In einem dunklen, dunklen Wald...
Ich habe mich geqäult, diesen Film endlich mal anzusehen. Zwar hört man von überall die höchsten Slasher-Lobhymnen, doch genauso laut (wenn nicht sogar lauter) erklingen die Klagerufe, die diesen Film als Klassiker ein paar Stufen zu hoch gepriesen finden. Aber bevor man sich auf fremde Meinungen verlässt... tut man sich den legendären Freitag doch mal selbst an. Naja, was soll ich sagen? Ich hätte mir das alles schlimmer vorgestellt, aber die Erfüllung ist "Freitag der 13." für mich noch lange nicht.
Die Story ist eigentlich so alt wie der Film an sich. Ein paar unbekümmerte Teenager, die nur den traditionellen Beischlaf im Kopf zu haben scheinen, stürmen zum Camp Crystal; Spaß, Erholung, eine Menge Arbeit warten auf sie. Tja, hier stellen sich alle mit Namen vor, die man aber nach zehn Minuten schon wieder vergisst. Fällt es nur mir schwer, irgendeine Beziehung zu Menschen aufzubauen, wenn ich weiß, dass sie die zweite Filmhälfte wahrscheinlich eh nicht mehr miterleben? Wie auch immer. Der Killer erscheint von Anfang an in einer mit der Zeit nervenden Ego-Perspektive, die man mal dreist bei "Halloween" geklaut hat.
Der erste Mord findet so nach zehn, zwanzig Minuten statt. Dabei rennt das Opfer (ein Mädchen, welches auch zum Camp will und wirklich nur grinsen kann) kreuzdoof durch den Wald und wird schließlich mit dem Messer seiner Atmung entledigt. Auf so eine unglaublich "spannende" Szene folgt die typische Aneinandereihung von drögen Teenie-Szenen. Die Geilheit der Typen bemerkt man permanent und die Mädels scheinen sich (doof wie sie sind) einen Spaß drauß zu machen. Ganz wichtige Dialoge kommen hier zum Einsatz: "Wenn du ein Eis wärst, wie würdest du dann schmecken?" Oh ja, es macht Spaß, hölzernen Jugendlichen beim Gespräch zu belauschen. Das macht die Grütze nicht nur höllisch langweilig, sondern auch dämlich.
Alles spielt sich in einem müden Rythmus ab. Jemand wird immer mal wieder auf eigenwillige Art von der Gruppe getrennt und findet seinen Tod schließlich nach mitunter laaaangen Misstrauen, zum Beispiel hört man ein Geräusch, ein Kind ruft im Wald nach Hilfe, die Zahnpasta ist leer, der dunkle Ort macht einem Kopfzerbrechen und so weiter und so fort. Stirbt man doch wirklich mal jemand auf blutige Art und Weise, schwenkt die Kamera zurück auf die noch lebenden Opfer, wie sie sich sinnfreien Zeitvertreiben unterziehen. Mein Highlight ist dann doch noch "Strip-Monopoly", wo man mit Klamotten bezahlt statt mit Bargeld. Leider wird das Spiel aber unterbrochen, bevor alle nackig sind und die zu erwartene Orgie beginnen kann.
Gegen Ende wird die langatmige Pause zwischen den vereinzelt verstreuten Spannungsmomenten dann wirklich schon lachhaft. Die letzte Überlebende (natürlich eines der Mädchen. In Slashern ist irgendwie IMMER nur ein kreischendes Mädchen am Ende die einzige, die überleben durfte) macht sich seelenruhig einen Kaffee, und als Zuschauer darf man ihr dabei gefühlte zehn Minuten zusehen, bevor die nächste Spannungsspritze (hier auch gerne mit Morphium gefüllt) entladen werden darf. Bevor man am Ende auch rätselt, wer denn nun der Mörder ist, kommt aus dem Wald eine völlig neue Person daher, eine frühere Angestellte des Camps, die natürlich sympathisch und vertrauenserweckend daher kommt. Mer sag ich dazu mal nicht.
90 Minuten geht die Schlaftablette, und es sind mindestens 85 Minuten zu viel. Die Handlung ist gähnend langweilig, die Morde sind zwar dank Tom Savini ansehnlich, hauen aber niemanden mehr wirklich um. Die "Darsteller", um sie mal vorsichtig zu beschreiben, sind erwartungsgemäß Laien, die wohl für eine Stulle mit Wurst mitgespielt haben. Kevin Bacons früher Einsatz lässt leider auch nicht wirklich was von seinem späteren Können aufblitzen. Einzig der Showdown ist einigermaßen stimmig, und Betsy Palmer als psychopatische Mutti der einzige Lichtblick am Ende des Tunnels. Trotzdem gibt es deutlich schlechtere Filme aus diesem Bereich, und Freitag der 13. ist nunmal Mitbegründer eines Genres. Ob man ihn gesehen haben muss, weiß ich nicht. Als Horrorfan sicherlich ein Anlaufpunkt, aber sonst...
Fazit
Langweiliges Gemetzel durch das Camp Crystal, mit monotonen Darstellern, überraschungslosen Schockern und viel zu viel Leerlauf. Trotzdem irgendwie kultig, aber niemand scheint genau zu wissen, warum.
4/10