Review

Es gibt immer mal wieder den einen oder anderen Film, wo man mit der gängigen Welle nicht so ganz mitschwimmen mag, selten in meinem Fall, aber gerade deswegen dann immer einen Moment der besonderen Beachtung wert.
„Don’t go in the House“, ein eher weniger bekannter Psychohorror von 1979, gilt gemeinhin als eine billige, geschmacklose, graphisch recht gewalttätige und sehr schmierige Variante von Motiven, die auch schon „Psycho“ verwendete. Einigen Punkten kann ich zustimmen, anderen weniger, bei manchen werde ich im Folgenden noch widersprechen.

Bestreiten möchte ich zuvorderst, dass „House“ vergessenswert wäre oder nicht sonderlich zu beachten. In einer Zeit, in der die Sickos der 70er und 80er immer noch regelmäßig abgefeiert werden, bekommt Joseph Ellisons Film immer recht wenig Aufmerksamkeit.
Das könnte daran liegen, dass er eigentlich kein sonderlich intensiver Sicko ist, sondern ein, zwei Szenen hat, die unseren Sehgewohnheiten zufolge schon mal ein tiefes Einatmen provozieren können. So geriet der Film auch in die „Video Nasties“, wobei diese Ehre sowieso häufig eine fragwürdige war. Tatsächlich hat der Film gerade mal EINE herbe, zweiminütige Szene, als der Protagonist eine (nackte) Frau in einem asbestausgekleideten Raum mit einem Flammenwerfer verbrennt.

Der Rest des Film besteht aus einem enorm zutreffenden Portrait eines emotional verkümmerten und als Kind missbrauchten Mannes, dessen perverser Mutterbezug ihn weitere Morde begehen lässt – und ja, das ist psychologisch sicher nicht so ganz ausgefeilt.

Dan Grimaldi spielt diesen wortkarg introvertierten Donny Kohler, dessen Mama ihn als Kind mit den Oberarmen regelmäßig über offene Gasflammen hielt (für mindere Vergehen) als totalen „recluse“, der in der Anfangssequenz nur auffällt, weil er, als ein Arbeitskollege neben ihm durch einen Unfall in Flammen aufgeht, eben nicht reagiert und nur abwesend zusieht. Die darauf folgenden Auseinandersetzungen geben schon einen Tipp, dass Donny einen schweren Webfehler hat (auch in der Wahrnehmung der Realität).

Weil aber ein Scheißtag ist, kommt er daraufhin zum besten Psycho-Zitat nach Hause, um die verdächtig stumme Mama mit Tee zu versorgen. Nachdem wir uns durch die Befürchtung geschmunzelt haben, da könnte eine vertrocknete Mumie im Sessel sitzen, kommt die Überraschung: Mama hat noch Fleisch auf den Rippen. Doch – oh böser Schreck – just heute zum Feierabend ist Mom zu ihren Ahnen abgeritten.

In der Folge kommt Donny dann eher grob sortiert rüber, hüpft ein wenig auf den Möbeln und macht sonst verbotenes Zeugs (Disco- und Rockmusik!), bis ihn – das ist dann wirklich neu – zwei Varianten von Stimmen in seinem Kopf nachhaltig nachhaltig über die Reeling gehen lassen.
Donny hört nämlich nicht nur die monströse Mama vom Herd in seinem Kopf, sondern auch noch ein paar „hilfreiche“ Frauenstimmen, die ihn einerseite beruhigen („Sie ist ja jetzt tot…“) und andererseits wieder anstacheln, nämlich es allen Frauen heimzuzahlen.

Also tackert Donny einen Raum des Hauses mit Asbest aus, um da seinen Flammenfantasien nachgehen zu können, was zu Ungunsten einer Reihe von Frauen führt, die schwarz verbrannt im Hause aufgestellt werden.

Da der Film aber erst zu 40 Prozent rum ist, geht der Film nun zum Psychogramm über, Donny leidet unter Verfolgungsphantasien, sucht Erlösung, ja bemüht sich sogar mit einem Kumpel widerstrebend um ein Sozialleben in einer Disco.
Was dann natürlich prompt zum Backflash und Zusammenbruch führt.

Mit nur 83 Minuten ist diese fiese kleine Psychostudie verdammt nah an den Psychogrammen bekannter Serienmörder in den USA und aus meiner Sicht daher recht zutreffend. Da der Film außer der Brandszene und einigen, sehr gelungenen Aufnahmen der verbrannten Opfer eigentlich nicht ins Geschmacksuntiefen abgleitet, kann ich das mit dem „Sicko“ nur sehr begrenzt akzeptieren. Die Mordsequenz ist wirklich schwieriger zu ertragen (wenn auch kein graphischer Höhepunkt in der Slasher-Phase), aber das Skript beutet den Zustand nicht aus – alle Gewaltszenen liegen im Wesentlichen in der ersten Filmhälfte. Von durchgehender Geschmacklosigkeit keine Spur, das Skript geht sogar recht gut in die Tiefe unseres Psychos. Und schmierig ist der Film auch in keiner Phase.

Ein weiterer zu korrigierender Fehler ist ferner, dass Ellison für diesen Film das Ende von „Maniac“ geklaut hätte. Sogar Frank Trebbin fällt auf diesen alten Käse herein. Ein kurzer Blick in die IMDB genügt, um zu sehen, dass „House“ ein Dreivierteljahr vor „Maniac“ gedreht wurde und somit wohl kaum William Lustigs Klassiker inspiriert haben kann, umgekehrt wäre das aber möglich gewesen.

Dass die Opfer und die damit verbundene Gewissenschuld sich am Ende gegen den Täter wenden, ist darüber hinaus ein klassisches und bekanntes Motiv, welches wohl kaum einen Innovationspreis gewonnen hätte.

„Don’t go in the House“ ist kein cineastischer Glanzpunkt, aber er muss sich hinter ähnlich gelagerten Filmen wie „Deranged“ oder „Driller Killer“ auch nicht verstecken. Wer seine Psychokiller gut durch mag, kriegt hier so einige beklemmende Momente geboten, die noch heute trotz kleinem Budget gut nachwirken.

In Deutschland trägt die traurige Mär den Titel „Das Haus der lebenden Leichen“ und obwohl hier einige „bodies“ sich zu Wort melden, gibt es keine Untoten zu verzeichnen. Aber wer braucht die schon? (7,5/10)

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