Review

Es gibt durchaus große Hollywood-Stars, die auch einmal klein angefangen haben. Besonders in Horrorfilmen: Kevin Bacon („Sleepers“) spielte 1980 eine Rolle in „Freitag, der 13.“ und musste dort – nun ja wie in Horrorfilmen üblich – sterben. Linda Hamilton („Terminator“) überlebte 1984 die „Kinder des Zorns“ und deren anti-adulte Grundeinstellung. Brad Pitt war 1988 auf der „Todesparty“ und Dennis Hopper gab sich 1986 in „Texas Chainsaw Massacre 2“ die „Ehre“. All diese Filme gehören sicherlich nicht zu den Perlen des Kinos, mit denen sich ein Schauspieler in seiner Filmographie schmücken möchte, waren aber noch als akzeptable Filmkost für Horror-Cracks zu gebrauchen. Und hier besteht der Unterschied zu „Texas Chainsaw Massacre – Die Rückkehr“: Nix Horror, nix kurzweilige Genre-Unterhaltung. Dieser Film ist noch schlechter als oben genannten Film-Ausrutscher der Stars.

Matthew McConaughey („Contact“, „Ed TV“) und Renee Zellweger (ja die spätere „Bridget Jones“) hielten es 1994 sicherlich für eine gute Idee aufgrund ihrer noch nicht weit fortgeschrittenen Filmkarrieren im 3. Aufguss eines Horror-Klassikers mitzuwirken. Schlechte Idee, denn sie blamieren sich in „TCM 4“ um die Wette.
Während McConaughey in der Rolle des Vilmer (einem Mitglied der degenerierten Hinterwäldlerfamilie) noch als psychopathischer Sadist überzeugt, ist der Charakter der Jenny nur auf Rennen, Weinen und Flehen angelegt, was wohl jede drittklassige Schauspielschülerin im ersten Semester hätte genauso gut hinkriegen können wie die Zellweger.

Ok, genug des Gemeckers um die Schauspieler: die Story muss auch noch so verrissen werden, ebenso wie Regisseur, Produzent und (auch noch) Drehbuchschreiber Kim Henkel, denn hier ist alles einfach nur schlecht.

Die Story kennt man aus jedem anderthalbten Teenie-Slasher-Film: Vier Jugendliche kommen (am Tag des Abschlussballs) mit dem Auto vom Weg ab, bauen einen Unfall und suchen Hilfe bei den Falschen – hier: bei einer degenerierten Hinterwäldler-Familie um den (mittlerweile zur Drag-Queen mutierten) Leatherface und Krüppl Vilmer. Natürlich geht es bei denen zu Hause drunter und drüber, denn es ist ja nicht umsonst irgend so eine Psycho-Sippe und so werden natürlich alle Teenies (ACHTUNG SPOILER:) außer des/der Keuchesten und Biedersten im Verlauf der Nacht sterben, weil Leatherface frisches Fleisch braucht. Deswegen gibt es natürlich auch zahlreiche Verfolgungsjagden mit der Kettensäge, nur leider kein Gemetzel und Gekröse mit derselben…
Klingt seltsam? Ist es auch!
Ausserdem ist Leatherface als weinerliche Schnepfe in Frauenkleidern einfach nur lächerlich anzusehen. Ein paar UFOs an sichtbaren Stricken und ein paar Zombies noch dazu und es könnte sich um einen Film der Trashkönige Ed Wood oder Roger Corman handeln. Darüber könnte man zumindest lachen. Allerdings ist der Trash hier weder beabsichtigt, noch lustig. Und so ist "TCM 4" einfach nur billiger, langweiliger Trash.

Der Film fing so gut an: In der ersten halben Stunde ironische Anspielungen auf Teenie-Horror-Klischees und noch herrlich platter (Sex-)Humor (O-Ton: „Warum sind Blondinenwitze so kurz? – Damit die Männer sie auch verstehen.“). Noch deshalb, weil der dann ganz schnell verschwindet. Schade. Es folgt ein nicht enden wollender Pseudo-Psycho-Horror der den Zuschauer (ebenso wie die Protagonisten) quält und nervt. Eine scheinbar ewig lange (und zu lange) Freakshow, die nicht einmal Substanz hat. Kim Henkel, danke dafür, das machte den Film endgültig kaputt!

Eine perfekte Überleitung zu Kim Henkel, demjenigen, der diesen Murks verzapfte. Lieferte er noch das Drehbuch für das Original, konnte er es nicht lassen bei „TCM – Die Rückkehr“ nicht nur das Drehbuch zu schreiben, sondern musste auch noch auf dem Regiestuhl Platz nehmen und den Schmarren produzieren. Bei einem minder schlechten Film würde man sagen, er hätte sich übernommen. Heraus kam nämlich ein buchstäblich blutleerer Abklatsch des Originals, der in keiner Sekunde inszenatorisch überzeugen kann. Das Action-Timing (wenn man das überhaupt so nennen kann) ist mies und das Drehbuch veritabel. Der Horror des Films spielt sich mangels deftiger Schock-Szenen ohnehin nur im Kopf (ja, des Zuschauers, denn der Film ist der blanke Grotten-Horror) ab und nervt. So kann man diesen Langweiler nicht einmal mehr zum Einschlafen gebrauchen.

So, genug gelästert. Ich habe mich bemüht das Sch-Wort im Zusammenhang mit diesem strunzdummen Machwerk zu vermeiden, obwohl es wohl den Film – auf weite Strecken - treffend bezeichnen würde.
Wer einfach nur einmal wissen will, worum es in der „TCM“-Saga geht, sollte entweder Teil 1 von 1974 oder das von Michael Bay produzierte Remake von 2003 ansehen. Diesen filmischen Totalausfall sollte man meiden, außer wenn man e-Bay-Mitglied ist, oder den Gang zur Tonne nicht scheut.
Ich persönlich brauche mich übrigens für den Besitz der UK-DVD nicht zu schämen, denn ich habe sie geschenkt bekommen. Knallharten Fans rate ich, sich den Film in der Videothek zu leihen, wer für die DVD 10 Euro oder mehr ausgibt ist entweder reich, verrückt oder Masochist.

Meine Meinung zur Indizierung von "TCM 4": überflüssig. Ein erhöhtes Jugendverbot für ein paar Genickbrüche und Folterungen, die teilweise noch nicht einmal im Bild zu sehen sind und die Darstellung der einfach nur kranken Familie und ihres "Alltagslebens" ist äußerst fragwürdig. Da hat man in "Shaun of the Dead" und "Wrong Turn" (der übrigens eine ähnliche Story aufweist wie "TCM 4") schon wesentlich Krasseres gesehen und die sind frei ab 16. Wahrscheinlich wollte man damit einer ausgebreiteten Verdummung der Bevölkerung (welche ohnehin schon weit vorangeschritten ist, siehe Pisa) durch dieses Machwerk vorbeugen.

Um mich noch etwas um Horrorfilm-historischen Anspruch dieses Reviews zu bemühen, möchte ich noch anmerken, dass "Texas Chainsaw Massacre - Die Rückkehr" als schlechteste und langweiligste Fortsetzung eines Horror-Klassikers erst 1999 durch "Kinder des Zorns 6 - Isaacs Rückkehr" abgelöst wurde. Ein Tipp also für alle, die auf filmische Folter und Bestrafung stehen.

Ich müsste eigentlich 1 von 10 Punkten geben, aber aufgrund des Mitleids mit den beiden namhaften Hollywood-Grössen und des anfänglichen Humors vergebe ich (immer noch sehr versöhnliche) 3 von 10 Punkten.

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