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Als ein inzwischen definitiver Luc-Besson-Klassiker brachte "Nikita" 1990 frischen Wind in den Profi-Killer-Thriller, indem er nicht nur eine Frau zur zentralen Figur machte, sondern dem "eiskalten" Engel zusätzlich Gefühle, eine Geschichte und die nötige Härte gab.

Anne Parillaud ist keine ikonenhafte Heldenfigur mit Glätte und Idolstatus, sondern macht mit dem Zuschauer den beschwerlichen Weg vom Drogenwrack über die Todeskandidatin zu renitenten Killer-Elevin durch, bis später der Zwiespalt zwischen Auftrag und Berufung und einem immer echter werdenden Privatleben das tötende Element einer namenlosen Behörde/Organisation langsam zerstört.
"Nikita" spricht jede Menge Gefühle an und dazu gehört ebenso Abschreckung wie Sympathie. Dabei kann Besson das Interesse für Charakter und Geschichte problemlos aufrecht erhalten, vor allem in der Ausbildung, gegen die sich Nikita mehrfach wehrt.

Ist sie erst einmal wieder in Freiheit kommt der Drive automatisch mit den verschiedenen Tötungsaufträgen, die erst harmlos beginnen, dann spektakulärer werden, indem sie während eines Urlaubs mit ihrem Freund töten muß und schließlich in einem katastrophalen Auftrag enden, der zahlreiche Menschenleben kostet.

Besson ist dabei kein Moralapostel, für die Geschichte ist ihm Ethik egal. Weder wird hier über Schuld oder Unschuld diskutiert, noch wird jemals erwähnt, ob es nötig ist, die Leute umzubringen. Getötet wird hier kalt und gefühllos, bewundernswert professionell und immer unter Druck. Und der Film beschönt nichts. Besson macht die Leute kalt, brutal und häßlich.
Unerfreulicher Höhepunkt dabei ist wohl der intensive Kurzauftritt Jean Renos als halb durchgedrehter "Cleaner", der bei dem letzten, fehlgeschlagenen Auftrag geschickt wird, um wirklich alle Spuren zu beseitigen. Wenn da dann scheinbar Tote in der Badewanne mit Säure übergossen werden, führt das zu grauenhaften Resultaten, die man sich aber selbst ausmalen muß.

Leider findet der Film keinen gelungenen Abschluß, weder romantisch noch kühl, sondern endet relativ offen mit dem Verschwinden Nikitas zu beiden Seiten hin, sowohl zu ihrem Freund, als auch zu der Vaterfigur/Haßlieberhaber Bob, der ihr Mentor war. Bis dahin unterhält der Film aber durch wunderbare Kompromißlosigkeit, speziell bei Nikitas erstem Tötungsauftrag, der zu einem Massaker in einem Restaurant führt.
Wer als "Leon-Der Profi" als Hit ansieht, muß diesem Film als essentiellen Vorläufer und geistigen Vater betrachten. (7/10)

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