Review

Geringfügig empört ob der recht wenigen und vergleichsweise doch eher schlechten als gönnerhaften Kritiken zu Frantic auf der ofdb sehe ich mich doch gezwungen, mal wieder ein Review zu schreiben und (für den ein oder anderen womöglich wieder etwas zu leichtfertig) mit 10 Punkten um mich zu schmeißen. Habe ich bei Roman Polanskis Paris-Thriller aber auch wenig Probleme mit und stehe da voll dahinter, denn dem geneigten Freund stilvoller Großstadtbilder und atmosphärischer Thriller MUSS Frantic eigentlich gefallen!

Harisson Ford spielt hierin den Chirurgen Richard Walker, der mit seiner Frau Sondra geschäftlich von Übersee nach Paris fliegt, nur um diese kurz nach der Ankunft im Hotelzimmer aus den Augen zu verlieren. Die vornehme Dame verschwindet spur- und zunächst scheinbar auch sinnlos, und nachdem dem guten Doc - wie könnte es auch anders sein - weder die hiesige Polizei noch Landsmänner aus der Botschaft helfen können, sucht er auf eigene Faust. Anhaltspunkt ist ein am Flughafen vertauschter Koffer...

Auch so schon ist Frantic ein klasse Thriller. Warum sich hier einzelne darüber beschweren, der Film käme nicht in die Gänge, kann ich weiss Gott nicht verstehen. Klar, es muss einem natürlich bewusst sein, dass diese Kiste nicht nur aus den späten 80er Jahren, sondern auch von einem extravaganten Regisseur ist, der viel Wert auf Stimmungsaufbau und Charakterzeichnung legt. Da wird das Gas natürlich nicht von Minute Eins an voll durchgetreten; indes bekommt der Zuschauer erst mal eine chillige Taxifahrt mit ewig dauernder Überblendung auf das Protagonisten-Paar (ein doch recht selten auffindbares Stilmittel), dann gibt's erst mal ein bisschen (bewusst) bieder wirkendes Ehe-Geplänkel aufm Hotelzimmer, aber nach einer Viertelstunde geht's dann doch recht zügig los, ohne dass die Stimmung unter dem Spannungsbogen auch nur eine Sekunde zu leiden hätte - und ich finde Frantic keinen Meter langweilig!

Und da wären ja noch ein paar weitere Kleinigkeiten, die dem engagiert spielenden Harrison Ford zu Hilfe kommen und den Film gewaltig aufwerten: reden wir nicht nur von Emmanuelle Seigner, die für mich nicht nur eine der schönsten Frauen der Welt ist, sondern hier der Hatz durch das fremde Paris den nötigen, jugendlichen Pepp verleiht. Nein, da wäre auch noch Altmeister Ennio Morricone persönlich, der sich für den Score verantwortlich zeigt und hier (einmal mehr) einen einprägsamen Score abliefert; Konkurrenz bekommt er hierbei jedoch von Grace Jones´ „I´ve seen your face before", der prägende Song des Films, der die entsprechenden Szenen (es gibt einige, in denen der Titel gespielt wird) noch mal um eins besser macht. Nicht zuletzt sollte man hier Polanskis handwerkliches Geschick erwähnen, welches sich in kunstvollen Kamerafahrten (z. B. beim Klettern über die Dächer von Paris) oder schnittarme Langaufnahmen (z.B. der Tanz im Nobelclub, natürlich zu Grace Jones) widerspiegelt.

Also, ihr lieben Leute. Vergleicht das Ding nicht gleich mit Running Scared oder ähnlich turbulenten Machwerken; bei Frantic herrschen noch andere Prioritäten. Und Paris ist sooo eine schöne Stadt...! Und - für die Warner-DVD muss man nicht wirklich ein Vermögen ausgeben.

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