Review

"Don't Go in the House makes sure you feel the fear and horror. Donny is stuck inside his sickness, and the film portrays him as a lost soul, a feeble creature driven by forces he can never overcome. His 'wickedness' is truly horrific, but he's pathetic, victimized."
Nightmare USA: The Untold Story of the Exploitation Independents (2007, Stephen Thrower, Seite 210)

"One of the nastiest films in the women-in-jeopardy cycle, [...] makes matters even worse by its cynical pretence at an anti-child-abuse message."
Horror - The Aurum Film Encyclopaedia, (1993, Phil Hardy, Seite 348)

Donny Kohler (Dan Grimaldi) arbeitet in einer Verbrennungsanlage. Man könnte meinen, daß dies nicht sein Beruf sondern sogar seine Berufung ist, übt das Feuer doch eine extrem starke Faszination auf den nett und harmlos erscheinenden jungen Mann aus. Diese ungesunde Anziehungskraft wird gleich in der ersten Schlüsselszene verdeutlicht, als sein Arbeitskollege Opfer eines Unfalls wird und Feuer fängt. Donny steht wie hypnotisiert da und beobachtet den brennenden, um sein Leben kämpfenden Mann. Er rührt keinen Finger, sieht nur gebannt zu, bis andere Kollegen den Verletzten endlich löschen. Kein Wunder also, daß der Vorarbeiter ihn nachher übel beschimpft. Der Grund für sein sonderbares Verhalten liegt in der Kindheit begraben. Donny kam schon früh mit Feuer in Berührung, und das nicht freiwillig. Seine garstige, strenge, religiöse Mutter (Ruth Dardick) bestrafte ihn nämlich gerne, indem sie seine Arme über eine offene Flamme hielt, bis sein Fleisch zu verbrutzeln begann. Auf diese Weise wollte sie ihm seine Sünden quasi ausbrennen. Gelungen ist ihr das freilich nur bedingt. Donny, der nach wie vor mit ihr in einem riesigen alten Haus wohnt, benimmt sich zwar anständig, aber innen drinnen ist er zutiefst gestört, hört seltsame, flüsternde Stimmen und hat seinen Haß auf Frauen kaum unter Kontrolle. Der Wahnsinn schlummert in ihm, nur mühsam unterdrückt, und als seine Mutter stirbt, gewinnt er schließlich die Oberhand. Nun kann Donny endlich tun und lassen, wie es ihm gefällt, und niemand wird ihn daran hindern. Zum Beispiel kann er laut Musik spielen und ausgelassen auf der Couch herumhüpfen. Er kann rauchen und mit Feuer spielen ("You're the master of the flame now", flüstern die Stimmen verlockend in seinem Kopf). Er kann im ersten Stock einen speziellen Raum herrichten, mit Metallplatten verkleidet und gänzlich feuersicher. Er kann junge, ahnungslose Frauen in sein Haus locken und sie niederschlagen. Dann kann er sie in seinem speziellen Raum mit Ketten fesseln, aufrecht stehend und splitternackt. Er kann sie mit Benzin übergießen, in sein Zimmer gehen, in seinen Asbestanzug schlüpfen und seinen Flammenwerfer packen. Anschließend kann er die hilflosen Frauen mit seinem Flammenwerfer abfackeln und dabei zusehen, wie sie lebendigen Leibes qualvoll verbrennen.

Wie anhand der zwei oben angeführten Zitate unschwer zu erkennen ist, polarisiert Joseph Ellisons Don't Go in the House ziemlich heftig. Wobei das Pendel allerdings stark Richtung der Seite ausschlägt, die den Film haßt. Wieso, ist relativ einfach erklärt. Erstens liegt der Fokus des Streifens (fast) zur Gänze auf dem gestörten Killer (und die Macher nehmen ihren Antagonisten sehr, sehr ernst), und zweitens setzt Ellison die Geschichte so unangenehm realistisch und so beklemmend intensiv um, daß dabei der Spaßfaktor völlig verschwindet. All denjenigen, die blutrünstige Gemetzel à la Friday the 13th fröhlich abfeiern, ist bei Ansicht von Don't Go in the House wohl das Popcorn aus dem ungläubig geöffneten Mund gefallen. Spätestens beim zentralen Set-Piece, der Ermordung von Kathy Jordan (Johanna Brushay), herrschte im Kinosaal bestimmt Totenstille und ist dem Publikum die Lust auf weitere kreative Kills vermutlich gründlich vergangen. Immerhin scheint sich Ellison der niederschmetternden Kraft dieser Sequenz, welche dem Streifen wie ein glühendes Brandeisen seinen Stempel aufdrückt, bewußt gewesen zu sein, denn im weiteren Verlauf verzichtet er, Donnys Untaten zu zeigen. Von den drei Frauen, die in seinem präparierten Raum verbrennen, ist Kathy die einzige, über die der Zuschauer ein wenig erfährt. Nicht viel, aber doch genug, um Sympathien für die hübsche, hilfsbereite Floristin zu empfinden. Als Kathy im stahlverkleideten Feuerraum zu sich kommt, wechselt der Fokus vom sadistischen Mörder zu seinem Opfer. Johanna Brushay - damals Nacktmodel, Playboy Bunny und Kunststudentin - schafft es, die Hilflosigkeit, das Entsetzen und den blanken Terror für den Zuschauer spürbar zu machen. Man nimmt detailliert an ihrem Martyrium teil, bis zum bitteren Ende. Mitverantwortlich für die ungeheure Effektivität dieser ultrabrutalen Szene ist auch der saustarke In-Camera-Effekt, welcher das Verbrennen der Frau erstaunlich echt wirken läßt. Dieses feurige, beim bloßen Zusehen schon schmerzende Set-Piece zählt wohl mit zu den heftigsten Szenen, die je auf Zelluloid gebannt wurden.

Don't Go in the House wurde im Winter 1978 (bis Februar 1979) großteils on Location in New Jersey gedreht, wo sich auch das furchteinflößende "Haus der lebenden Leichen", in dem die Kohlers residieren, befindet. Durch das Winterambiente ergibt sich auch ein schöner Kontrast zwischen der frostigen Kälte draußen und der (von Donny verursachten) glühenden Hitze im Inneren des Hauses. Kathy Jordans gräßliche Todesszene ist wie bereits erwähnt ein sogenannter In-Camera-Effekt (zwei Szenen überlagern sich bereits beim Filmen; in diesem Fall ein brennender Dummy und die sich windende Schauspielerin), während die verkohlten Leichen von Tom Brumberger geschaffen wurden. Dabei handelt es sich übrigens nicht um Puppen, sondern um Balletttänzerinnen! Dan Grimaldi (The Sopranos) liefert als Donny eine so intensive wie glaubhafte Performance ab, wobei man oft nicht weiß, ob man diesen Psychopathen verabscheuen oder Mitleid mit ihm haben soll. Das sorgt bisweilen für kalte Schauer des Unbehagens. Wenn er dann aber seinen Asbestanzug überstreift und mit dem Flammenwerfer anrückt, hat er eine dermaßen bedrohliche und unheimliche Ausstrahlung, daß er es durchaus mit dem mörderischen Minenarbeiter aus My Bloody Valentine aufnehmen kann. Don't Go in the House ist zwar nicht gänzlich ohne Humor, aber aufgrund der grausam-düsteren Grundstimmung und Richard Einhorns schaurigem Score nimmt man diesen kaum wahr. Am Ende schließt sich ein Kreis, doch ein neuer scheint bereits wieder zu beginnen. Gewalt zieht wieder Gewalt nach sich. Das Opfer wird zum Täter. Das mag plakativ sein, aber es funktioniert. Ähnlich wie Jeff Gillens und Alan Ormsbys Deranged (1974), Abel Ferraras The Driller Killer (1979) und William Lustigs Maniac (1980) kann man auch Don't Go in the House kaum mehr als Slasherfilm bezeichnen. Er ist vielmehr das Portrait bzw. Psychogramm eines kranken, sadistischen Psychopathen, einer armseligen, gequälten Existenz, die zu bemitleiden wäre, wenn sie nicht so schreckliche Dinge tun würde. Ironischerweise ist dieser Schocker fast gänzlich unblutig. Ein Grund mehr für die Gorehounds, diesen Film zu hassen. Freunde beinharter und unter die Haut gehender Genreware können einen Besuch im "Haus der lebenden Leichen" jedoch durchaus wagen. Sie werden mit einem immens unangenehmen aber - in Anbetracht des niedrigen Budgets - recht gut gemachten und ungemein effektiven Stück Exploitation belohnt.

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