2 Jahre nach seinem Unterwasserepos "Le grand bleu" schickt Luc Besson seine Protagonisten (und den Zuschauer) wieder in die Großstadt, behält aber den unterkühlten Look bei.
Die Story: Rumtreiberin Nikita (Anne Parillaud) wird wegen Mordes an einem Polizisten zu lebenslanger Haft verurteilt, soll dann aber scheinbar mit einer Spritze hingerichtet werden. Doch sie wacht an einem ihr unbekannten Ort auf, und ein Mann namens Bob (Tchéky Karyo) stellt sie vor eine Wahl: Entweder sie arbeitet fortan für die Regierung, oder sie stirbt wirklich. Nikita willigt ein und wird zur Killerin ausgebildet. Entlassen aus dem Programm, aber jederzeit abrufbereit für Aufträge, versucht sie mit Freund Marco (Jean-Hugues Anglade) eine "normales" Leben zu leben.
Besson ordndet seinen kühlen Thriller ganz und gar der Hauptfigur unter. "Nikita" verfügt über keinerlei unnötigen Nebenhandlungen und vertiefende Rückblenden. Die Frau, die plötzlich Killerin ist und nebenbei ein glückliches Leben will, ist Dreh- und Angelpunkt der Handlung. Dass man dabei mitfiebern darf, ist vor allem Anne Parillaud zu verdanken, die ungemein fesselnd spielt und die schräge und später eiskalte Agentin mit Verve, aber auch Charme darstellt.
Denn durch Bessons Entscheidung, sich sehr auf die Hauptfigur zu konzentrieren, fährt er auch den Action-Anteil einigermaßen zurück. Zwar gibt es zwei packende und originelle Schießereien, ansonsten bestimmt aber das Seelen- und Privatleben der Nikita das Bild. Folglich schleichen sich in die Handlung auch einige Längen ein, die Besson durch tolle Ideen (die Szene mit dem Scharfschützengewehr ist große Klasse) in die Schranken weist. Dass der Film an manchen Stellen offen bleibt, auch zum Ende hin, ist eine gute Entscheidung, wobei ich gerne noch ein wenig mehr über die Verstrickungen des Regierung in ein derartigen Ausbildungsprogramm erfahren hätte.
Neben Parillaud können auch die restlichen Darsteller überzeugen, auch wenn ihre Rollen deutlich kürzer kommen. Karyo spielt den mysteriösen Bob sehr überzeugend, auch Anglade kann als "Normalsterblicher" weiteren Schwung in die Handlung bringen. Besonderes Schmankerl ist Jean Reno in einer Nebenrolle als Cleaner, der hier gleich mal für seine spätere Rolle in "Léon-Der Profi" üben darf.
Neben den tollen Darstellern und der gelungenen Geschichte ist der Look des Films eine besondere Bemerkung wert. Wie schon bei seinen beiden Vorgängerstreifen setzt Besson auf dunkle, bläulich durchgestylte Bilder, die perfekt die Grundhaltung der Figur unterstreichen, die im Laufe des Films immer mehr aufblüht und mit ihr auch die Farben im Film.
Daneben lässt er Hauskomponist Eric Serra wieder diese markanten Synthesizer-Klänge in den Film einbringen, die einmal mehr ungemein mit den Bildern harmonieren.
Fazit: Luc Bessons "Nikita" ist tolles Thrillerkino, das ungewöhnlich inszeniert ist und mit einer starken Hauptfigur auskommt. Der Film ist nicht ohne Längen, aber packend allemal (dagegen ebbt das Remake deutlich ab). Außerdem lohnt der Film schon allein wegen Jean Renos coolem Auftritt.