Review

Vor Jahren hatte ich aus dem Versprecher eines mir bekannten Punks, der den Titel einer berühmten Zombiekomödie mit dem eines berüchtigten Egoshooters zu "Return of the living Castle" zusammenwürfelte, mit einem Haufen anderer Freaks das Konzept für einen Horrorfilm zusammengesponnen, in dem ein lebendes Schloss seine Opfer mit Mauerwerk und Inventar tötet. Highlight: ein Pre Credit - Kill per Zugbrücke.

Wäre Fred Ölen Ray dort gewesen hätten wir den Film sicher umsetzen können, aber das letzte zusammengekratzte Geld reichte leider nur für 'ne Kiste Oettinger. Immerhin ist es schön zu wissen, dass Spinner wie wir anderenorts mehr Glück hatten und aus dem Glück kurioser Direkt zu Video - Horror wie "Mit Motorsägen spaßt man nicht" entstehen könnte und das nur, weil eine Independentproduktion jede Menge Abenteuer-, Horror und Krimi Requisiten, Fred Ölen Ray und Mitschreiber T. L. Lankfort sowie etwas überflüssiges Budget auf Halde hatte. Der Film mag kein Hit sein, ist aber ermutigend.

Kürzeste Inhaltsangabe meiner Zeit hier: Detektiv sucht entlaufene Blondine und stößt auf Nuttenkult mit religiösem Kettensägenfetisch auf Opfersuche. Nein danke, dann doch lieber die heiligen Vaginen a la Walter Moers.

"Hollywood Chainsaw Hookers" entstand mutmaßlich aus einem einzigen Grund: weil Ray es konnte. Ganz uncharmant ist das Produkt ja nicht: die billigen Kulissen und das fröhlich pessimistische Geschwätz von Protagonist Jack Chandler passen durchaus wie die Detektivfaust auf das Ganovenauge. Komischerweise variiert der Humorgehalt hier je nach Synchronfassungen und in US- bzw. deutscher Vertonung flapst man gerne schon mal über verschiedene Themen. Wahre Highlights sind hier selten, aber einige kleine Perlen wie der mächtigste Hilti und das Predigen des Black & Decker-Chorals kann man finden.

Entgegen des Titels ist der Horroranteil des Filmes verschwindend gering und beschränkt sich aufs Krauchen durch geheime Tempel und fliegende Schaufensterpuppenglieder, die mit begleitender Kunstblutdusche als Ersatzcumshot auf die jeweils metzelnde Horrorhure geworfen werden. Naja, running Gags wie die diversen grenzdebilen Telefonate und die Fetischisierung von Jacks Schlapphut gleichen es halbwegs wieder aus. Und Gunnar "Leatherface" Hansen als Sektenguru und Bernhard Hoecker als Barkeeper sind auch eine feine Sache. Ach 'nee, letzterer ist Dukey Flyswatter, der Mengele aus "Surf Nazis must die", aber mal ernsthaft, mimisch ist der schon sehr nah dran am Comedyzwerg!

Ohne zu böse klingen zu wollen ist "Mit Motorsägen Spaß man nicht" die homöopathisch dosierte Variante eines Tromafilmes für die, denen Lloyd Kaufmann und co. auf Dauer etwas zu hektisch sind. In der richtigen Stimmung durchaus schaubar, aber doch zu weit davon entfernt, ein Klassiker zu sein, welch schwerer, schicksalshafter Zwiespalt. Offen gestanden denke ich aber, dass die Filmwelt in der Hinsicht mit dem Film, den ich damals mit meinen Kumpels zurechtgesponnen habe wesentlich schlechter bedient wäre. So selbstkritisch muss ich dann doch wohl sein. 

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