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Comicverfilmungen sind normalerweise Ami-Business, doch bei „Turtles“ handelt es sich um eine Golden Harvest Produktion – aber immerhin in den USA mit amerikanischen Darstellern gedreht.
Die Ausgangssituation ist denkbar simpel: Eine kriminelle Vereinigung, die sich der Foot Clan nennt, klaut über all in New York Sachen und rekrutiert Jugendliche als Mitglieder. Die Polizei ist ratlos, nur einige Bürger wie Casey Jones (Elias Koteas) stellen sich auf eigene Faust den Verbrechern gegenüber. Was das Ziel der ganzen Aktionen sein soll, wird den ganzen Film über nicht wirklich klar – die Bösen klauen halt und sind böse, das muss reichen.
Die Reporterin April O’Neil (Judith Hoag) berichtet negativ über den Foot Clan und soll von dessen Anhängern aufgemischt werden – doch vier mutierte, in Ninjakampf geschulte Schildkröten eilen ihr zu Hilfe. Die Turtles nehmen nämlich den Kampf gegen den Foot Clan auf…

Das reicht dann auch als Prämisse für knapp 90 Minuten gut vs. böse der simplen Art. Dabei kann „Turtles“ auf einen gewissen Billigcharme bauen, denn dass kein Studio hinter der Chose steht, sieht man dem Film doch immer mal wieder an, vor allem was Kostüme und Drehorte angeht. Doch weder die Ninjaschildkröten noch ihr Meister, die ebenfalls mutierte Ratte Splinter, sollen als FX der Extraklasse durchgehen, sondern den Comicfiguren Leben verleihen – und das tun die Akteure in den Kostümen wirklich ganz gut.
Dabei sollte man das Hirn allerdings besser ausschalten, denn das wird von der Geschichte kaum gefordert. Man zofft sich mit den Übelwichten, muss einmal fliehen und zum Schluss wird natürlich auch eine Figur als Geisel genommen, damit die Heroen was zum Retten haben. Also alles wenig überraschend, aber immerhin kurzweilig erzählt, wenngleich die Geschichte von „Turtles“ wirklich nur eine bessere Folie für die Kloppereien dient – Anklänge von Subplots werden fast direkt im Keim erstickt.
Besagte Prügeleien machen dann auch eine der Hauptattraktionen von „Turtles“ aus, denn die asiatischen Stuntleute wissen, wie man einander auch in dicken Kostümen auch noch halbwegs spektakulär auf die Moppe haut. Ganz so spektakulär oder hart wie bei Martial Arts Filmen für Erwachsene geht es leider nicht zur Sache, doch die Kampfszenen sind wirklich schick durch choreographiert und zeigen ein paar nette Moves; nur das Finale ist etwas unspektakulär.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist sicher der Humor, der „Turtles“ noch ein wenig kind- bzw. jugendgerechter macht als er ohnehin schon ist. Wer mit den vier Ninjaschildkröten aufgewachsen ist, die damals in TV, Spielzeugladen und Comicheft omnipräsent waren, der wird sich weniger an den Sprüchen stören als der Neueinsteiger. Zwar hat das Gesabbel des Quartetts einen gewissen Charme, wirkt öfters aber auch etwas forciert oder infantil – es gibt aber schlimmeres in dem Bereich.
Darstellerisch gibt es wenig Aufregendes zu berichten, aber das versteht sich fast von selbst. Die vier Hauptdarsteller sind durchweg im Turtle-Kostüm, Elias Koteas und Judith Hoag bessere Stichwortgeber und spielen auch genauso. Lediglich der charismatische Toshiro Obata darf als rechte Hand des Fieslings Shredder gelegentlich für Glanz sorgen.

„Turtles“ ist ein naives, simples Filmchen, aber dafür mit Charme. Der Humor ist für den Zuschauer jenseits der 14 gelegentlich etwas gewöhnungsbedürftig, doch die Action macht etwas her und der Simpelplot ist recht flott erzählt. Mit Nostalgiebonus als gelungen zu betrachten, aber kein Klassiker unter den Comicverfilmungen.

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