„Halloween“ war 1978 der Slasher, der dem Subgenre zum Durchbruch verhalf, gern werden Ahnen und Vorläufer wie „Black Christmas“ oder „Bay of Blood“ benannt, wobei „Silent Night, Bloody Night“ hier zu den unbekannteren Vorgängern gehört.
Ebenso eigenwillig wie interessant ist bereits das Voice Over, das den Film begleitet. Erzählerin ist die (lange Zeit ungesehene) Bürgermeistertochter Diane Adams (Mary Woronov), die eine etwas andere Weihnachtsgeschichte erzählt, die gleich mit einem verbrennenden Hausherren startet – kein Unfall, wie alle denken, so sagt sie gleich. Bei der Testamentsverlesung hört man des Toten Stimme, ehe Diane weiter erzählt – eine böse Abart einer Weihnachtsgeschichte eben, ehe der Post-„Halloween“-Slasher alle Feiertage abarbeitete.
Jahre später soll das Haus des eingangs Weggebrutzelten verkauft werden, worauf Einwohner-Community schon höchst seltsam reagiert, als der Anwalt des verkaufswilligen Enkels davon erzählt. Die Gemeinde will das Anwesen gerne selbst kaufen, will den Anwalt lieber in der Pension unterbringen als dort und gleichzeitig haut auch noch ein Bekloppter aus der nahen Klapse ab, da ist für reichlich Fährten und düstere Omen gesorgt.
Bald muss ein Hund dran glauben (wie später auch in „Halloween“, wo man die Überreste eines gefutterten besten Freundes des Menschen findet), dann geschieht ein Mord und der Enkel reist höchstselbst zwecks Verkaufs an, womit die Weihnachtsnacht ereignisreich wird…
Das mag reichlich konfus klingen und ist es irgendwie auch, denn „Silent Night, Bloody Night“ haut die roten Heringe nur so raus, um erst kurz vor Schluss mehr schlecht als recht den Sinn des Ganzen zu erklären, was leider auch nicht ganz befriedigt. *SPOILER* Tja, der Killer ist tatsächlich nur ein x-beliebiger, dahergelaufener Anstaltsflüchtling, alle Spuren in Richtung Vergangenheit sind falsche Fährten, die für ein böses Missverständnis kurz vor Schluss genutzt werden, doch irgendwie will das alles nicht so recht satt machen. *SPOILER ENDE*
So schwankt der Film beständig zwischen Genie und Wahnsinn, entfernt nach einer halben Stunde die scheinbare Hauptfigur in bester „Psycho“-Tradition und fährt ein Sammelsurium leicht schräger bis reichlich bekloppter Figuren auf, die alle Dreck am Stecken haben könnten. Der aus nie wirklich erklärten Gründen auftauchende Enkel Jeffrey Butler (James Patterson), der den Verkauf ja eigentlich an den Anwalt übergab, ein Zeitungsredakteur, der sich nur über eine Klingel verständigen kann, eine Telefonistin, die glaubt einen Killer durch Reden besänftigen zu können – tja, da ist definitiv was anderes als die übliche Teenie-Bagage, doch leider wirken viele Figuren lange Zeit deshalb so schräg, weil das Drehbuch sie nur unzureichend einführt und/oder über ihre Motive Stillschweigen bewahrt.
Die Regie hat immer wieder kreative Einfälle, am häufigsten wird beim Reden über den Film die im Stile alter Stummfilm inszenierte Rückblende kurz vor Schluss genannt, die ebenso stilvoll wie bizarr für Backgroundinfos sorgt, aber auch die Voice Over Passagen sorgen für einen ganz eingewilligen Stil. Gruseliges Killergeflüster (gerne auch via Telefon), Schleichereien in düsteren Fluren und der eine oder andere Mord sorgen für das entsprechende Flair, wobei die Gorehounds weitestgehend in die Röhre gucken, da effekttechnisch weg los ist, das meiste über den Schnitt getrickst ist und man die Tricks aus heutiger Sicht durchschaut.
Schauspielerisch zieht sich der Film durchaus solide aus der Affäre, wobei die später vorgenommene Nachsynchro (der englischen Fassung!) des zwei Jahre in der Schublade liegenden Films an Qualität kostet. Sicher, große Talente waren hier auch in der Ursprungsversion nicht am Werke, doch für einen Film seines Genres ist das Gebotene durchaus annehmbar.
Freunde des Slasherfilms dürfen sich bei „Silent Night, Bloody Night“ also über einen wenig bekannten, inszenatorisch einfallsreichen „Halloween“-Vorläufer freuen, müssen das konfuse, mäßig erzählende Drehbuch in Kauf nehmen, das die eigentlich nicht unschlaue Geschichte wenig gelungen an den Mann bringt. Aber Respekt, was man aus diesem Ausgangsmaterial noch gemacht hat.