ende oder die explizite Gewaltdarstellung, auf die Carpenter vollkommen verzichtet hatte, der Film hat das Slasher-Genre erst salonfähig gemacht. War „Halloween" noch eher ein Gruselfilm ist „Friday" ein reinrassiger Splatter, in dem auch Sex nicht zu kurz kommt, Cunningham geht mit seinem Film deutlich rauer vor als das Vorbild. Somit ist der Streifen aus der Filmgeschichte nicht mehr wegzudenken und einer der wichtigsten Horrorfilme der damaligen Zeit und schließlich der Beginn einer der langlebigsten Horror-Reihen aller Zeiten.  

Der Film beginnt ganz ähnlich wie „Halloween", 1958 werden zwei Campbetreuer des „Camp Crystal Lake" ermordet, nachdem ein Jahr zuvor ein Junge im See ertrunken war, da die Betreuer nicht auf ihn aufpassten, die Morde werden wie beim großen Vorbild aus der Perspektive des Mörders gefilmt. Danach folgt ebenso ein Zeitsprung, diesmal in das Jahr 1980, das Camp soll wieder eröffnet werden. Einige Anwohner erzählen den anströmenden Teenie-Horden von dem Fluch, der auf dem Camp liegt, doch diese hören darauf natürlich nicht. Und schon bald häufen sich die Leichen ...
Nachdem der Anfang ziemlich dreist von „Halloween" kopiert wurde geht der Film danach eigene Wege. So spielt der Film in einem abgelegenem Camp mitten im Wald, das Ufer eines Sees ist nahe, dieser Schauplatz bietet natürlich von vornherein eine bedrohliche Atmosphäre, gerade wenn es dann Dunkel wird und anfängt wie aus Eimern zu regnen und ein heftiges Gewitter aufzieht hat der Film eine richtig bedrohliche Atmosphäre zu bieten, einzelne Szenen, z. B. als das Mädchen mit der Taschenlampe durch den Wald hetzt wissen dabei besonders zu gefallen.

Die Story, die sich in den folgenden Teilen noch so oft wiederholen sollte gewann bereits im ersten Teil keinen Blumentopf, irgendwie müssen eben immer Teenie-Horden nach Crystal Lake gekarrt werden um massakriert zu werden, mehr an Handlung hat dieser Film nicht zu bieten. Einzig allein der Plot-Twist am Ende kann noch etwas überraschen, das war es dann aber auch schon. Aber um ehrlich zu sein, reicht das für diese Art Film auch aus. Mit seinen Charakteren weiß der Film leider so gar nichts anzufangen, keiner von ihnen hat so etwas wie eine Persönlichkeit, alle sind furchtbar oberflächlich, haben außer kiffen und Sex sowieso nichts im Kopf und sind überhaupt extrem dumm und größtenteils unglaublich nervig, sodass man meistens froh ist, wenn wieder Einer ins Gras beißen muss, obwohl Sinn und Zweck der Sache eigentlich wäre, dass der Zuschauer mit den Protagonisten mitfiebert. Somit sind auch die Dialog-Szenen entsetzlich langweilig und vor allem viel zu häufig vorhanden, was dem Film einiges an Speed raubt, da hätte man gut und gerne 5 Minuten an unsinniges Geseiere über Beziehungen, Sex und dergleichen noch rausschneiden können, der Film würde dann wesentlich straffer wirken. Ebenso sind die Darsteller unter aller Sau und zwar durch die Bank. Selbst der später so großartige Kevin Bacon, der hier einen seiner ersten Auftritte hatte spielt unglaublich schlecht. Diese Unart zog sich ja durch die komplette Reihe.

Die Morde, zumeist der Hauptbestandteil eines Slashers sind meist ziemlich atmosphärisch und sehr spannend inszeniert (es wird u. A. mit Schatten gespielt), und vor allem recht kreativ, hier wird mit den unterschiedlichsten Werkzeugen gemordet, ob nun Messer, Axt oder ein spitzer Pfeil. Einige nette Schockmomente hat der Film auch zu bieten. Leider spielt der Film nicht besonders mit den Erwartungen des Zuschauers, wer gerade näher beleuchtet wird, wird auch kurz darauf sterben, zudem ist bereits bald klar, wer den Film nun überleben wird. Warum der Killer die Teenies über den Jordan schickt wird einfach aber recht plausibel erklärt, einen Psychopathen braucht man eben, dem man zumindest irgendeinen Alibi-Grund andichten kann, warum er Teenies im Dutzend meuchelt. Der Film hat ja auch die noch immer geltende Slasher-Regel salonfähig gemacht: Wer Sex hat, Drogen konsumiert, oder andere unanständige Dinge tut wird bald darauf tot sein!
Die Effekte sind für damalige Verhältnisse sehr blutig und hart ausgefallen, hier war sogar Effektspezialist Tom Savini am Werk, doch hat er vergleichsweise wenig zu tun, die meisten Morde passieren im Off, sodass meist nur das blutüberströmte Opfer zu sehen ist, einige Schmankerl hat der Film aber dennoch zu bieten, z. B. als Kevin Bacon durch das Bett hindurch ein Pfeil durch den Hals gebohrt wird, nett gemacht, Gorehounds werden aber unter Umständen enttäuscht sein.

Zu der gelungenen Atmosphäre trägt auch der geniale Score bei, das „Che, Che, Che" ist längst Kult und immer wieder enorm spannungsfördernd, doch auch die restliche Musikuntermalung ist klasse, Harry Manfredini hat hier Großes geleistet, ein treibender Score, der die Spannung immer wieder auf die Spitze treibt.
Die Opfer verhalten sich Slasher-typisch extrem dumm, während der Killer alles im Griff hat, und scheinbar überall zeitgleich sein kann. Höhepunkt ist in dieser Hinsicht das Finale, das zwar recht spannend gemacht ist, aber mindestens ebenso dumm daherkommt. Der Endgegner geht hier nach der geschickten Strategie vor: Gegner niederschlagen, wegrennen, Gegner wieder niederschlagen, wegrennen, usw., das wirkt nach einer Weile schon unglaublich doof und leicht peinlich. Zudem ist es schon ein wenig wunderlich, das keiner gegen den Killer eine Chance hatte, diese Bohnenstange den Bäddie aber scheinbar nach Belieben niederschlagen kann.
Das Ende wird dann, wie bei den meisten „Friday"-Filmen weitestgehend offen gelassen, einige aufgeworfene Fragen werden nicht beantwortet, aber, jeder, der von dieser Kult-Reihe schon einmal gehört hat kann sich die Fragen selbst beantworten.  

Obwohl der Film wirklich nicht besonders toll ist hat er auch heute nichts von seiner Faszination und seines Charmesverloren, damals hat der Film wohl hauptsächlich wegen der angezogenen Gewaltschraube an den Kinokassen eingeschlagen und einfach den Zahn der Zeit getroffen. Nüchtern betrachtet einfach nur ein netter Slasher mit ordentlichen Morden, toller Atmosphäre, ordentlich spannend, jedoch auch mit allerhand dummen Charakteren, Dialogen, Längen und grottigen Schauspielern. Doch in Wirklichkeit ist dieser Film mehr als nur ein „netter" Slasher, er hat dem Genre seinen Stempel aufgedrückt und ist aus der Filmgeschichte nicht mehr wegzudenken. Schlicht und ergreifend: Kult!


Objektiv wohl etwas weniger, aber all das mit einbezogen verteile ich 7/10 Punkten.


<!--[if gte mso 9]>













Normal






0






21




















<![endif]-->

Details
Ähnliche Filme