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Der von allen nur "Der Doktor" genannte Folterknecht Clement Molloch, der seine Dienste weltweit zahlungswilligen Diktatoren anbietet, residiert aktuell mit seiner nicht minder durchtriebenen Schwester Claire in Südamerika, wo er mit wissenschaftlicher Präzision einen Berg von Opfern anhäuft... darunter auch den Journalisten Jorge Hidalgo, der seine unkoscheren Machenschaften aufdecken wollte. Nachdem ein Anschlag auf Molloch fehlschlägt, beendet der mit Hidalgo befreundete, ehemalige Auftragskiller Holland seinen selbstverordneten Ruhestand, um dem irren Arzt persönlich das Handwerk zu legen. Gemeinsam mit Hidalgos Witwe Rhiana und ihrer Tochter Sarah fliegt Holland als Tourist getarnt nach Guatemala, wo sich "Der Doktor" nun versteckt hält, und arbeitet sich dort nach und nach durch dessen Untergebenen bis zu diesem vor... "Der Liquidator" ist neben dem vier Jahre zuvor entstandenen Abenteuer-Streifen "Der Schatz von Caboblanco" der einzige Film, den Regisseur J. Lee Thompson und sein Star Charles Bronson in den 80er Jahren nicht gemeinsam für die Cannon Group gemacht haben, sondern der stattdessen im Rahmen seines Kino-Releases etwas "gehobener" von Tri-Star Pictures präsentiert wurde, aber inhaltlich unterscheidet er sich doch wirklich nicht allzu sehr von dem gewohnten Action-Krempel der Golan-Globus-Klitsche. Ganz im Gegenteil: Bronson darf hier wie gewohnt den starken Mann markieren und in Sachen Gewalt und Brutalität geht es fast noch heftiger zur Sache als in seinen nachfolgenden "Ein Mann sieht rot"-Fortsetzungen, womit die Angelegenheit im Verbund mit der 1983er-Thompson-Kollaboration "Ein Mann wie Dynamit" definitiv ihr Scherflein dazu beigetragen hat, das Image ihres Hauptdarstellers beim Publikum zu festigen... wobei dieser selbst darüber im Anschluss allerdings gar nicht mal so glücklich gewesen sein dürfte und in Interviews auch gestanden hat, kein Fan seiner eigenen Filme zu sein. Nun ja. Von all seinen ähnlich gestrickten Streifen hätte "Der Liquidator" (im Original etwas profunder "The Evil That Men Do" betitelt) von der Thematik her sowie der Gegenüberstellung von Bronsons Figur und dem methodisch folternden Arzt - die beide durch und durch gefühlskalt agieren und letztendlich fast schon zwei Seiten derselben Medaille sind - zwar noch am ehesten das Potenzial gehabt, einen doppelbödigen Kommentar zur alten Selbstjustiz-Masche abzugeben, doch irgendwie ist man an derartigem Gedankenfutter dann aber doch nicht allzu sehr interessiert. In erster Linie will Thompson dann nämlich doch "nur" für spannendes Entertainment sorgen und den Zuschauer ab und an mit ein paar unvermittelten Gewalt-Spitzen schocken, was ihm auch allemal gelingt. Seine erinnerungswürdigen Momente hat "Der Liquidator" nämlich auf jeden Fall: Neben der recht unvermittelten Elektro-Folter-Sequenz direkt zu Beginn insbesondere die Szene, in der Bronson dahin geht, wo's weh tut und einem körperlich überlegenen Widersacher einfach mal so mit bloßen Händen die Nudel verbiegt (autsch!), was man in der Form auch nicht allzu oft gesehen haben dürfte. In der zweiten Hälfte driftet die Geschichte dann zwar zunehmend in "gewöhnlichere" Thriller-Bahnen ab, begibt sich dadurch aber nicht unbedingt aufs Glatteis und mündet schließlich in ein recht befriedigendes Finale, bei dem der "Doktor" gerechterweise von einigen ehemaligen Opfern gelyncht wird. Inszenatorisch ist das alles - wie immer bei J. Lee Thompson - mehr als solides Handwerk und lässt allenfalls die ganz großen Action-Set-Pieces vermissen. Was Charles Bronsons 80s-Output anbelangt spielt "Der Liquidator" für meine Begriffe aber trotzdem relativ weit oben mit und tatsächlich würde ich ihm ob seiner erzählerischen Qualitäten auch vor dem völlig wahnsinnigen (aber nicht mehr ernstzunehmenden) Spektakel eines "Death Wish 3 - Der Rächer von New York" bei Weitem den Vorzug geben...

7/10

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