Review

Nach diversen anderen „wahren Lebensgeschichten“ berühmt-berüchtigter amerikanischer Serienmörder hat man nun also auch den Fall des „Hillside Stranglers“ filmisch aufgearbeitet, der Los Angeles hauptsächlich in den Jahren 1978/79 in Atem hielt…

Kenneth Bianchi (C.Thomas Howell) lebt in einer Kleinstadt zusammen mit seiner Mutter, arbeitet als Kaufhausdetektiv, beschäftigt sich mit Porno- und Psychologielektüre und träumt davon, bei der örtlichen Polizei aufgenommen zu werden. Als er jedoch wegen Charakterdefiziten durch den psychologischen Einstellungstest fällt, zieht er zu seinem Cousin Angelo Buono (Nicholas Turturro) nach L.A., wo er von ihm sogleich mit einem Dreier ins Nachtleben der Metropole eingeführt wird. Während Kenneths Bewerbung beim L.A.P.D. läuft, vertreiben sich die beiden die Zeit hauptsächlich mit Sex und Drogen, bis er eine erneute Ablehnung aus den bekannten Gründen erhält – da schmeißt ihn der hitzköpfige Angelo raus und beschimpft ihn als Verlierer, was ihn anfangs hart trifft…
In der Folgezeit gibt sich Kenneth als Psychologe aus, eröffnet eine Beratungsstelle und lernt die gutbürgerliche Claire (Allison Lange) kennen, mit der er zusammenzieht und ein Kind zeugt. Trotzdem kann und will er sich Angelos (in Claires Augen schlechten) Einfluss nicht entziehen, was schließlich zu einem handgreiflichen Streit führt, nach welchem sie ihn verlässt. Irgendwann entsteht schließlich die Idee der Cousins, in die lukrative Zuhälterei einzusteigen – in Folge dessen spielt Kenneth einem Mädchen vor, er wäre Talentscout, lockt sie so zu Angelo in die Wohnung und zwingt sie unter Gewaltandrohung zur Prostitution, wie auch später eine ihrer Freundinnen. Das geht eine Zeit lang gut, bis sie mit ihrem Geschäft einem anderen Zuhälter in die Quere kommen, welcher sie daraufhin überfällt, einschüchtert und die Mädchen befreit…
Rasend vor Wut, drängt Angelo Kenneth, als Vergeltung eine Prostituierte des „anderen Stalls“ umzubringen, was er dann auch tut und sich gar im Anschluss an der Leiche sexuell vergeht. Von der Tatsache beflügelt, dass die Cops und Medien sich recht wenig um den Fall kümmern, schlagen sie erneut zu, wobei sie sich als Polizisten ausgeben und so an die jungen Frauen herankommen. Anfangs sind ihre Opfer nur Prostituierte, später vergewaltigen, verstümmeln und töten sie hingegen auch zufällig ausgewählte Opfer…
Als Angelo die Taten angesichts des Medienrummels zu risikoreich werden, muss er seinen Cousin förmlich bremsen, worauf dieser mit der inzwischen zu ihm zurückgekehrten Claire aufs Land zieht und einen Job als Wachmann annimmt. Trotz der neuen Umgebung kann er sich seinen Trieben jedoch nicht verwähren, worauf er zwei weitere junge Frauen tötet, was schließlich zu seiner Verhaftung führt. Konfrontiert mit den Anschuldigungen gegen ihren Lebensgefährten, führt Claire die Behörden schließlich auch auf Angelos Spur…

Filme über das Leben echter Serienkiller haben sich in der letzten Zeit aufgrund ihrer Häufigkeit fast zu einem eigenen Subgenre entwickelt, und in diesem vergleichenden Kontext schneidet „the Hillside Strangler“ gar nicht mal schlecht ab – was aber nicht heißen soll, dass es sich letztendlich um ein wirklich gutes Werk handelt, da die Konkurrenz überwiegend eher schwach abschneidet: In meinen Augen ist der Film des Genre-erfahrenen Regisseurs Chuck Parello (“Henry 2“/“Ed Gein“) besser als die meisten der bisher erschienen Produktionen (z.B.„Dahmer“ oder „Speck“), die hauptsächlich vom Bekanntheitsgrad ihrer Titelgeber profitierten, jedoch nicht so gut wie etwa „Ted Bundy“ oder natürlich dem überragenden „Monster“.

Das Problem des Films liegt eindeutig in seiner ersten Hälfte verborgen: Zwar hat man versucht, die Hintergründe des Hauptcharakters (Kenneth) tiefgehend zu beleuchten, doch dabei geht zuviel Zeit verloren, die man interessanter hätte gestalten können: Man erfährt, dass jener psychische Charakterschwächen sowie ein gestörtes Verhältnis zur Sexualität hat, aus einem zerrütteten Elterhaus stammt und immer auf Anerkennung aus ist, doch genau diese Eigenschaften treffen auf fast alle Serientäter zu, weshalb sie zu genüge bekannt sind, fast wie Klischees wirken und nicht in dieser Ausführlichkeit noch einmal gezeigt werden müssten (zumal das auf einer eher nüchternen als interessanten Art geschieht). Im Gegenzug erfährt der Zuschauer einfach zu wenig über Angelo (mit Ausnahme eines intensiven Gesprächs mit seiner Mutter), weshalb es irgendwie einseitig wirkt.
Nach rund 40 Minuten geschieht dann schließlich der erste Mord und der Film gewinnt an Schwung, denn die Reaktionsweisen der Cousins bezüglich ihrer Taten sind viel entscheidender als ein Großteil der einleitenden Informationen: Anfänglich ist Angelo noch die treibende Kraft, doch gegen Ende ist es Kenneth, der nicht mehr aufhören will, da er nur durch das Töten „Dampf ablassen“ kann. Diese Charakterwandlungen fand ich sehr interessant, wie auch Kenneths Versuch, die Taten mit seinem Berufs- und Privatleben unter einen Hut zu bekommen – er wird im Film als fast Mitleid erregender Verlierer dargestellt, der es in der Gesellschaft aufgrund seiner Veranlagungen einfach nicht schaffen konnte, während sich Angelo vom Hitzkopf zur klügeren Hälfe der zwei „Hillside Strangler“ wandelt, welcher angesichts der verstärkten Medien- und Polizeipräsenz auf den Straßen mit den Taten aufhören will und zunehmend Einfluss auf Kenneth verliert. Man bekommt also etliche Einblicke und Informationen über die Ereignisse sowie den daran Beteiligten.

Regisseur Parellos Inszenierung schafft es mit wenigen Mitteln, ein Feeling der 70er Jahre zu erzeugen – alles wirkt authentisch, was nicht zuletzt an den vielen Brauntönen und der unpolierten Optik liegt. Diese erzeugte Atmosphäre verleiht dem Film entscheidende Glaubwürdigkeit, wie auch das gute Spiel der Hauptdarsteller: Ex-Teen-Star C.Thomas Howell (“Soul Man“/“Hitcher“) spielt Kenneth als innerlich zerrissenen Menschen, der immer wieder versucht, seine Träume und Vorstellungen umzusetzen, letztendlich aber jedes Mal an sich selbst scheitert. Ihm gegenüber steht Nicholas Turturro (TV´s“NYPD Blue“/“Hellraiser 5“), dem man die Rolle des unsympathischen Angelo ebenfalls locker abnimmt. Ruhender und anständiger Pol des Films ist zweifelsohne die bildhübsche Allison Lange (“Christinas House“/“Gacy“) als Claire – zum ersten Mal (mit Ausnahme einer „CSI Miami“-Folge) kann man erkennen, dass sie tatsächlich überzeugend seriöse Rollen spielen kann.

Die Morde und Taten des Films sind sehr verstörend, lang und intensiv umgesetzt worden. Diese ernste und seriöse Herangehensweise empfand ich hier als angebracht – sie erzeugt eine durchweg unangenehme Stimmung. Leider kommt eigentlich zu keinem Zeitpunkt echte Spannung auf. Am Ende gibt es gar noch einen bizarren Twist um eine Verehrerin von Kenneth, die eine „Copycat“-Tat versucht, um ihn zu entlasten und so aus dem Gefängnis zu holen. Diese Tatsache soll gegenüber der Realität etwas abgeändert worden zu sein, doch welche Elemente letztendlich wahr oder fiktiv sind, kann ich nicht beurteilen. Merkwürdig (und etwas unlogisch) fand ich beispielsweise, dass die beiden zur Prostitution gezwungenen Mädchen nach ihrer Befreiung nie zur Polizei gegangen sind (oder sich überhaupt so naiv haben anlocken lassen)…
Die „Unrated“-Fassung bietet viel nackte Haut – Sex, Strips, freizügig umgesetzte Taten, direkte Darstellungen von Oralverkehr und Vergewaltigungen, Beischlaf mit einer Leiche sowie gar eine „Double Penetration“-Szene. Insgesamt wird so ein oft unangenehmes, fast schmutziges Gefühl erzeugt, welches man zwar als „roh“ und „authentisch“ bezeichnen kann, irgendwie aber auch als „zweifelhaft“ (bezüglich der Art und Weise, wie man die Geschehnisse präsentiert bekommt)…

Fazit: „the Hillside Strangler“ ist ein unangenehmer, direkter Serienkiller-Film, der mit einer soliden Regie und guten Darstellern aufwarten kann, jedoch u.a. an seiner enttäuschenden ersten Hälfte krankt … 5 von 10.

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