Hallo Schatzkästchen!
Normalerweise ist der "Public Domain"-Bereich ja zum Auffangbecken für nicht mehr vermarktbaren Schrott aus der Billigschmiede verkommen, aber ein paar Goldnuggets findet man immer mal. Hier allerdings haben wir es mit einem freundlichen Klumpen zu tun.
Ehedem für die Autokinos produziert, ist "Blutnacht - Das Haus des Todes" inzwischen beinahe vergessen, weil man eben nicht mit beliebigen DVDs davon zugeschmissen wert, heute sollte man anderthalb Stündchen mitbringen, um ihn wieder zu entdecken.
Ted Gershunys letzter Kinofilm (er drehte danach nur noch ein paar Folgen für TV-Horror-Anthologien der 80er) ist eine Blaupause für all den Slasherruhm, den dann andere Filmemacher einheimsten, sozusagen ein kleiner Protoslasher, der viele interessante Ansätze in einem Film vereint. Dazu wird reichlich gestorben, fast ein Dutzend liebe Leute beißen hier recht graphisch ins Gras.
Also beste Voraussetzungen für eine nähere Beleuchtung.
Dargeboten in wunderbar schnarrendem Englisch, entblättert sich hier eine freundlich verschachtelte Story rund um ein Haus, dessen Erbauer anno 1950 vor selbigem abgefackelt wurde. Erzählen tut uns das alles Mary Woronov in einer kleinen Spaziergangsklammer. Die Jetztzeit setzt dann in den frühen 70ern wieder ein, wenn der Großsohn des Toten die Hütte verscherbeln will, am besten an die Stadtoberen, die sowieso interessiert sind. Warum, ist nicht ganz klar, denn als sie seinen Anwalt zu Beginn empfangen, hat man das Gefühl, in einer recht bizarren Teeparty mit sehr einsilbig mysteriösen Landeiern zu sitzen, von denen John "300 Filme" Carradine als stummer Zeitungsherausgeber noch am irritierensten ist. Gleichzeitig bricht aus dem gut gepolsterten Sanatorium nebenan der nötige Maniac aus, um uns bei Laune zu halten, was Gershuny ausgiebig Gelegenheit gibt, uns schon anno 1972 (der Film lag zwei Jahre vor seiner Veröffentlichung im Schrank) die munteren POV-Shots aus Sicht des Killers zu liefern, für die dann Carpenter die Lorbeeren kassierte.
Patrick O'Neal, der in der Besetzungsliste ganz vorn steht, spielt dann auch den knorrigen Anwalt, der neben Frau daheim auch noch eine Ingrid fürs Bett hat, ehe er nach dem Zigarettenholen vor eine mächtige Axt läuft und als Protagonist nach 30 Minuten ausscheidet, worauf der Großsohn selbst sich in die Einöde bemüht. Dort paart er sich (nicht sexuell) mit Mary, dem Töchterlein des Bürgermeisters und geht dem Treiben irgendwann auf den Grund, während sich der Irre durch die Gemeinde häckselt. Das alles hat mit der Vorgeschichte des Hauses zu tun, was man aber um der Überraschung willen bloß nicht verraten soll, denn die im letzten Viertel bereitgestellte Rückblende im Stile der 30er Jahre (und das stilecht), sorgt für eine extrem nette Pointe, die die ungesunde Atmosphäre in diesem Landstrich weitgehend erklärt.
Womit wir auch schon bei den größten Qualitäten des Films wären: zwar ist er nur noch in einer recht durchgekauten Qualität zu genießen, daß er aber eine düstere, ungute und morbide Weihnachtsatmosphäre atmet, kann wohl kaum jemand bestreiten. Draußen, auf dem Land, da ist die Welt noch in Ordnung: die Telefonistin sitzt auf 101 Vogelkäfigen rum, der Killer haucht ins Telefon, Carradine konversiert über eine Tischklingel und später wird sich nach dem Abhacken öfters mal die Hand gereicht, was aber kaum eine nette Geste ist.
Natürlich: alles kann nicht gut sein, die Akteure agieren (bisweilen wohl gewollt) eckig und zäh und der Film leidet darunter, daß er offenbar für die Kinoauswertung in den Staaten noch mal re-dubbed wurde, also erneut besprochen, mit Originalton ist ziemlich Asche, so daß die Dialoge ziemlich hölzern daherkommen und das Timing manchmal enorm versauen, während die düsteren, geschickten Sets stetig dagegen arbeiten.
Morbide auch, daß James Patterson, der hier den Großsohn mimt, kurz nach Beendigung der Dreharbeiten an Krebs starb und von diesem schon arg gezeichnet aussah, obwohl er wohl nie eine Schönheit war - kein Wunder, daß man ihn hier für den Psychopathen hält.
Dennoch: es wird mit sehr vielen Plotelementen, Storyversatzstücken und visuellem Einfallsreichtum gearbeitet, die Sets sind großartig und der Schlächter kommt immer zur rechten Zeit, um eine weitere Rechnung zu begleichen. Sicherlich ist die Axtmordszene nicht eben geschickt umgesetzt, aber rote Soße gibts trotzdem und wer sagt denn, daß es nicht ekliger ist, wenn sich vieles im Kopf abspielt: zumindest auf eine Todesart sollte man ein Auge werfen, bzw. das Opfer tut es notgedrungen.
So kann man es nur als schade bezeichnen, daß der Film so schnell in Vergessenheit geriet, ist er doch die Quersumme aus den "Sünden der Vergangenheit", die Hammer und Amicus so gern beschrieben haben und der Zukunft in Form des gesichtslosen Häckslers mit den schönen Grand-Guignol-Vorkenntnissen, die man immer gern dem ein Jahr später veröffentlichten "Black Christmas" in die Pakete schnüren möchte. Auf jeden Fall ein Traumort für die Festtagsferien und kostengünstig dazu. (7/10)