Mit Nikita startete Luc Besson 1990 seinen Ausflug ins knallharte Killergenre, und bewies mit eben diesem Film sein gewaltiges Talent dafür, welches er 1995 mit „Leon Der Profi“ erneut tat.
Der weniger bekannte Erstling Nikita, der ein paar Jahre später ein grottenschlechtes Remake mit Bridget Fonda ertragen musste, übertrifft meiner Meinung nach den fast als Prequel zu sehenden Leon noch um eine Kleinigkeit, da er eine wahrlich innovative Handlung mit Dramatik pur aufweisen kann.
Nikita (die im ganzen Film eigentlich mehr oder weniger namenlos bleibt und von Anne Parillaud glänzend gespielt wird) erschießt bei einem Überfall auf eine Apotheke im Drogenrausch einen Flic (Polizisten). Da ihr Verhalten die Justiz wenig milde stimmt, wird sie zur Todesstrafe verurteilt – doch die Giftspritze erweist sich als Fake – ihre Identität wurde ausgelöscht, damit sie für die Regierung als Killerin eingestellt werden kann, wider Willen – bei Verneinung droht ihr der endgültige Tod. So wird sie unter der Anleitung des Undurchsichtigen Bob (stylish: Tcheky Karyo) im Töten ausgebildet. Nach der langjährigen Ausbildung lebt sie in Freiheit, doch nicht ohne gelegentliche Killerjobs im Namen des Staats. Doch sie kann ihre Identität vor dem Privatleben nicht ewig verbergen...
Dieser Abgesang auf die Coolness der 80er Jahre strotzt nur so vor Stil: glänzende Musik, die immer stimmt, Darsteller aus vorderster Riege, exzellente Kameraarbeit und phantastisch-kühle Atmosphäre. Es ist ein wahrer Genuss, sich diesem stimmungsvollen, mal ruhigen, mal krachenden Streifen voller Gefühle anzusehen. Von der hammerharten Spannungskurve abgesehen, bietet einem der Film ein intensives Porträt einer gebrochenen Frau, die vom Regen in die Traufe gekommen ist. Und das wenige, kleine Glück, was sie sich selbst erarbeitet will ihr jeder gönnen, nur die Handlung des Films lässt eben das bis zum sanften, etwas schleierhaften aber ungemein einfühlsam inszenierten Ende doch nicht zu. So entsteht nicht nur ein knallharter Actionthriller voller schroffer, gefallener Typen (mitunter der bis dato noch völlig unbekannte Jean „Leon“ Renó als Reinigungsmann oder die gealterte Jeanne Moreau als Lehrerin für das „weibliche“ in der Frau) sondern auch ein stilles Drama voller moderner Poesie.
Ein absoluter Geheimtipp für Fans europäischer Kinokost vom Feinsten. Pflicht!