Review

Nach dem äußerst zähen "Killer Joe" hatte ich die Wahl zwischen der nächsten DTV-Veröffentlichung oder mein Film-Wissen mit einem "älteren Schinken" aufzufrischen, den ich noch nicht gesehen habe. Da meine TV-Zeitung "Frantic" mit "Da kommt keine Sekunde Langeweile auf" titulierte, entschloss ich mich nach langem mal wieder einen Film im Fernsehen (mit Werbung, würg) zu sehen - Harrison Ford-Filme gehen eben immer, auch mit vier Werbeunterbrechungen.

Ford spielt den aus San Fransisco stammenden Arzt Richard Walker, der mit seiner Frau Sondra (Betty Buckley) nach Paris fliegt, um dort eine Rede bei einem Medizinerkongress zu halten. Den ersten Ärger gibt es schon bei der Ankunft im Pariser Hotel. Denn am Flughafen wurde der Koffer von Sondra vertauscht. Als Richard  aus der Dusche rauskommt, stellt er fest, dass Sondra  spurlos verschwunden ist. Er meldet seine Frau bei der Polizei als vermisst und weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass dieses mysteriöse Verschwinden sowie die Verwechslung der Koffer mit einer Verschwörung zu tun hat...

Mein erster Eindruck nach dem Film war: Sonderlich spannend war er ja nicht wirklich. Und so fragte ich mich auch natürlich: Liegt es etwa damit zusammen, dass ich diesen Film nicht schon als kleiner Stubbke gesehen habe (und somit Nostalgie-Bonus miteinfließt) oder eben doch eher, dass dieser Film, auch wenn er von Roman Polanski stammt, nicht so der Bringer ist?
In der Zeit um 1988 drehte Ford immerhin zwei Teile von "Indiana Jones" oder auch den von mir favorisierten "Auf der Flucht".

Etwas ungewöhnlich für die damalige Zeit war die Location für einen "Hollywood-Blockbuster", aber da klingelte es schnell im Hirn. Roman Polanski, der "Lothar M." unter den  Filmemachen (den ich als Regisseur sehr schätze aber als Menschen verachte), durfte wegen einer Anklage wegen Sex mit einer Minderjährigen nicht in die USA einreisen - ironischerweise heiratete der damals 56jährige ein Jahr später die Hauptdarstellerin Emmanuelle Seigner, die immerhin schon 23 Jahre alt war (Loddar wildert manchmal ja in noch jüngeren Gefilden). Aber lassen wir das. Konzentrieren wir uns wieder auf´s Filmgeschehen, sonst dürfte ich den Gewinn der Fußballweltmeisterschaft 1990 auch nicht feiern.

Wir begleiten also das Ehepaar in der gemächlichen Einführung bis ins Hotelzimmer und da macht sich schon eine Sache bemerkbar: Dass Polanski sehr viel Wert darauf legt, dass es nicht selbstverständlich ist, dass (wie es in vielen anderen Filmen gehandhabt wird) alle Franzosen englisch sprechen und genauso wurde dieser Umstand auch  mit der deutschen Synchronisation gehandhabt. Ford verständigt sich teilweise mit Händen und Füßen - dennoch sprechen die wichtigsten Figuren leider auch fließend englisch.
Dennoch will auch nach der Entführung keine richtige Hochspannung aufkommen. Während dem Anschauen zog ich immer Vergleiche zu "Auf der Flucht", (fragt mich nicht warum, ich weiß es selbst nicht) und da zieht "Frantic" eindeutig den Kürzeren. Das liegt aber auch eher an der Art des Subtilen, wie diese Spannung vermittelt werden soll: Das Ehepaar im Ausland, die Frau wird entführt, Verständigungsprobleme, Bürokratie-Wahnsinn, Hilflosigkeit usw. sprechen mich in diesem Fall nicht an, reißen mich nicht mit und so sah ich nur ein zähes, selten spannendes Filmchen, das in manchen Szenen schon beinahe in Slapstick ausartete (was natürlich überhaupt nicht passte).

Immerhin hab ich einen "Schatz" des letzten Jahrtausends mehr auf dem Konto, der mich einigermaßen unterhalten hat, dennoch nicht der Top-Film war, den manche in  ihm sehen.

5/10

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