„Hero“ war ein visueller Meilenstein, warum also sollten die Chinesen nicht in dieser Hinsicht noch viele beachtenswerte historische und durch beeindruckende Martial-Arts-Künste gekennzeichnete Werke auf die Festivals dieser Welt entsenden, um die Jurys und die Zuschauer zu beeindrucken.
Mit „House of the flying Daggers“ ist das vielerorten gelungen und ich muß konstatieren, das die visuelle Komponente dieses Historienwerks wiederum außergewöhnlich gelungen ist. Wobei der Terminus „historisch“ hier allerdings mehr vorgeschützt wird, um einer Dreieckgeschichte zwischen zwei Männern und einer Frau einen agitativen Background zu geben.
Es sind zwei Inspektoren der kaiserlichen Dynastie, die hier bemüht sind, eine Rebellen- bzw. Widerstandsgruppe auszuheben, die den Namen des Films trägt. Der eine versucht sich undercover an einer geheimnisvollen blinden Tänzerin und Kämpferin, die im Verdacht steht, die Tochter des früheren Anführers zu sein, während der andere das Spiel aus dem Hinterhalt deckt. Doch die Flucht der beiden ist getürkt und es sind eine Menge Doppelbödigkeiten im Spiel, bis alle Karten aufgedeckt und alle Interessen offenbart sind.
Wie gesagt, visuell ist es ein Rausch und die unwahrscheinlichen Tänze in den Lüften (hier zwischen turmhohen Bambuspflanzen) sind wunderbar in den Film integriert, besser noch als in den Referenzwerken, die auch in Europa einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich wurden (Hero, Tiger and Dragon).
Wo es dem Film jedoch sichtlich gebricht, ist die restliche Story.
Natürlich, Dreieckgeschichten können eine verdammt intensive Angelegenheit sein: Liebe, Zuneigung, Intrigen, Täuschung, Betrug, Trauer, Mitleid – ein Wirbelsturm der Gefühle.
Dumm nur, daß hier auf jeden doppelten Boden, der den Zuschauer überrascht, mindestens drei lächerliche Kitschszenen von gefühlsmäßigen Ausbrüchen der o.a. Sorte kommen, deren humoristisches Potential sich vor allem im Dialog austobt, der an Banalitäten kaum noch zu übertreffen ist. Flachste Phrasen und endlose bedeutungsschwangere Pausen voller Gefühlspathos laden das Publikum geradezu zu hämischen Kommentaren ein und auch wenn die weibliche Hauptperson immerhin ihre Rolle verinnerlicht zu haben scheint, bleiben die männlichen Pendants simple Abziehbilder.
Andererseits zolle ich gern Szenen wie dem Bambusgefecht oder dem martialischen Schlußkampf, währenddessen in einer fließenden Überblendung aus dem Herbst tiefster Winter wird, meinen Tribut, aber das reicht leider nicht aus, um den Film aus dem Durchschnitt hervorzuheben.
Solche Ware kennt man aus anderen Genres zu oft schon aus Amerika: Optik 1A, aber der Rest ist leider nur blah. Wer das ertragen kann, richte sich aber bitte auf einen Trip ein . (5/10)