Review

Nach einem Überfall auf eine Apotheke, bei dem sich ihre versifften Kumpels eine Schießerei mit einem Einsatzkommando der Polizei liefern und sie selbst einem der Gesetzeshüter eine Kugel in den Schädel jagt, wird die Junkie-Braut Nikita zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Gefängnis erhält sie eine vermeintliche Giftspritze, die ihren Selbstmord vortäuschen soll... und als sie wieder zu sich kommt, stellt sie der Geheimdiesnst-Mitarbeiter Bob vor die Wahl: Entweder sie gibt tatsächlich den Löffel ab, oder sie lässt sich zur Auftrags-Killerin ausbilden. Nikita entscheidet sich für Letzteres und durchläuft ein hartes Training, an dessen Ende sie als finalen Test aber tatsächlich erfolgreich ihre erste Mission erfüllt. Im Anschluss daran bezieht sie eine eigene Wohnung und bändelt mit dem Supermarkt-Kassierer Marco an. Da sie jedoch permanent auf Abruf für die ihr zugeteilten Mord-Aufträge bereitstehen muss, fällt es ihr zunehmend schwerer, ihr Doppelleben vor ihrem Boyfriend zu verheimlichen... Mit diesem durchgestylten Action-Thriller zementiert Luc Besson, der zuvor in seinem Heimatland bereits mit "Subway" und "Im Rausch der Tiefe" Publikumserfolge feiern konnte, seinen Ruf als Visualist, dem - nach der Manier des Cinéma du look - die Optik seiner Filme oftmals über den Gehalt der Geschichte geht. Nun ja, dass Besson einige inhaltliche Details da selbst nicht so arg jucken und es ihm stattdessen vornehmlich um den unmittelbaren Impact ankommt, merkt man schon alleine daran, dass da während eines Schusswechsels auch schon mal mit Ansage mehr Kugeln verballert werden, als ein Pistolen-Magazin fassen kann (zählt selbst nach!). Dass "Nikita" über die Grenzen Frankreichs hinaus aber doch so ziemlich überall gut angekommen ist, verwundert einen da nicht, denn in erster Linie ist das hier halt doch Kino für die Augen und nicht für den Kopf. Anne Parillaud, die diesen internationalen Erfolg im Anschluss mit ihrer Hauptrolle in John Landis' misslungener Vampir-Komödie "Bloody Marie - Eine Frau mit Biß" nicht in eine Hollywood-Karriere ummünzen konnte, erscheint mir persönlich in der Titel-Rolle - obwohl vom Aussehen her mehr als passend - allerdings ein wenig zwiespältig: Die (nicht ganz so) eiskalte Profi-Killerin hat sie drauf, ihr infantiles Rumgehampel während der ersten Hälfte kann einem aber auch schon mal auf die Nerven gehen. Dass dabei weitestgehend auf eine ethisch-moralische Bewertung des Gezeigten verzichtet wird, ist da wohl der größte Unterschied zur üblichen Unterhaltungsware made in Hollywood, denn nicht nur Look und Feel sind da überdeutlich europäisch, auch in seiner gesamten Anlegung steht "Nikita" durchaus eher in der Tradition französischen Action-Kinos wie etwa Belmondos "Der Profi", in welchem der im Grunde genommen Anti-Held doch ziemlich heldenhaft und nur wenig anti rüberkommt. Genau das ist aber auch irgendwie der Stolperstein, über den Besson hier stürzt: Ich brauche keine blütenweiß gezeichneten Protagonisten ohne Ecken und Kanten, aber doch zumindest jemanden, um den ich bangen kann und dessen Schicksal mir ein klein wenig zu Herzen geht. Im Verlauf der Handlung sollen da zwar merklich Sympathien für die Parillaud geweckt werden, ab der zugedrogte Polizisten-Mord zu Beginn stellt da für mich doch leider eine Hürde dar, über die ich die gesamte restliche Laufzeit nicht drübergekommen bin... und alles Anschließende war mir dann doch reichlich egal. So schürft "Nikita" auf psychologischer Ebene dann auch nicht so tief, wie Besson das wohl beabsichtigt hatte, sondern entpuppt sich im Endeffekt nur als oberflächliche Fingerübung in Sachen Filmhandwerk. Zumindest formal kann er aber zur Gänze überzeugen, immerhin...

6/10

Details
Ähnliche Filme